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Warum Angst und Nervosität uns schlechtere Entscheidungen treffen lassen

·Lesedauer: 3 Min.

Ein Leben ohne Angst und Nervosität wäre sicher angenehm. Es ist aber unrealistisch. Denn es wird sie immer geben, diese Situationen, in denen wir uns vor etwas fürchten oder aufgeregt sind. Bei manchen passiert es, wenn sie einen Vortrag vor vielen Menschen halten sollen. Bei anderen, wenn sie im Bewerbungsgespräch nach ihren Gehaltsvorstellungen gefragt werden. Und bei wieder anderen, wenn ihre Eltern von ihnen wissen wollen, warum sie eigentlich immer noch Single sind.

In all diesen potenziell stressigen Situationen ist eines essenziell: Wir müssen uns möglichst schnell für eine adäquate Reaktion entscheiden. Sollen wir in unserer Präsentation vor den Kollegen auf die letzte Folie mit den vielen Zahlen verzichten, um sie nicht zu langweilen? Sollen wir im Gespräch mit der Personalerin lieber die sehr hoch angesetzte Gehaltsvorstellung nennen oder die etwas niedrigere? Sollen wir unseren Eltern diplomatisch antworten – oder sagen, dass sie unser Beziehungsstatus nichts angeht?

Wer erregt ist, entscheidet schlechter

Ein Forschungsteam der New Yorker Icahn School of Medicine am Mount Sinai hat sich nun damit beschäftigt, was in unserem Gehirn passiert, wenn wir unter Stress genau solche relativ schnellen Entscheidungen treffen müssen. Die Studie, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dazu durchgeführt haben, ist im Fachmagazin "PNAS" veröffentlicht worden. Stark vereinfacht ausgedrückt lautet eines der Ergebnisse: Eine hohe körperliche Erregung lässt Menschen schlechtere Entscheidungen treffen.

Für ihre Forschung analysierten die Wissenschaftler zunächst Daten, die Studienleiter und Neurologe Peter Rudbeck in einem früheren Experiment zusammengetragen hatte. Dafür hatte Rudbeck drei Rhesus-Affen immer wieder eine Entscheidung treffen lassen – zwischen entweder einer großen Menge Saft oder einer kleinen. Die Affen entschieden sich stets für die größere Menge Saft und sie taten dies umso schneller, je schneller ihr Herz gerade schlug. Das legte zunächst nahe, dass Aufregung – die sich im schnellen Herzschlag widerspiegelt – zu besseren Entscheidungen führt.

Als nächstes sahen sich die New Yorker Forscher allerdings zusätzlich die beiden Zentren der Affengehirne an, die beim Treffen der Entscheidungen aktiv sind. Und sie stellten fest: Die Aktivität der darin befindlichen Nervenzellen änderte sich, je nachdem, ob die Herzfrequenz der Affen sich veränderte. Das belegt, was schon frühere Gehirnscans belegt hatten: Körperliche Erregungszustände verändern die Aktivität der Nervenzellen in den Gehirnregionen, die für unsere Entscheidungen verantwortlich sind.

Diese Ergebnisse veranlassten Peter Rudbeck und sein Team dazu, eine Frage zu stellen: Was passiert wohl im Gehirn solcher Menschen, die regelmäßig extrem erregt sind – beispielsweise Menschen, die unter Angststörungen, Süchten oder anderen psychischen Problemen leiden? Wie beeinflusst die jeweilige Störung ihre Entscheidungsprozesse?

Angst und Aufregung als „Kidnapper“ bei der Entscheidungsfindung

Auch für die Beantwortung dieser Fragen zogen die Forscher wieder die Daten aus der früheren Studie Peter Rudbecks heran. Sie sahen sich an, was damals in den Gehirnen der Rhesus-Affen passiert war, nachdem deren Amygdala – das Zentrum des Hirns, das emotionale Reize bewertet und reguliert – künstlich abgestellt worden war. Der Eingriff hatte dazu geführt, dass sich die Herzfrequenz der Tiere um 15 Schläge pro Minute erhöhte. Diese gesteigerte Erregung wiederum hatte zur Folge, dass die Affen für ihre Entscheidung zwischen den verschiedenen Saftmengen mehr Zeit brauchten. Sie wurden langsamer. Der Erregungszustand behinderte also ihren Entscheidungsprozess.

Auch hier schauten sich die Forschenden erneut die Aktivität der Nervenzellen an und beobachteten Spannendes: Im Zustand gesteigerter Erregung waren weniger Nervenzellen aktiv, die eigentlich an der Entscheidungsfindung hätten beteiligt sein müssen. Jene Nervenzellen hatten plötzlich eine neue Rolle: Sie regulierten in einer anderen Hirnregion andere innere Prozesse im Körper der Rhesus-Affen. In einer Mitteilung zur Studie wird dieser Effekt mithilfe einer Metapher beschrieben: Es sei, als wären die Nervenzellen, die normalerweise bei Entscheidungen helfen, von der körperlichen Erregung „gekidnappt“ worden.

Laut Studienleiter Rudbeck sieht es so aus, als übernähmen plötzliche Erregungszustände die Entscheidungsprozesse im Gehirn, sobald sie eintreten. Inwiefern dieser Effekt auch bei psychischen Störungen zu beobachten sei und zu ihnen beitrage, solle in Zukunft noch mehr untersucht werden.

jb

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