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3 Menschen erzählen, wie ein Karriere-Coach ihnen zum neuen Job, mehr Gehalt oder einer Beförderung verholfen hat

Katie Navarra
·Lesedauer: 7 Min.

Sportlerinnen und Sportler sind stets von Coaches umgeben, die ihnen dabei helfen, ihre persönliche und berufliche Entwicklung zu unterstützen. Aber Coaching muss es nicht nur im Sportbereich geben. Sie können auch in allen anderen Feldern zu einer Entwicklungsförderung beitragen. Im Jahr 2013 hatte Bill Gates in einer Talkshow gesagt, das seine Meinung nach jede Person einen Coach bräuchte. Unabhängig vom jeweiligen Beruf oder den Interessen sei es für jeden Mensch von Vorteil, einen Coach zu haben, der Feedback gibt und dabei hilft, sich zu verbessern.

Mittlerweile erkennen viele Menschen, dass eine solche Unterstützung bei der Entwicklung der eigenen Karriere sinnvoll ist. So ist das Coaching zu einer boomenden Branche geworden. Laut einem Bericht der International Coaching Federation — dem weltweit größten Coaching-Verband — gab es 2019 etwa 71.000 praktizierende Coaches. Das sind 33 Prozent mehr im Vergleich zum Jahr 2015.

Im Jahr 2016 berichtete die Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey, die weltweit in über 65 Ländern vertreten ist, dass Mitarbeitende zu 46 Prozent zufriedener mit ihrer Position und 32 Prozent engagierter bei der Arbeit sind, wenn sie eine intrinsische Motivation spüren – also wissen, warum sie ihren Job machen wollen.

Auch das Beratungsunternehmen City & Guilds Group führte 2018 eine Umfrage in Großbritannien durch. Mehr als 1.000 britische Berufstätige wurden dabei zu ihren Coaching-Erfahrungen in Bezug auf den Arbeitsplatz befragt. Die Studie zeigte, dass Coaching die Produktivität bei Angestellten in ihren aktuellen Positionen steigert. Das hat wiederum positive Folgen: Durch die erhöhte Produktivität können sie sich leichter für Beförderungen positionieren.

Die Investition in ein Karriere-Coaching kann sich also buchstäblich auszahlen. Berufstätige, die einen persönlichen Coach engagieren, erfahren oft deutliche Gehaltssteigerungen. Business Insider hat mit drei Führungskräften gesprochen, die jeweils einen Coach beauftragt haben, um in ihrem persönlichen Arbeitsbereich voranzukommen und ihr Einkommen zu steigern.

Matt Loeb (61) konnte sein Gehalt vervierfachen und eine CEO-Position erlangen

Vor acht Jahren lernte Matt Loeb seinen ersten Coach kennen. Sein damaliger Arbeitgeber, ein gemeinnütziges Technologieunternehmen, hatte einen Coach für die gesamte Belegschaft eingestellt. Loeb war seit 20 Jahren bei dem Unternehmen und wurde großzügig entlohnt. Er war zufrieden in seiner Position und dachte, er würde bis zu seiner Pensionierung dort bleiben. Doch das änderte sich, als er sich mit dem Coach traf. In einem Gespräch mit Business Insider erzählte Loeb, dass der Coach begann, ihm Fragen zu seiner beruflichen Weiterentwicklung zu stellen. Die Überlegungen brachten ihn zu der Erkenntnis, dass er mehr über seine berufliche Zukunft nachdenken musste.

Zu dieser Zeit lebte Loeb in New Jersey. Er unterschrieb einen Vertrag, um ein formelles Coaching mit einem Coach aus Dallas, Texas, zu vereinbaren. Der Vertrag enthielt Details über das Format für ihre Sitzungen und darüber, wie oft diese Sitzungen stattfinden würden: alle zwei Wochen für eine Stunde. Er gab an, dass die Sitzungen gelegentlich auch bis zu 75 Minuten dauerten.

