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Abos läuten das Ende des Autokaufs ein

·Lesedauer: 4 Min.
Mieten statt kaufen: Das gilt künftig vermehrt auch für Autos.
Mieten statt kaufen: Das gilt künftig vermehrt auch für Autos.

Erst die Besichtigung beim Händler, dann die Probefahrt und am Ende wartet das Traumauto mit Schleifchen auf die Abholung. So sind Menschen den Kauf eines Neuwagens seit Jahrzehnten gewohnt. Doch damit wird bald Schluss sein. Flexibel kündbare Abonnements, abgeschlossen über das Smartphone, sind aus Sicht von Branchenvertretern die Zukunft.

An sich gilt beim Kauf eines Neuwagens nach wie vor: Wer sich für ein Modell entscheidet, plant mehrere Jahre mit dem Fahrzeug zu verbringen. Das Problem mit modernen Autos ist aber, dass ihr Innovationszyklus schneller ist als es noch vor Kurzem. Ähnlich wie bei einem Smartphone ist ein aktuelles Fahrzeug technisch gesehen schon fast wieder veraltet, wenn es auf den Markt kommt. Momentan werden noch viele Autos produziert, deren Software nicht updatefähig ist. Viele Funktionen können deshalb nicht nachgerüstet werden.

Die andere Frage ist, wie oft man ein eigenes Fahrzeug eigentlich benötigt. Die Mobilitäts- und Verkehrswende, die viele Orte schon eingeleitet haben, bietet immer mehr gute Alternativen zum Auto an. Diverse Städte und Länder arbeiten aktiv daran, den Autoverkehr zu beschneiden.

Die Pariser Verwaltung hat zum Beispiel gerade beschlossen, Teile der Innenstadt komplett für den Autoverkehr zu verschließen. Spanien hat verkündet, die Höchstgeschwindigkeit innerorts auf einspurigen Straßen auf 30 Stundenkilometer zu beschränken. Und in London geht man sogar noch weiter: Hier wurden die sogenannten „Ultra Low Emission Zones“ fast auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt. Das Ziel dahinter ist eindeutig: Menschen sollen das eigene Auto in Zukunft stehen lassen.

Kunden wollen Flexibilität

Aber ganz ohne Auto geht es für viele Stadtbewohner auch nicht und der Wunsch nach flexiblen Angeboten außerhalb des Carsharings wächst. Das haben bereits verschiedene Startups und die Autoindustrie erkannt. Für sie liegt die Lösung für die Probleme in einem Auto-Abo. Statt sich per Kauf oder Leasing über Jahre an ein Fahrzeug zu binden, kann man sich seit einiger Zeit ein Auto abonnieren und flexibel kündigen.

Im Grunde handelt es sich um ein langfristiges Mietmodell, bei dem alle Kosten wie zum Beispiel die Wartung und die Versicherung in einem monatlichen Grundpreis inkludiert sind. Nur die Tankkosten müssen Nutzerinnen und Nutzer noch selber bezahlen. Dafür können sie – je nach Anbieter – das Auto nach vier Wochen wieder zurückgeben. Entweder, weil das Fahrzeug nicht mehr benötigt wird oder weil die Langzeitmieter auf ein anderes Fahrzeug wechseln möchten. So kann man sich zum Beispiel für den Winter ein Allrad-Auto zulegen und im Sommer ein Cabrio.

Für die Autoindustrie ist das mittlerweile ein sehr lohnendes Modell geworden. Volvo bietet seit einiger Zeit unter dem Namen „Volvo Care“ ein Abo-Modell an. Laut eigener Aussage verkauft man schon rund zehn Prozent aller Fahrzeuge innerhalb eines Abos. Andere Hersteller ziehen langsam nach. Audi hat eins im Angebot, ebenso Mercedes, Hyundai, Renault und andere.

Aber federführend im Markt sind Startups. Unternehmen wie Cluno, Like2drive oder Finn.Auto waren Vorreiter der Abo-Idee und haben diese überhaupt erst populär gemacht. Es waren Gründerinnen und Gründer, die erkannt haben, dass das Auto keine Anschaffung wie ein Möbelstück ist, sondern eher einem Smartphone gleicht, das man jährlich wechselt. Während die Autoindustrie noch zögerte, öffneten die Startups einen neuen Markt und entdeckten ein neues Geschäftsmodell.

Ohne Gebrauchtfahrzeuge sind Abos nichts für die Masse

Richtig erkannt wurde, dass sich das Verhältnis zum Auto generell verändert. Die Diskussionen um den Klimawandel und die steigenden Kosten für den Unterhalt der Fahrzeuge haben zu einem Umdenken der Käufer geführt. Das Auto ist heute eher ein Lifestyle-Objekt und nicht mehr Zentrum des Lebens. Dazu kommt, dass Kunden zwar weiter bereit sind, monatlich größere Summen für ihre Mobilität auszugeben. Sie möchten aber nur noch selten vier- bis fünfstellige Beträge investieren, um dann für viele Jahre an ein Fahrzeug gebunden zu sein.

Die Bereitschaft der Deutschen, sich auf ein Abo einzulassen, steigt daher kontinuierlich. Obwohl dieses Angebot noch neu ist, können sich laut einer GfK-Umfrage schon zwölf Prozent aller Neuwagenkäufer ein Abo vorstellen. Eine andere Umfrage von IBM-CAR und Fleetpool-CAR kommt zum Ergebnis, dass bis 2030 Auto-Abos rund 40 Prozent des Gesamtmarktes ausmachen könnten.

Richtig in Schwung wird die Sache aber erst kommen, wenn man zusätzlich Gebrauchtwagen in einem Abonnement anbietet. Pro Jahr werden rund 100 Milliarden Euro auf dem Markt mit gebrauchten Autos umgesetzt. Würde man gut gepflegte Jahreswagen aus Flottenbeständen im Abo anbieten, würde dies auch für Interessenten mit kleinerem Geldbeutel eine interessante Alternative sein. Das sind gute Aussichten für die Startups, aber auch für die gesamte Industrie.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

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