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Anleihen mit negativer Rendite lohnen sich

Förster, Heinrich Prof. Dr
·Lesedauer: 5 Min.

Für deutsche Staatsanleihen wird es angesichts des Niedrigzinsumfelds mittelfristig ausschließlich Negativrenditen geben. Dies erschwert den Vermögensaufbau für viele Anleger. Lohnt sich ein Investment überhaupt noch?

Für deutsche Staatsanleihen wird es angesichts des Niedrigzinsumfelds mittelfristig ausschließlich Negativrenditen geben. Lohnt sich ein Investment überhaupt noch? Foto: dpa
Für deutsche Staatsanleihen wird es angesichts des Niedrigzinsumfelds mittelfristig ausschließlich Negativrenditen geben. Lohnt sich ein Investment überhaupt noch? Foto: dpa

Aktienmärkte weltweit sind zu Beginn des Jahres 2021 auf Allzeithochs geklettert. In Deutschland knackte der Dax unlängst die 14.000-Punkte-Marke. Anders sieht es bei Anleihen aus: Da die Volkswirtschaften noch mitten in der Bewältigung der Folgen der Covid-19-Pandemie stecken, bleiben Zinsen – vornehmlich aufgrund der Geldpolitik der Notenbanken – historisch niedrig.

Seit nun mehr etwa zwei Jahren ist die Umlaufrendite in Deutschland negativ. Dadurch stehen Anleger vor einem Dilemma: Erwirbt man Bundeswertpapiere – verleiht also dem deutschen Staat Geld in der Erwartung, dieses auch sicher wieder zurück zu erhalten – ist der Ertrag über die vereinbarte Laufzeit negativ. Man bekommt weniger Geld zurück, als man verliehen hat. Dies gilt mittlerweile selbst dann, wenn man die längste verfügbare Laufzeit von 30 Jahren wählt. Deutschland ist dabei kein Einzelfall. Gut ein Viertel des gehandelten globalen Gesamtanleihebestands weist negative Renditen auf.

Viele Anleger stehen daher vor der Frage: Gehören Staatsanleihen überhaupt noch in mein Portfolio?

Professionelle Anleger kaufen weiterhin Staatsanleihen

Banken, Versicherungen und Pensionsfonds sind weiterhin als Käufer von Staatsanleihen am Markt tätig, weil sie insbesondere aus regulatorischen Gründen dazu gezwungen sind. Und natürlich gibt es auch Marktteilnehmer, die auf noch weiter fallende Zinsen setzen, um dann beim Weiterverkauf Kursgewinne zu realisieren.

Zudem sind es vor allem die Zentralbanken, die als Käufer auftreten. In Europa hat die EZB die Programme zur quantitativen Lockerung wiederaufgenommen und ausgeweitet. Neben den bereits laufenden Anleihekaufprogrammen hat die EZB ihr Pandemic Emergency Purchase Programm (PEPP) auf 1,85 Billionen Euro aufgestockt und bis mindestens März 2022 verlängert.

Doch was gilt für den durchschnittlichen Sparer und Anleger, der langfristig investiert, etwa weil er seine Altersvorsorge im Blick hat? Sollte er oder sie weiter in Rentenpapiere investieren, selbst wenn dadurch der Gesamtertrag des Sparplans oder Portfolios fällt? Die Antwort lautet: ja, denn erstklassige Anleihen diversifizieren und stabilisieren das Portfolio. Dies gilt auch dann, wenn damit Kosten verbunden sind, also quasi eine Diversifikationsprämie zu zahlen ist.

Rentenpapiere und Risikobudgets

Zunächst einmal sollten sich Anleger darüber im Klaren sein, dass die derzeitige Zinssituation keine kurz- oder mittelfristige Ausnahme darstellt. Schaut man sich implizite Volatilitäten an, also Preisschwankungen an Derivatemärkten, zeigen die heutigen Bewertungen, dass Zinsen noch über Jahre niedrig sein werden. Darüber hinaus zeigt eine Studie über einen Zeitraum von mehr als 700 Jahren, veröffentlicht im Jahr 2019 von Harvard-Professor Paul Schmelzing, dass sich sowohl reale als auch nominale Zinsen nicht um einen Durchschnittswert herumbewegen, mit Ausschlägen nach oben und unten. Vielmehr sinken sie kontinuierlich und die Entwicklung der letzten Jahrzehnte ist keine Ausnahme, sondern verdeutlicht den Trend sinkender Durchschnittszinsen.