Als der Coach Loeb fragte, was ihn glücklich machte, konnte er keine Antwort geben. Er sagte, er sei unvorbereitet gewesen. „Das war ein Aha-Moment für mich“, erzählte er. „Ich wusste, dass ich ein glücklicher Mensch bin, aber ich wusste nicht, warum und wie das mit meiner Karriere zusammenhängt.“ Schließlich erkannte er, dass er eine Position wollte, in der er mehr Einfluss nehmen konnte. Es war ihm jedoch unangenehm und es fehlte ihm das Vertrauen, sich und sein Verhalten zu verändern. Regelmäßiges Coaching half ihm, das Unbehagen an der Ungewissheit zu überwinden und sich zu entschließen, an seiner Situation etwas zu ändern.

Das Ergebnis: Er bekam 2014 eine CEO-Position in einem anderen Unternehmen, wo er sein Gehalt vervierfachte. Durch seine Arbeit war es ihm möglich, den Jahresumsatz des Unternehmens von 36 Millionen Euro auf 63 Millionen Euro zu steigern. 2019 beschloss er, dass es Zeit für eine weitere Veränderung war. Er gründete seine eigene Coaching-Praxis: Optimal Performance Seekers.

Mit seiner Coaching-Praxis möchte er anderen helfen, die gleichen Vorteile des Coachings zu erfahren, die ihm einst geholfen haben, sein Leben zu verändern. „Die Tatsache, dass mein Gehalt gestiegen ist, war ein positiver Nebeneffekt“, sagte er. „Das wirkliche Aha-Erlebnis war die Erkenntnis, dass ich von der Nummer zwei zur Nummer eins aufsteigen konnte. Ich konnte mehr Einfluss auf die Führung einer Gruppe haben. So konnte ich etwas erreichen, das für die gesamte Gesellschaft von Bedeutung und nützlich war.“

Matt Loeb ist der Meinung, dass es bei der Suche nach dem richtigen Coach auf die Chemie ankommt. „Sucht nach jemandem, mit dem ihr euch wohl fühlt“, erklärte er. „Vergewissert euch, dass die Person euch das Gefühl gibt, euch sicher zu fühlen, wenn ihr eure Gefühle und Emotionen teilt.“

Adam Fry-Pierce erhielt eine gute Leistungsbewertung und einen neuen, besser bezahlten Job

Adam Fry-Pierce ist in seinen Dreißigern. Früher fühlte er sich oft von einer Unvereinbarkeit zwischen seinem Unternehmensleben und dem, wer er als Privatperson war, eingeengt. Er arbeitete in einem Büro als Senior Director für Kundenerfahrung bei der Design-Entwicklungsplattform InVision. Auf der Arbeit sei er immer ernst und zurückhaltend gewesen. Zuhause hingegen beschrieb er sich selbst als albern und lebenslustig.

Im Jahr 2019 begann er, den Podcast „Against the Rules“ des Publizisten Michael Lewis zu verfolgen. Nach einigen Episoden, in denen auf die Kraft des Coachings eingegangen wurde, war auch Fry-Pierce überzeugt, dass er von der Investition in einen Coach profitieren könnte. „So viele von uns haben das Gefühl, in unseren Berufsleben eine Art Maske tragen zu müssen“, erzählte er. „Ich habe erkannt, dass es nichts Falsches an dem gab, wer ich war. Dieses positive Selbstverständnis ermöglichte mir, am Arbeitsplatz authentischer zu sein.“ 2020 entschied er sich dann, einen Karriere-Coach zu engagieren. Er sollte ihm dabei helfen, die gefühlte Unvereinbarkeit zu verarbeiten.

