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"Der aktuelle Weg ist der Falsche": GEW-Chefin rechnet mit der Corona-Politik ab — und warnt vor Schulschließungen

·Lesedauer: 3 Min.
Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Ob in TV-Debatten, auf Wahlkampftouren oder bei Debatten im Bundestag: die Kanzlerkandidierenden Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet (CDU) versprechen alle am Präsenzunterricht in den Schulen festzuhalten.

Zeitgleich steigt die Zahl der Corona-Quarantänefälle an Schulen wieder an: Anfang September meldete das hessische Kultusministerium rund 1500 Schulkinder in Quarantäne; Hamburg meldete schon mehr als 1600 Schüler und Schülerinnen und Nordrhein-Westfalen kam sogar auf mehr als 40.000 Schüler sowie beinahe 300 Lehrkräfte in Quarantäne, schreibt der "Spiegel". Warnungen bekannter Gesundheitspolitiker wie Karl Lauterbachs (SPD) vor weitgehendem Unterrichtsausfall im Herbst scheinen ins Leere zu laufen.

Auch die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft, Maike Finnern, findet die aktuellen Zahlen bedrückend: "Schon jetzt sind teilweise ganze Klassen in Quarantäne", sagt sie Business Insider. Finnern fordert: "Die Politik muss jetzt alles dafür tun, dass wir keinen Winter wie im vergangenen Jahr bekommen. Aber der aktuelle Weg ist der Falsche, die Maßnahmen für Schulen werden zu zögerlich gemacht."

Es brauche einen Mix aus Maßnahmen aus flächendeckenden PCR-Tests, Luftfiltern an Schulen und mehr Personal. Anderenfalls könne man nicht am Präsenzunterricht festhalten, wie von den Gesundheitsministern versprochen.

PCR-Tests sind kein flächendeckender Standard an Schulen, obwohl sie als präziser gelten

Tatsächlich ist es in vielen Bundesländern inzwischen Alltag, dass Kinder und Jugendliche zwei bis dreimal in der Woche auf Corona getestet werden. Doch vielerorts wird immer noch mit Schnelltests statt mit PCR-Pooltests getestet, obwohl das Robert Koch-Institut (RKI) bereits im Juli PCR-Tests empfahl, "um das Infektionsgeschehen in Kitas und Grundschulen überwachen zu können und gleichzeitig das Risiko für Übertragungen signifikant zu reduzieren."

So ergab Ende August bereits eine ARD-Umfrage unter allen Ländern, dass lediglich Bayern, Nordrhein-Westfalen, Bremen und Baden-Württemberg PCR-Pooltests flächendeckend zum Standard machen wollen. In Berlin hingegen seien die PCR-Tests nur für sechs Wochen eingeplant. Die übrigen Länder setzen weiterhin vor allem Schnelltests und wollen die genaueren PCR-Tests überhaupt nicht oder nur in kleinen Modellprojekten verwenden.

Die fehlenden flächendeckenden PCR-Tests an Schulen hält GEW-Chefin Finnern für ein Problem: „Wir wissen doch zu oft, dass das Ergebnis der Schnelltests nicht präzise genug ist", sagt sie. Im Herbst würde das aber erst recht wieder wichtiger werden. Doch statt über Prävention zu diskutieren, begrenzten die Gesundheitsminister der Länder die Quarantäne in Kitas und Schulen auf wenige Personen.

Die Gesundheitsminister beschlossen kürzere Quarantäneregeln, aber keine Präventionsstrategien

Als sich am Montag die Gesundheitsminister aller Länder, wurden geänderte Richtlinien für Kitas und Schulen verabschiedet, abgesegnet durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Im Beschluss heißt es: "Im Interesse eines möglichst verlässlichen Schulunterrichts in Präsenz und zur Gewährleistung einer Betreuung der Kinder in den Kinderbetreuungseinrichtungen" sei die Quarantäne von Kontaktpersonen "auf möglichst wenige Personen zu beschränken". Grundsätzlich solle nicht mehr der gesamte Klassenverband eine Quarantäneanordnung erhalten, falls es zu einem Infektionsfall in der Klasse käme.

Schulschließungen werde man so nicht verhindern, meint GEW-Chefin Finnern. Stattdessen fordert sie wie schon im vergangenen Jahr: mehr Personal für Unterricht in kleinen Gruppen und zur Nachverfolgung von Corona-Fällen, aber auch mehr Luftfilter, um Corona-Infektionen vorzubeugen. "Beim Thema Luftfilter gibt es inzwischen Geld, aber die Geräte kommen nicht flächendeckend bei den Schulen an", sagt sie. Da sei bundesweit zu wenig passiert, obwohl auch hier das RKI bereits im Juli in Vorbereitung auf den Herbst empfohlen hatte, genügend Luftfilter an Schulen anzuschaffen.

Fehlende flächendeckende PCR-Tests an Schulen und fehlende Luftfilter, für Bildungsgewerkschafterin Finnern sind das Probleme, die schon viel früher hätten behoben werden können. "Trotzdem ändert sich nur wenig", sagt sie. Schulen hätten nach wie vor keine Priorität in der Corona-Politik: „Es fehlt der politische Wille, Schulen nicht als Nebenschauplatz zu betrachten", meint Finnern. Ohne das Festhalten an einheitlichen Maßnahmen gehe die Politik aber das erhöhte Risiko ein, dass die Zahlen der Corona-Infektionen und der Quarantäne-Fälle an Schulen und in Kitas weiter anstiegen.

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