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Mit 3000 Euro Gehalt: So investiert ein 29-Jähriger jeden Monat 600 Euro in Aktien — sein Depot ist 13.000 Euro wert

·Lesedauer: 6 Min.
Ein Symbolfoto eines Angestellten
Ein Symbolfoto eines Angestellten

Ob durch niedrige Zinsen oder leicht bedienbare Trading-Apps, die es einem ermöglichen, vom Sofa aus entspannt in Aktien zu investieren: Das Thema Finanzen ist längst bei jungen Menschen angekommen – auch solchen, die beruflich nichts mit der Börse zu tun haben.

Die Frage, wie man sein Geld auch schon im jungen Alter anlegt, wird in Gesprächen mit Freunden und in den sozialen Netzwerken immer präsenter. Laut einer Studie von „Aktion pro Aktie“, einem Zusammenschluss mehrerer Online-Broker, ist der Zuwachs an jungen Investoren enorm: Während im Jahr 2017 nur 17 Prozent der unter 25-Jährigen Aktien als Geldanlage nutzten, waren es 2020 schon 39 Prozent.

Auch bei den unter 25- bis 34-Jährigen ist ein starker Anstieg zu verzeichnen. So investierten 2017 nur 19 Prozent in Aktien, vergangenes Jahr waren es schon 38 Prozent. Bei keiner anderen Altersgruppe konnte so ein steiler Zuwachs beobachtet werden.

Als Controller lernt man „extrem viel“ über das Unternehmen

Zu dieser Gruppe der neuen, jungen Aktien-Investoren gehört auch Robert S. (Name geändert), ein 29-jähriger Controller aus München, der mit Business Insider über seine Arbeit, sein Vermögen und seine Anlagestrategie gesprochen hat.

Robert arbeitet seit einem Jahr bei einem mittelständischen Pharma-Unternehmen in der bayrischen Landeshauptstadt, zuvor war er drei Jahre bei einem Software-Unternehmen tätig. Davor studierte er BWL. An seinem Job gefällt ihm, dass er „extrem viel“ von seinem Unternehmen mitbekommt: „Du hast Einblick, wie dein Unternehmen am Markt agiert und welche finanziellen Auswirkungen dies hat. Dies bringt natürlich auch einen gewissen Vertrauensstatus mit sich“, sagt Robert im Gespräch zu Business Insider. Vor allem dadurch, dass man der Ansprechpartner von vielen Bereichen ist, lerne man das Unternehmen sehr gut kennen. Und die kurze Anbindung zur Geschäftsführung und Vorstand sei „sehr spannend und lehrreich.“

In einer normalen Arbeitswoche arbeitet er 45 bis 50 Stunden, es können aber auch mal 60 Stunden werden. Als Controller mit mehr als drei Jahren Berufserfahrung verdient Robert monatlich rund 3000 Euro netto.

Er lebt mit seiner Freundin in einer Wohnung in München, teilt sich die Miete und die Kosten fürs Essen. Für ihn entstehen somit monatliche Ausgaben von 1000 Euro für die Wohnung und Lebensmittel.

Mit Aktien-Handel ist er „schonmal auf die Schnauze gefallen“

Von den übriggebliebenen 2000 Euro überweist Robert als Cash-Reserve monatlich 500 Euro auf ein anderes Girokonto, sozusagen als „Notgroschen“. Auf diesem Konto will der Controller zwei bis drei Nettolöhne aufbauen, also rund 7500 Euro, die er dann als Reserve hält, falls irgendwelche nicht geplanten Großkäufe aufkommen. „Ich würde es sehr ärgerlich finden, wenn ich eventuell Aktien mit Verlust verkaufen muss, nur wenn ich mir spontan was Größeres kaufe, wie beispielsweise einen Kühlschrank. Dieses Girokonto ist einfach für den 'Notfall' da“, sagt er.

Von den restlichen 1500 Euro legt der junge Controller 600 Euro jeden Monat in Aktien und ETFs, also aktienbasierte Fonds, an. „Ich habe angefangen zu investieren, weil der Trend auch in meinem Freundeskreis angefangen hat und da habe ich mich eingelesen und fand es sehr spannend – bis heute.“

Bei seiner Anlagestrategie ist es ihm wichtig, nicht in Spekulationen zu investieren oder nur einem Hype hinterherzulaufen. „Ich habe schon mit meinem Lehrgeld bezahlt, bin auch mal auf die Schnauze gefallen. Habe, wie viele andere auch, wegen dem Hype angefangen, in Wirecard zu investieren. Im Vergleich zum heutigen Gesamtdepot ist die Summe nicht hoch, aber daraus habe ich gelernt. Heute verfolge ich nur eine langfristige Strategie und kein Gezocke“, sagt S.

