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50 Jahre nach dem Debüt des radikalen Originals: Der neue Lamborghini Countach ist ein limitierter Keil mit 814 PS

·Lesedauer: 4 Min.
Die Keilform gehört seit der ersten Countach-Studie von 1971 zu Lamborghinis Markenidentiät.
Die Keilform gehört seit der ersten Countach-Studie von 1971 zu Lamborghinis Markenidentiät.

Im Frühjahr 1971 enthüllte das innovationsfreudige Designstudio Bertone auf dem Genfer Autosalon eine Studie, welche die Sportwagenbranche und die Welt des Autodesigns auf den Kopf stellte. Während in der Nachkriegszeit vor allem runde, organische Formen die Designsprache prägten, wirkte der Lamborghini Countach LP500 so, als wäre er mithilfe eines Geodreiecks entworfen worden. Die futuristische Silhouette stammte aus der Feder des Stardesigners Marcello Gandini, der damals maßgeblich die Linie von Bertone beeinflusst hat.

Ein großer Wurf aus dem Hause Bertone

Die radikale Keilform hatte der junge Italiener bereits ein Jahr zuvor mit dem Concept Car Lancia Stratos Zero vorweggenommen, während die Scherentüren ihr Debüt 1966 bei Gandinis Alfa Romeo Carabo hatten. Der Countach war jedoch der erste Entwurf, der es mit diesen Eigenschaften tatsächlich in die Serie schaffte. Ab Anfang 1974 wurde die optisch bis auf wenige Details identische Serienversion an die gutbetuchte Kundschaft ausgeliefert. Seinen stimmgewaltigen Zwölfzylindermotor erbte der Sportler zwar von seinem Vorgänger Miura, optisch hätte der Unterschied zwischen den beiden von Gandini gestalteten Fahrzeugen aber kaum größer ausfallen können.

Über die Jahre entwickelte sich der Countach zu einem absoluten Kultauto, welches bis 1990 im Programm blieb, insgesamt rund 2000 Mal in Handarbeit gefertigt und generationenübergreifend zum Vorbild für alle nachfolgenden Lamborghini wurde. Angesichts seiner historischen Bedeutung und dem aktuellen Erfolg derartiger nostalgischer Neuauflagen, ist es kaum verwunderlich, dass die italienische Sportwagenschmiede anlässlich des 50. Geburtstages des Ur-Countach sein berühmtestes Modell neu interpretiert.

In dem Lufteinlass unter dem Markenlogo befindet sich ein Countach-Schriftzug.
In dem Lufteinlass unter dem Markenlogo befindet sich ein Countach-Schriftzug.

Die Legende kehrt als Aventador-Derivat zurück

Nachdem lange über eine mögliche Rückkehr des Faustkeils aus Sant' Agata Bolognese spekuliert wurde, zog Lamborghini im Rahmen der "Monterey Car Week" am vergangenen Wochenende das rote Tuch vom neuen Countach LPI 800-4. "The Quail" bot sich als Präsentationsbühne an, schließlich tummelt sich auf der Sportwagen-Veranstaltung die millionenschwere Stammkundschaft des Autobauers.

Der 4,87 Meter lange und 1,14 Meter flache Retro-Sportler teilt sich sein Carbon-Grundgerüst mit dem Aventador, der bereits seit zehn Jahren Teil des Programms ist. Die Designer haben dem auf 112 Stück limitierten Supersportler aber einige Designmerkmale verpasst, die den Ur-Countach ausgemacht haben. Da wären beispielsweise die massiven Lufteinlässe auf den Scherentüren, die vier Glasscheiben über dem V12-Aggregat, das per Knopfdruck abdunkelbare Fenster im Dach, sowie die kantigen Radhäuser.

Marcello Gandinis erste Studie hatte an den Türen noch keine riesigen Lufteinlässe. Diese bekam der Countach erst 1973.
Marcello Gandinis erste Studie hatte an den Türen noch keine riesigen Lufteinlässe. Diese bekam der Countach erst 1973.

Neuauflage ohne Klappscheinwerfer

Die typischen Klappscheinwerfer mussten jedoch aufgrund der heutigen Sicherheitsvorschriften durch konventionelle Leuchteinheiten moderner Machart ersetzt werden, welche zumindest die Form der Blinker des Originals imitieren. Den mächtigen Heckflügel der späten Baujahre suchen Fans ebenfalls vergebens. Für den LPI 800-4 stand eben der noch unverschnörkelte Ur-Countach aus den Siebzigern Pate.

Obwohl die Design-DNA des Originals unverkennbar ist, kann der Countach der Moderne nicht komplett verleugnen, dass es sich bei ihm um einen Aventador im Retro-Gewand handelt. Dazu kommen noch einige Details, die man bereits vom Lamborghini Sian kennt. Die sechs kleinen Rückleuchten wurden beispielsweise eins zu eins von dem Hybrid-Lambo übernommen.

Die sechs auffälligen Rückleuchten wurden vom Topmodell Sián übernommen.
Die sechs auffälligen Rückleuchten wurden vom Topmodell Sián übernommen.

Kombi aus Sián und Aventador im Interieur

Auch beim Interieur der Neuauflage haben sich die Designer in den Regalen der beiden Schwestermodelle bedient. Die schwarz-rote Farbgebung wurde von dem Exemplar inspiriert, das der Firmengründer Ferruccio Lamborghini höchstpersönlich sein Eigen nannte. Während das Ledergestühl und das Lenkrad aus dem Aventador stammen, wurden die Türverkleidungen, die Mittelkonsole und das Armaturenbrett dem Sian entliehen.

Von letzterem übernimmt der neue Countach in leicht gedrosselter Form auch den gesamten Antrieb. Hinter den Sitzen rumort ein 6,5 Liter großer V12 mit 780 PS und 720 Newtonmetern Drehmoment. Dem markentypischen Aggregat wird von einem zusätzlichen Elektromotor unter die Arme gegriffen, was in einer Systemleistung von 814 PS resultiert.

Im Cockpit setzt Lamborghini vor allem auf Komponenten aus den Schwestermodellen.
Im Cockpit setzt Lamborghini vor allem auf Komponenten aus den Schwestermodellen.

355 km/h Spitze und in unter drei Sekunden auf Hundert

So soll der 1,6 Tonnen schwere Keil laut Lamborghini in 2,8 Sekunden von Null auf Hundert sprinten. Schluss ist erst bei 355 km/h. Zum Vergleich: Der fünf PS stärkere Sián ist gleichzeitig fünf Kilometer pro Stunde langsamer. Das 375 PS starke Urmodell aus dem Jahre 1974 kapitulierte bei rund 300 km/h und brauchte über fünf Sekunden um das Landstraßentempo zu erreichen.

Der Countach LPI 800-4 soll ab Anfang nächsten Jahres an die Kundschaft ausgeliefert werden. Preise wurden von der Edelmarke jedoch noch nicht kommuniziert. Aufgrund der strengen Limitierung und des hohen Sammlerwerts dürften sie jedoch die des Standard-Aventador deutlich übertreffen, gleichzeitig aber auch einen gewissen Respektabstand zum über drei Millionen Euro teuren Topmodell Sián halten.

Bei den Fans und der anvisierten Zielgruppe scheint der Countach der Moderne insgesamt gut anzukommen. Es gibt aber auch kritische Stimmen: Einigen Bloggern, Sammlern und Design-Enthusiasten ist die Neuinterpretation nicht innovativ, einzigartig sowie radikal genug und so des Namen Countach nicht würdig. In den Siebzigern hätte es wohl niemand gewagt, ein derartiges Urteil über das revolutionäre Original zu fällen.

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