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Ad-Busting-Kampagne: Das steckt hinter Fake-Spahn-Plakaten

Ist Jens Spahn plötzlich bekennender Veganer? Und wirbt dafür auch noch in seiner Funktion als Bundesgesundheitsminister großflächig per Plakatkampagne?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. (Bild: Clemens Bilan - Pool / Getty Images)

Passanten in mehreren deutschen Großstädten dürften sich in den vergangenen Tagen ziemlich gewundert haben, als sie an Plakaten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorbeiliefen. Denn der CDU-Politiker wirbt da scheinbar offensiv für eine vegane Ernährung. Die vermeintlichen Plakate des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) erinnern an die große “Zusammen gegen Corona”-Kampagne. Jens Spahn ist da im großformatigen Porträt zu sehen, dazu der Slogan: “Ich verhindere Pandemien und bleibe gesund. Weil vegane Vollwerternährung das Beste für Erde, Mensch und Tier ist.” Doch der Minister ist bisher nicht durch einen übermäßigen Einsatz für einen veganen Umschwung aufgefallen. Bei der Plakat-Aktion handelt es sich um sogenanntes Ad-Busting. Dabei werden Plakatmotive kopiert oder verändert, um eine politische Botschaft zu vermitteln.

Weitere gefakte Plakatmotive zeigten auch Julia Klöckner (CDU), die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, die so nun ebenfalls plötzlich für eine vegane Ernährung wirbt. Wer genau hinschaut, findet in dem Info-Ballken unter den Plakaten allerdings auch die wahren Urheber der Kampagne. Der stilisierte Stierkopf und das Hashtag #wirgegentierindustrie weisen den Weg zur Tierrechtsbewegung “Animal Rebellion”. Die Organisation setzt sich gegen den Klimawandel und für Tierrechte ein und bedankte sich auf ihrem Twitter-Account ganz artig bei Jens Spahn für “diese schöne Kampagne”. Mit weiteren Plakaten waren Großunternehmen wie Milram und Westfleisch per Ad-Busting adressiert worden. Auch sie warben nun anscheinend plötzlich für ein Umdenken in der Ernährung.

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Aktivisten fordern Agrarwende

Schließlich bekannte sich “Animal Rebellion” auch in einem Schreiben zu der Ad-Busting-Aktion. Dort heißt es, die Organisation fordere “eine Agrarwende hin zu einem pflanzenbasierten Ernährungssystem, das alle Lebewesen vor zukünftigen Pandemien und dem ökologischen Kollaps bewahrt”. Um für ihr Thema Aufmerksamkeit zu bekommen, nutzten sie diese Form des politischen Guerilla-Marketings. Die Kampagne tauften sie “Zeit für Veränderung”.

Die zahlreichen Corona-Fälle in der Fleischindustrie hatten in den vergangenen Wochen das Augenmerk auf die Bedingungen der Massentierhaltung gelenkt. Dadurch wurde eine schwelende Diskussion über diese Art der Nahrungsproduktion neu entfacht. Wissenschaftler sehen durchaus einen Zusammenhang von industrieller Tierhaltung, Vernichtung und Ausbeutung von natürlichem Lebensraum und der Verbreitung und Entstehung von Pandemien. Das BMG hielt die Aktion allerdings offenbar nicht für sehr gelungen. Wie die Nachrichtenseite Watson berichtet, prüfe man dort rechtliche Schritte.

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