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Amazon und Microsoft: Cloud-Projekte verzögern sich aufgrund fehlender IT-Talente

·Lesedauer: 4 Min.
Der CEO von Amazon Web Services, Adam Selipsky (links) und der CEO von Microsoft, Satya Nadella (rechts).
Der CEO von Amazon Web Services, Adam Selipsky (links) und der CEO von Microsoft, Satya Nadella (rechts).

Mitte Juli veröffentlichte die Schweizer UBS Bank einen Geschäftsbericht, in dem Analysten auf eine potenzielle Schwachstelle für die Wachstumskräfte der Clouds von Amazon, Microsoft und Google hinweisen.

Cloud oder Cloud Computing bedeutet die internetbasierte Bereitstellung von Speicherplatz, Rechenleistung oder Anwendungssoftware. Während der Pandemie verzeichneten die Dienstleistungen der Clouds ein enormes Wachstum. Laut UBS-Analysten, die mit insgesamt 15 Unternehmenskunden und Cloud-Partnern der sogenannten Big Three (Microsoft, Amazon und Google) sprachen, war das zweite Quartal 2021 das erste, in dem sie „durchweg Bemerkungen“ über die Sorgen bezüglich eines Mangels an IT-Talenten hörten. Auch wenn die Schweizer Großbank das Risiko vorerst nur als „moderat“ eingestuft haben, betonen die Analystinnen und Analysten, dass die Situation dennoch genauer beobachtet werden sollte.

Die großen Cloud-Anbieter wie Amazon, Microsoft und Google stützen sich alle auf Managed-Services-Anbieter und IT-Partner. Diese sollen ihre Kundinnen und Kunden bei der Umstellung auf die Nutzung der Clouds helfen. Aufgrund der steigenden Nachfrage während der Pandemie, wuchs auch der Bedarf an ausgebildeten Fachkräften, die bei der Umstellung helfen sollen. Laut des Geschäftsberichts der UBS ist die Nachfrage dahingehend so rekordverdächtig gestiegen, dass sie das Angebot schon bald übersteigen könnte. Das würde das Cloud-Geschäft wiederrum insgesamt sehr beeinträchtigen.

„Das offensichtliche Risiko für die Cloud-Computing-Anbieter Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud besteht darin, dass Kundinnen und Kunden geplante Umstellungsprojekte aufgrund von Personalengpässen nicht vorantreiben können“, schreiben die Analysten. Das zeige „im Wesentlichen die Geschwindigkeit, mit der zugesagte Vereinbarungen in die Umsetzungen umgewandelt werden. Das beeinflusst damit auch die Verbrauchseinnahmen der Big Three.“

Einige Cloud-Kundinnen und Kunden berichteten der Großbank, dass es bei einigen ihrer Umstellungsprojekte bereits zu monatelangen Verzögerungen kommt, da ihre IT-Partner dabei sind, einen Rückstand abzuarbeiten. Die entsprechenden Kompetenzen für die Cloud-Nutzung sind auch bei den Kundinnen und Kunden gefragt, insbesondere bei denen, die keine eigenen IT-Fachkräfte haben oder diese noch nicht für die Cloud-Nutzung geschult sind.

Der stellvertretende Geschäftsführer des Unternehmens Gartner, Sid Nag, erklärte in einem Gespräch mit Business Insider, dass mehr als 40 Prozent der Unternehmen bei ihrer Cloud-Einführung auf die Hilfe von IT-Expertinnen und Experten angewiesen sind. Das bedeutet für viele Unternehmen, dass die Cloud-Einführung für sie erst einen Nutzen hat, wenn die Anwendung der Technologie vollständig implementiert ist. Dauern diese Einführungsprozesse aufgrund eines Personalmangels an Fachkräften länger, verzögert sich auch die Nutzungsmöglichkeiten für die Unternehmen. Jede Verzögerung wirft somit Fragen über die Nutzung und den allgemeinen Wert der Clouds auf.

Der Mangel an Cloud-Expertinnen und Experten lässt also nicht nur bei den Big Three die Alarmglocken läuten. Auch bei größeren und kleineren IT-Anbietern, die das Personal benötigen, als auch bei Kundinnen und Kunden, die anfangen, sich mit Cloud-Computing zu beschäftigen, besteht Grund zur Sorge. Ein Unternehmenskunde, der von UBS zur Thematik befragt wurde, sagte, „der Kampf um Talente und Expertinnen und Experten unter den großen Cloud-Infrastrukturpartnern sei verrückt. Sowohl die Kundinnen und Kunden als auch die IT-Unternehmen können nicht schnell genug einstellen.“ Ein anderer Interviewpartner von UBS gab an, dass einige der größten IT-Partner sogar versucht hätten, kleinere spezialisierte Firmen zu übernehmen, um sich mit Fachkräften zu versorgen. „Wir werden jetzt regelmäßig von den globalen IT-Unternehmen angesprochen“, erklärte er.

Seit einiger Zeit warnen bereits Expertinnen und Experten davor, dass ein drohender Mangel an Fachkräften eine Gefahr für ”The Big Three" darstellt. „Es wird immer mehr Wert auf die Fähigkeiten gelegt, die für die Cloud-Einführung notwendig sind“, erklärte Lydia Leong in einem Interview mit Business Insider im März. Auch sie arbeitet für das Unternehmen Gartner, das als Anbieter fungiert, der Marktforschungsergebnisse und Analysen über die Entwicklungen in der IT anbietet. „Jedes Unternehmen braucht mehr Expertinnen und Experten in diesem System. Das gilt für alle Cloud-Anbieter.“ Zusätzlich schlug Leong vor, dass Amazon, Microsoft und Google kleinere professionelle Dienstleistungsunternehmen übernehmen könnten, um die Lücke an Fachkräften zu füllen. So könnte auch die Nachfrage ausreichend gedeckt werden oder sogar mit der Konkurrenz mithalten.

„Große Arbeitsaufgaben verlagern sich in die Cloud — und das genau im Blickfeld von der Redmond-Cloud und Azure, die beide zu Microsoft gehören“, so der Geschäftsleiter von Wedbush Securities, Dan Ives. Diese Verlagerung mache IT-Partner umso notwendiger, um AWS (der Cloud-Anbieter von Amazon) zu helfen, seinen derzeitigen Vorsprung vor Microsoft zu halten. Letztendlich räumt UBS ein, Amazon, Microsoft und Google weisen weiterhin eine starke Dynamik auf, die in absehbarer Zeit vorerst nicht nachlassen dürfte. Nichtsdestotrotz ist der Mangel an Fachkräften weiterhin ein reales Problem, um das sich gekümmert werden muss. Doch das ließe sich, laut Leong, nicht innerhalb eines Tages lösen. Es ist „einer der Punkte, bei dem wir unsere Kundinnen und Kunden am meisten herausgefordert sehen“, so Leong.

Dieser Artikel von Julia Knopf wurde aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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