Deutsche Märkte geschlossen

Aldi Süd und Lidl melden erste Hamsterkäufe

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Leere Klopapier-Regale prägten das Bild vom Beginn der Pandemie im Frühjahr. Nun sprechen Discount-Supermärkte wieder von ersten Großeinkäufen.

Paletten voll Toilettenpapier stehen im Zentrallager des Lebensmitteldiscounters Aldi bereit. Der Umsatz ist dieses Jahr gestiegen. Foto: dpa
Paletten voll Toilettenpapier stehen im Zentrallager des Lebensmitteldiscounters Aldi bereit. Der Umsatz ist dieses Jahr gestiegen. Foto: dpa

In Frankreich wurden während des Lockdowns im Frühjahr Wein und Kondome knapp. Deutsche hingegen bunkerten Klopapier. Die Ersten stocken ihre Vorratsschränke scheinbar wieder auf, melden die Supermarkthändler Aldi Süd und Lidl, wie die Wirtschaftwoche berichtet. Beim Klopapier würden sich die Regale ein wenig lichten. Wie im Frühjahr sei aber auch jetzt die Versorgung gesichert.

Nimmt man Klopapier jedoch als Angst-Indikator der Coronakrise, dann steigt jetzt wieder die Furcht vor einem Lockdown. Kein Wunder, sind die Infektionszahlen auf über 5000 Personen täglich gestiegen und zahlreiche neue Corona-Regeln, wie das Beherbergungsverbot, erlassen worden.

So könnte es sein, dass zum Ende des Jahres der Klopapierindex wieder steigt. Von Januar bis September stieg der Umsatz mit Toilettenpapier bei Drogerien und Supermärkten im Vergleich zum Vorjahr bereits um 6,3 Prozent, das zeigt eine Auswertung des Marktforschungsinstituts Iri.

Gerade zu Beginn der Coronakrise waren die Umsätze mit Toilettenpapier in Drogerien und größeren Supermärkten in die Höhe geschnellt. In der zweiten Märzwoche etwa lag der Umsatz um 135 Prozent höher als in der Vergleichswoche 2019.

Danach ging es jedoch steil bergab mit der Nachfrage, ehe sich die Zahlen im Juli wieder stabilisierten. Trotzdem lagen die Umsätze in der zweiten Septemberwoche noch immer um rund neun Prozent unter dem Wert der Vergleichswoche 2019.

Menschen suchen nach Corona-Zahlen und Puzzles

Auch für den Toilettenpapier-Hersteller Essity, der mit seiner Marke Tork unter anderem Großabnehmer wie Bürogebäude und Restaurants beliefert, seien die Monate März und April Ausnahmemonate gewesen, wie eine Essity-Sprecherin mitteilte. „Wir haben im März und April sehr viel mehr Ware produziert, mussten allerdings auch höhere Kosten, beispielsweise in Transport und Logistik, tragen.“

Da viele Menschen noch immer im Homeoffice seien und zudem ein stärkeres Bewusstsein für Hygiene entwickelt hätten, seien die Absatzzahlen für Toilettenpapier und Haushaltstücher noch immer über dem Vor-Corona-Niveau, so die Sprecherin. „Aktuell deutet aber nichts darauf hin, dass die Menschen wieder beginnen Hamstervorräte anzulegen.“

„Es könnte natürlich zu erneuten Hamster-Käufen kommen“, sagte Marktforschungs-Experte Dominick Overbeck von Iri mit Blick auf eine mögliche zweite Pandemie-Welle im Winter. Gleichzeitig könne es jedoch sein, dass die Verbraucher aufgrund der Erfahrungen in der ersten Welle keine Versorgungslücken befürchteten und deshalb auf eine ständige Verfügbarkeit vertrauten.

Die Suchanalysen von Google zeigen zumindest, dass sich die Menschen auf die Zeit zu Hause einstellen. Sie suchen wieder vermehrt nach Begriffen wie Corona-Zahlen, Masken, Fieberthermometern aber auch heimeliger Unterhaltung wie Puzzles.

Mehr: Neue Maskenpflicht, kleinere Feiern, Beherbergungsverbot: Das steht in der Beschlussvorlage.

Mit Material der dpa