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Ansteckung, Erkrankung, Impfung - was wir über Omikron wissen

·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Omikron, eine hochgradig übertragbare Variante des Coronavirus, das Covid-19 verursacht, hat sich innerhalb weniger Wochen weltweit verbreitet und in den letzten Tagen die Infektionszahlen auf neue Rekordhöhen steigen lassen. Aufgrund ihrer zahlreichen Mutationen unterläuft Omikron die Immunisierung durch Impfung oder Erkrankung in höherem Maße. Zugleich scheint die Wahrscheinlichkeit geringer, dass der Erreger schwere Krankheitsverläufe verursacht, speziell bei Geimpften. Wie diese beiden Eigenschaften zusammenwirken und was das für den weiteren Verlauf der Pandemie bedeutet, versuchen Wissenschaftler immer noch herauszufinden.

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1. Was ist das Besondere an dieser Variante?

Die zuerst in Südafrika identifizierte Omikron-Variante von Sars-CoV-2 zeichnet sich durch 30 oder mehr Veränderungen im Spike-Protein aus. Die Hälfte dieser Veränderungen befindet sich in dem Bereich, der sich an das Enzym bindet, auf das das Coronavirus abzielt, um in Zellen einzudringen und eine Infektion zu verursachen. Mutationen in diesem Bereich können dazu führen, dass der Erreger weniger gut von den Antikörpern erkannt wird, die als Reaktion auf eine Impfung oder eine Infektion gebildet werden. Mindestens drei Mutationen tragen dazu bei, dass das Virus von Antikörpern nicht so gut erkannt wird und eine weitere scheint seine Fähigkeit zu erhöhen, in menschliche Zellen einzudringen, wodurch es leichter übertragbar wird. Omikron infiziert und vermehrt sich in den Atemwegen bis zu 70 Mal schneller als frühere Stämme, so Forscher der Universität Hongkong. Frühe Studien legten nahe, dass dies der Grund sein könnte, warum es so ansteckend ist. Aber ein Tweet vom 11. Januar von Schweizer Forschern, darunter Isabella Eckerle vom Genfer Zentrum für neu auftretende Viruserkrankungen, legt nahe, dass auch andere Mechanismen am Werk sein könnten.

2. Wie ansteckend ist die Variante?

Daten aus Großbritannien zeigen eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit einer Omikron-Infektion diese auch weiterverbreitet, als bei Delta, der Variante, die Mitte 2021 zum weltweit dominierenden Stamm wurde. Die Chance ist demnach dreimal so hoch, jemanden im selben Haushalt anzustecken. Die WHO hat erklärt, dass Omikron das Delta-Virus wahrscheinlich überall dort verdrängen wird, wo es sich in der Bevölkerung ausbreitet. Deutschland ist laut Robert-Koch-Institut auf dem Weg dahin; in der ersten Woche des Jahres waren bereits 73% der Neuinfektionen Omikron-Fälle.

3. Wie besorgniserregend ist das?

Eine am 31. Dezember veröffentlichte Studie der britischen Gesundheitsbehörde auf Basis einer halben Million Omikron-Fälle kam zu dem Schluss, dass das Risiko, bei dieser Variante eine Notfallversorgung oder eine Krankenhauseinweisung zu benötigen, etwa halb so hoch ist wie bei Delta. Eine Woche zuvor hatte eine Studie der Weltgesundheitsorganisation darauf hingewiesen, dass frühe Erkenntnisse aus Südafrika und Dänemark ebenfalls auf ein geringeres Risiko von Krankenhausaufenthalten hindeuten. Forscher der Universität Hongkong haben festgestellt, dass sich Omikron zwar schneller als andere Varianten in den Atemwegen repliziert, dies aber weniger effizient in der Lunge tut, wo Covid schwere und dauerhafte Schäden verursachen kann. Die hohe Übertragbarkeit von Omikron bewirkt freilich, dass selbst bei einem geringen Anteil von schwer Erkrankten immer noch sehr viele Menschen sehr krank werden.

4. Wie gut wirken verfügbare Impfungen?

Es gibt Hinweise darauf, dass die Covid-Impfstoffe die durch Omikron verursachten Infektionen weniger gut verhindern als frühere Varianten, dass der Schutz vor schwerer Erkrankung aber nicht völlig aufgehoben ist.

  • In einer südafrikanischen Studie, die am 29. Dezember veröffentlicht wurde, fanden Forscher heraus, dass die Wirksamkeit von zwei Dosen des Impfstoffs von Pfizer Inc. und BioNTech SE zur Vermeidung von Krankenhausaufenthalten bei einer Infektion mit Omikron von 93% auf 70% fällt

  • Laborexperimente deuten darauf hin, dass die Antikörper, die durch eine Impfung oder eine natürliche Infektion gebildet werden, Omikron weniger wirksam neutralisieren - und damit eine Infektion verhindern - als bei anderen Varianten

  • Allerdings scheinen die T-Zellen des Immunsystems, die infizierte Zellen zerstören und damit schwere Verläufe verhindern, von Omikron weniger beeinträchtigt zu werden. Das legen separate Studien der Erasmus-Universität in den Niederlanden und der Universität von Kapstadt nahe.