Die 600 Euro teilen sich wie folgt auf: Mit der einen Hälfte bespart er ETFs, mit den übrigen 300 Euro kauft er sich Einzelaktien. So investiert Robert jeden Monat 100 Euro in den MSCI World, den ETF, der 1600 Unternehmen aus den 23 führenden Industrienationen abbildet. Zudem investiert er mit dem MSCI Emerging Markets in die Schwellenländer mit 50 Euro pro Monat. Dazu bespart er noch mit jeweils kleineren Beträgen verschiedene Branchen-ETFs, etwa Gesundheit, Elektro-Autos und Digitalisierung. Insgesamt hat Robert so schon über 3000 Euro mit all seinen ETFs angespart. Diese ETF-Strategie verfolgt er seit Ende 2020.

Monatlich bleiben 900 Euro übrig

Insgesamt besitzt der Controller Einzel-Aktien von 20 Unternehmen, dieses Depot ist aktuell knapp 10.000 Euro wert. Bei der Auswahl an Aktien legt er größtenteils Wert auf etablierte Unternehmen. Sein Einzel-Aktiendepot besteht zur Hälfte aus Wertpapieren von klassischen Traditions- und Dividenden-Unternehmen wie Johnson&Johnson, Unilever oder Coca-Cola. In 40 Prozent seines Depots findet man Marktführer und sehr breit aufgestellte Firmen, wie SAP, Amazon oder Alibaba.

Die restlichen 10 Prozent füllt er mit Unternehmen, die in Medienberichten als „Wachstumsraketen prophezeit“ werden, erklärt er. Dazu zählt unter anderem das französische Biochemie-Unternehmen Carbios und der amerikanische Online-Shop für handgemachte Produkte, Etsy. „Mir ist schon klar, dass diese Positionen etwas riskanter sind, aber weil es nur ein kleiner Betrag ist, finde ich es angemessen, auch ein wenig seines Geldes in solche Unternehmen zu investieren“, so Robert.

Zieht man diese ganzen Ausgaben ab, bleiben S. monatlich noch rund 900 Euro übrig. Der größte Teil davon bleibt auf dem Hauptgirokonto, wobei der ehemalige Student auch großer Fan der Mobile-Banking-App Vivid Money ist, einem Konkurrenten der Bank N26. Wie auch bei N26, können Kunden von Vivid Money Unterkonten für verschiedene Zwecke erstellen.

So hat Robert dort unter anderem ein Unterkonto namens „Urlaub“, das er monatlich mit 200 Euro bespart. Bedeutet: Entscheidet er sich, Urlaub zu machen, nutzt er nur das Geld, dass dort konkret dafür angespart wurde. Zusätzlich dazu überweist er jeden Monat 50 Euro auf das Unterkonto „Geschenke“, um damit die nötigen Geschenke für Freunde und Familie zu bezahlen. Natürlich kann Robert auch immer mal wieder mehr ausgeben, als auf diesem Unterkonto ist, aber dieses System ermöglicht es ihm, einen guten Überblick über seine Ausgaben zu haben. „Ich glaube, dass die Strukturierung von den eigenen Finanzen äußerst wichtig ist, um zu verstehen, wohin das Geld, dass man verdient, eigentlich auch fließt“, sagt der 29-Jährige.

Das Investieren in Aktien und der strukturiere Umgang mit Geld hat auch sein Interesse geweckt, generell mehr über die Wirtschaft zu verstehen: „Seitdem ich anlege, will ich viel mehr über Unternehmen und die Zusammenhänge erfahren und schaue auch viel fokussierter Nachrichten“, sagt der Aktionär. Eins bereut Robert aber doch: „Dass ich nicht noch früher mit dem Investieren angefangen habe.“ Sein Ziel ist es, mit der Strategie langfristig ein Vermögen fürs Alter aufzubauen und am liebsten mit 60 in Rente zu gehen und genug Geld zu haben, um sorgenfrei leben zu können.

Wenn ihr uns auch erzählen möchtet, was ihr beruflich macht, wie viel ihr verdient und wie ihr investiert, schreibt uns an leo.ginsburg@businessinsider.de.

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