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Allianz-Tochter sieht 30-Mrd.-Euro-Schutzschirm als ‘Blaupause’

Stephan Kahl

(Bloomberg) -- Der Deutschland-Chef von Euler Hermes warnt wegen der Coronakrise vor einem “sehr schwierigen” Jahr für die Kreditversicherer im Land. Den kürzlich von der Bundesregierung gespannten Schutzschirm für Warenkredite hält er für richtig und sieht darin ein mögliches Vorbild für andere Länder.

“Eine europaweite Lösung wäre wünschenswert”, sagte Ron van het Hof in einem Interview mit Bloomberg. Die Geschäfte der Unternehmen würden schließlich nicht an Landesgrenzen enden. “Die Lösung, die wir in Deutschland gefunden haben, ist eine Blaupause, die leicht in anderen Ländern adaptiert werden könnte.“

Mit Warenkreditversicherungen, wie sie von der Allianz-Tochter angeboten werden, sichern sich Firmen gegen Zahlungsausfälle ab. In Deutschland übernimmt die Regierung 2020 eine Garantie für Entschädigungszahlungen der Kreditversicherer von 30 Milliarden Euro. Im Gegenzug überlassen die Versicherer dem Bund 65% ihrer Prämieneinnahmen. Die Vereinbarung soll sicherstellen, dass Versicherungen weiter zur Verfügung stehen und der Handel funktioniert.

Van het Hof zeigte sich “zuversichtlich”, dass der Schutzschirm ausreichen wird, um die diesjährigen Entschädigungszahlungen abzudecken. “Sicher ist das aber nicht”, sagte er. Fakt sei, dass die Schäden deutlich zunehmen dürften. Euler Hermes rechne aktuell mit einem Anstieg der Insolvenzen in Deutschland in diesem Jahr von 10% gegenüber 2019.

“Durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflichten in Deutschland ist die Verschlechterung der Bonität von Unternehmen im Moment für uns nicht so gut sichtbar. Wir beobachten aber schon, dass es reichlich Bewegung gibt”, sagte van het Hof.

Seinen Worten zufolge werden manche Sektoren wie etwa Touristik und Gastronomie durch die aktuelle Lage besonders stark von Insolvenzen betroffen sein. Andere Branchen könnten vielleicht noch in der zweiten Jahreshälfte Geschäfte nachholen. “Der Schuldenberg bleibt bei vielen Unternehmen allerdings auch längerfristig ein Problem”, sagte er.

Van het Hof warnte davor, dass eine Warenkreditversicherung keine Vollkaskoversicherung für riskante Geschäfte sei: “Auch mit dem Schutzschirm ist es kein Freifahrtschein für Unternehmen, die schon vor der Coronakrise finanzielle Schwierigkeiten hatten”.

Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft hatten die deutschen Kreditversicherer 2019 im inländischen Direktgeschäft Prämieneinnahmen von 817 Millionen Euro und einen Schadensaufwand von 421 Millionen Euro.

Der Schutzschirm ist laut van het Hof innerhalb von nur etwa drei Wochen mit der Bundesregierung ausgehandelt worden. “Die Finanzkrise von 2008 hat gezeigt, dass es in solchen Stresssituationen für die Unternehmen vor allem auf Geschwindigkeit ankommt”, sagte er.

Ohne die Vereinbarung hätten seinen Worten zufolge die Versicherer für viele Unternehmen die Deckungsgrenze reduzieren oder die Deckungen ganz aufheben müssen. Eine Verlängerung des Schutzschirms im kommenden Jahr sei derzeit nicht vorgesehen.

(Insolvenzgefahren ergänzt im 6. Absatz)

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