  • Auffrischimpfungen sollen helfen. In einer britischen Studie mit den Covid-Impfstoffen von AstraZeneca Plc, Moderna Inc. und Pfizer/BioNTech wurde errechnet, dass zwei Dosen Impfstoff das Risiko eines Krankenhausaufenthalts bei Omikron gegenüber Ungeimpften um 68% verringern, drei Dosen allerdings sogar um 88%. Auch beim Wirkstoff von Johnson & Johnson, ursprünglich als Einmalimpfung konzipiert, reduziert eine zweite Dosis die Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthalts nach einer Infektion mit Omikron um bis zu 85%.

5. Sind Genesene immun?

Forscher am Imperial College London schätzen, dass das Risiko einer erneuten Infektion mit Omikron mehr als fünfmal höher ist, als es bei Delta war. Die WHO sagte am 7. Januar, aus Südafrika, Großbritannien, Dänemark und Israel seien erhöhte Reinfektionsrisiken gemeldet worden.

6. Welche Behandlungen funktionieren?

Steroide und Medikamente, die als IL6-Rezeptorblocker bekannt sind und eine schädliche Überreaktion des Immunsystems unterdrücken können, sind nach Angaben der WHO weiterhin wirksam für die Behandlung von Patienten mit schwerem Covid. Andere Behandlungen werden derzeit geprüft, um zu sehen, wie sie wirken. Merck & Co. und Pfizer, die Hersteller neuer antiviraler Pillen zur Bekämpfung von Covid, haben erklärt, dass sie davon ausgehen, dass ihre Produkte der neuen Variante standhalten werden. Gilead Sciences Inc. sagte dasselbe über seine antivirale Infusion Remdesivir. Mehr Sorgen bereiten Behandlungen auf der Grundlage von Antikörpern, da diese auf das Spike-Protein abzielen, das bei der Omikron-Variante mutiert ist: Die U.S. Centers for Disease Control and Prevention erklärten, dass Antikörpertherapien wie die von Regeneron Pharmaceuticals Inc. und Eli Lilly & Co. möglicherweise weniger wirksam gegen Infektionen mit Omikron sein werden. Die Antikörperbehandlung Sotrovimab von GlaxoSmithKline Plc, die das Unternehmen in Zusammenarbeit mit Vir Biotechnology Inc. herstellt, dürfte hingegen wirksam bleiben.

7. Wie gut funktionieren Tests bei Omikron?

Laut der US-amerikanischen Food and Drug Administration könnten die schnelleren und billigeren Antigentests Omikron zwar erkennen, jedoch womöglich mit verminderter Genauigkeit. Bei den genaueren molekularen PCR-Tests gibt es laut FDA nur wenige, die Omikron nicht erkennen, oder die modifiziert werden müssen, um eine Infektion mit der Variante aufzuzeigen.

8. Woher kommt die Variante?

Wissenschaftler sehen Afrika als möglichen Ursprung, aber es ist noch nicht sicher, wie und wo die Mutation entstand. Der WHO wurde sie erstmals am 24. November aus Südafrika gemeldet. Eine Theorie besagt, dass die Variante sich wahrscheinlich während einer chronischen Infektion einer immungeschwächten Person entwickelt hat, möglicherweise einem unbehandelten HIV/Aids-Patienten. Die Beta-Variante, eine im vergangenen Jahr in Südafrika entdeckte Mutation, könnte ebenfalls von solch einem Patienten stammen.

Die Handbibliothek

  • Weitere Bloomberg QuickTakes zu Tests, Behandlungen und zur Impfpflicht-Debatte.

  • Die wöchentlichen Briefings der WHO zur Pandemie.

  • Die tägliche Übersicht des RKI zur Omikron-Verbreitung in Deutschland

  • Ein langes Interview des Deutschlandfunks mit dem Virologen Christian Drosten zu Omikron und der Pandemie

  • Der Mediziner und Wissenschaftler Eric Topol erklärt, warum Omikron bedrohlich ist.

  • Salim S. Abdool Karim und Quarraisha Abdool Karim beschreiben in einem Kommentar in The Lancet das Auftreten von Omikron als ein neues Kapitel der Covid-Pandemie.

  • Sam Fazeli von Bloomberg Intelligence erklärt die Wirksamkeit von Impfstoff-Boostern gegen Omikron.

  • Bloomberg Intelligence: Wir sollten uns über die neue Variante Sorgen machen.

Überschrift des Artikels im Original:

What We Know About Omicron, the New Virus Variant: QuickTake

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