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Alpecin-Hersteller setzt auf Wachstum in Asien

Das Familienunternehmen Dr. Wolff wächst plötzlich nur noch langsam. Das liegt Gesellschafter Eduard Dörrenberg zufolge vor allem an hohen Investitionen.

Eigentlich sind sie bei der Dr.-Wolff-Gruppe ein bisschen zu erfolgsverwöhnt, um diese Zahlen zu feiern: Der Bielefelder Pharma- und Kosmetikhersteller, der unter anderem mit seiner Shampoo-Marke Alpecin in Asien seit Jahren rasantes Wachstum verzeichnet, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr nur leicht an Umsatz zu.

Nach den vorläufigen Zahlen, die der geschäftsführende Gesellschafter Eduard Dörrenberg am Donnerstag vorlegte, stieg er auf 313 Millionen Euro, nach 309 Millionen Euro im Vorjahr. Noch zehn Jahre zuvor hatte der Umsatz gerade mal die Hälfte, gut 165 Millionen Euro, betragen.

Für Dörrenberg, Urenkel des Firmengründers, der die Expansion in den zurückliegenden Jahren entscheidend vorangetrieben hat, ist der bescheidene Zuwachs allerdings kein Misserfolg.

Der 51-Jährige, der bei Dr. Wolff unter anderem für das Marketing und den Vertrieb verantwortlich ist und das Geschäft der Gruppe im asiatischen Raum von Singapur aus aufgebaut hat, erklärt: „Wir haben in den letzten fast 20 Jahren enorme Anstrengungen unternommen und hohe zweistellige Millionenbeträge in Forschung und Entwicklung unserer Kernbereiche Haar-, Haut- und Zahnpflege investiert.“

Dies habe 2019 zu großen Durchbrüchen geführt. So verweist das 1905 als „Sudbracker Nährmittelwerke Vinces“ gegründete Unternehmen darauf, eine Studie für eine Creme zur Behandlung übermäßigen Schwitzens („primäre Hyperhidrose“) erfolgreich abgeschlossen zu haben.

Damit sei man der Zulassung als Arzneimittel, die 2020 beantragt werden solle, nähergekommen. An dem Krankheitsbild leiden laut Dr. Wolff allein in Deutschland etwa eine Million Menschen. Zudem weise eine US-Studie die Effektivität des Wirkstoffs Hydroxylapatit (HAP) bei der Zahnpflege nach.

Dazu muss man wissen: Das Familienunternehmen mit heute 675 Mitarbeitern wirbt seit Jahren auch mal in durchaus provokanter Art für die Anerkennung des Wirkstoffs und seine Zahncreme Karex, die im Unterschied zu vielen anderen Marken kein Fluorid enthält.

Mit der Strategie bei dem wohl bekanntesten Produkt, dem Koffein-Shampoo Alpecin, sieht sich Dr. Wolff bestätigt. In Deutschland kostet die Flasche rund sechs Euro, in China knapp das Doppelte.

So gilt es zumindest als umstritten, ob die Wirksamkeit von Koffein bei Haarausfall praktisch tatsächlich relevant ist. Eine britische Forschergruppe sei aber nun nach Bewertung der Studienlage zu Koffein zu dem Schluss gekommen, dass „hinreichende Beweise“ vorlägen, dass es Haarausfall vorbeuge.

Mit Blick auf das anbrechende Jahrzehnt sei die Produktpipeline also bestens gefüllt, heißt es in Bielefeld. „Wir haben uns damit eine hervorragende Basis geschaffen, um auch im neuen Jahrzehnt aus eigener Kraft weiterwachsen zu können“, sagt Dörrenberg.