Seine Meetings fanden in Form von wöchentlichen Telefonaten statt. Einer der größten Durchbrüche war, sich mit der Stille anfreunden zu können, erzählte er. Anstatt zu reden, um einfach nur zu reden, half ihm sein Coach, bessere Kommunikationstechniken zu erlernen. Er lernte, wie er Fragen zu stellen und neugierig sein konnte, wie er sich an Pausen gewöhnen und die Interaktionen mit Kolleginnen und Kollegen verbessern konnte. „Es gab einen deutlichen Unterschied in meinen Beurteilungen bezüglich der Kommunikationsfähigkeiten“, sagte er. „Zuvor wurden sie immer als gut eingestuft, aber nie als ausgezeichnet. Nach dem Coaching gingen sie auf exzellent. Ich fühlte mich viel selbstbewusster, was mein Auftreten anging. Das veränderte jeden Aspekt meiner Interaktion mit anderen. Ich habe auch gelernt, damit klarzukommen, dass die Erwartungen der Leute an mich anders sind als meine eigenen.“

Bevor er einen Coach einstellte, war sich Adam Fry-Pierce über seinen persönlichen Karriereweg unsicher. Durch die Sitzungen entdeckte er sein strategisches Talent. Das Ergebnis war, dass er im März 2021 einen neuen Job als Head of Design Operations bei dem Unternehmen DocuSign bekam. Die neue Stelle brachte auch eine Gehaltserhöhung von 30 Prozent mit sich. „Beim Coaching zeigt man sich verwundbar“, sagte Fry-Pierce. „Man muss der Person zu 100 Prozent vertrauen.“

David Nelson (42) wurde befördert und verdoppelte sein Gehalt

David Nelson arbeitet mit drei Coaches zusammen: einem persönlichen Karriere-Coach, einem von der Arbeit gesponserten Unternehmens-Coach und einem Kollegen, der sich auch Executive Coaching spezialisiert hat. Jede Sitzung findet über Zoom statt und dauert 50 bis 60 Minuten, erzählt Nelson. Mit seinem Unternehmens-Coach trifft er sich monatlich, mit den beiden anderen Coaches trifft er sich nach Bedarf — in der Regel alle 60 Tage.

Nelson entschied sich im Jahr 2019 für seinen ersten Coach. Er erzählte in dem Gespräch mit Insider, dass er sich für ein Coaching entschied, nachdem sein ursprünglicher Job wegen eines internen politischen Streits über zwei Produkte weggefallen war. Schon bei den ersten Treffen mit seinem Coach wurde ihm klar, dass es einen Charakterzug an ihm gab, der ihn zurückhielt: Ihm fehlte die persönliche Disziplin, Emotionen von dem rational Logischen zu trennen. Das Coaching half ihm, die Dinge objektiver zu sehen. „Der Prozess, meine Stärken, meine Energiequellen und mein Führungsverhalten in einzelne Teile zu zerlegen, gab mir die Möglichkeit zu verstehen und zu beschreiben, was ich wie verbessern will“, erklärte er.

Er verbrachte mehrere Monate damit, seine Werte präzise zu definieren und herauszufinden, wie sie sich auf seine Arbeit anwenden lassen. Er lernte, wie er seine Energie auf Bereiche konzentrieren kann, die seine Wirkung trotz eines geringeren Aufwands verstärken. Die erlernten Fähigkeiten führten zu einer Beförderung von einem Senior Director bei zwei verschiedenen Softwareunternehmen zu seiner jetzigen Position als Design-Vizepräsident des Versicherungskonzerns Northwestern Mututal. Diese Beförderung verdoppelte seine Gesamtvergütung.

„Um wirklich etwas aus dem Coaching herauszuholen, muss man sich die Beziehung, die Arbeit und den Aufwand zu eigen machen“, sagte Nelson. „Euer Coach ist dazu da, euch bei eurer Entwicklung zu helfen und zu ermutigen. Letztendlich seid aber ihr diejenigen, die die Veränderungen vornehmen müssen.“

Dieser Artikel wurde von Julia Knopf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.