Es ist daher kaum gewagt, wenn wir unterstellen: Selbst, wenn es zu einer Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik käme, wird dies voraussichtlich lediglich zu einem moderaten Zinsanstieg führen.

Um daraus die richtigen Schlüsse in Bezug auf Investitionsentscheidungen zu ziehen, sollten sich Anleger der Risikoreduzierungs-Motive bewusst sein, die mit dem Erwerb von Staatsanleihen verbunden sind:

Einerseits der Risikoverwässerungseffekt. Dieser entsteht aus der Mischung von risikoreichen Vermögenswerten mit Rentenpapieren, die ein sehr niedriges Risiko (gemessen anhand der Volatilität) aufweisen. Dabei gilt, dass Anleihen emittiert von Staaten mit größter Bonität die geringste Volatilität aufweisen und somit den größten Risikoverwässerungseffekt zeigen. Sie garantieren die Rückzahlung bei Fälligkeit, ein Punkt, der in Krisenzeiten wichtiger ist, als die erzielbare Rendite.

Zweites, der Dekorrelationseffekt. Dieser beschreibt eine unkorrelierte Renditeentwicklung von Anleihen mit anderen Vermögenswerten. Im besten Falle steigen die Renditen der Anleihen, wenn die Aktienrenditen fallen und umgekehrt. Zwar bieten auch andere Anlageklassen Risikominimierung, aber nur Renten zeigen die Kombination aus beiden Effekten.

Fazit: Renten gehören in jedes Mischportfolio

Auch wenn es zu Situationen wie im Frühjahr 2020 kommen kann, als Aktien und Renten im Gleichlauf nach unten gingen, bieten Anleihen in den meisten Phasen die effizienteste Form der Diversifikation. Rentenpapiere, insbesondere mit langer Laufzeit, gehören daher in jedes Multi-Asset-Portfolio. Sie bieten eine partielle Absicherung gegen Verluste. Dies ändert sich auch deshalb nicht, weil die Renditen der Staatsanleihen negativ sind. Risikominimierung durch Anleihen in einem Portfolio hat einen Preis. Die Investition wirkt wie eine Versicherung, bei der man eine Prämie zahlt, um Risiken zu mindern.

Bedeutet dies dann, dass sich Anleger in Zukunft mit niedrigeren Renditen ihrer Portfolios zufriedengeben müssen? Nein. Aber er oder sie sollte dem Risikomanagement im gesamten Anlageprozess die erforderliche Aufmerksamkeit zu Teil werden lassen. Für dieses Risikomanagement sind „risikolose“ Wertpapiere wie Staatsanleihen als Beimischung zu Aktien weiterhin am besten geeignet. Ziel sollte nicht sein, mehr Risiken einzugehen, sondern ein vorhandenes Aktienportfolio bestmöglich zu diversifizieren, um so insgesamt im Vermögensaufbau eine höhere Aktienquote bei Einhaltung eines gegebenen Risikobudgets zu realisieren.

Welche strategischen Möglichkeiten stehen dafür in der Praxis zur Verfügung? Statt in kapitalgewichtete Aktienindizes zu investieren, sollten Anleger in Aktien mit niedrigerer Volatilität investieren, um ein Portfolio mit minimaler Varianz zu kreieren oder auf Anbieter vertrauen, die Minimum-Varianz-Strategien verfolgen. Die Optimierung der Volatilität einzelner Aktien und deren Korrelation zueinander resultiert in Portfolios, die im Vergleich zu kapitalgewichteten Alternativen systematisch niedrigere Risiken und langfristig bei gleichem Risiko höhere Renditen zeigen.

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