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Bis zu 25.000 Euro Gewinn mit einem Kleinwagen: Warum Experten den meisten Anlegern trotzdem davon abraten, in Oldtimer zu investieren

Ein Lancia B24 Spyder America bei einer Auktion in Paris. - Copyright: THOMAS SAMSON/AFP via Getty Images
Ein Lancia B24 Spyder America bei einer Auktion in Paris. - Copyright: THOMAS SAMSON/AFP via Getty Images

Nachdem die Oldtimer-Szene lange eine Nische war, in der sich ausschließlich Enthusiasten tummelten, entdeckten fachfremde Investoren klassische Automobile als Anlageobjekte mit Wertsteigerungspotenzial. Der Run auf das vermeintliche "Garagengold" katapultierte die Preise einiger Modelle in astronomische Höhen. Das beste Beispiel dafür sind die frühen Baujahre des Porsche 911. Die Sportwagen-Ikone wurde von Jahr zu Jahr höher bewertet, bis die Blase plötzlich platzte. 2019 kostete ein Coupé aus dem Jahre 1965 und in Zustandsnote 2 laut Classic Data 200.000 Euro. Ein Jahr später waren es dann nur noch 130.000 Euro.

Doch gilt die Abkühlung des Marktes für alle Klassiker? Im immer beliebter werdenden Bereich der Youngtimer, also Liebhaberfahrzeuge, die noch keinen Oldtimer-Status haben, sind ein prominentes Gegenbeispiel. Der Kompaktsportler Peugeot 205 GTI aus den Achtzigerjahren wurde 2015 von Classic Analytics mit nur 4800 Euro bewertet. Rund sechs Jahre später werden gute Exemplare aber mitunter schon für über 20.000 Euro gehandelt.

Doch lohnt es sich, allein mit Sicht auf Wertsteigerungen in Oldtimer zu investieren? „Davon würde ich abraten“, sagt Beat Rauss, Vermögensverwalter beim Family Office Univest in Basel, zu Business Insider. Dabei ist der 67-jährige Finanzexperte seit über vierzig Jahren selbst Fan und in der Oldtimer-Szene aktiv, besitzt drei Klassiker aus den Sechzigerjahren. Rauss sagt, dass die Preise für Oldtimer schon „an der Decke angestoßen sind“ und jetzt wieder leicht zurückgingen.

Ähnlicher Meinung ist auch Jan Philip Rathgen, CEO von Classic Driver, einem der größten und ältesten Online-Marktplätze für Sammlerfahrzeuge. „Grundsätzlich würde ich es niemandem raten, historische Automobile als Investitionsobjekt zu sehen“, sagt der Experte uns. Es sei ein „Hochrisikogeschäft“, weil dies ein „hochemotionales Feld“ sei. „Das als Asset-Gruppe zu sehen, halte ich für ziemlich gefährlich“, sagt Rathgen.

Zudem findet es Rathgen wichtig, dass das Oldtimer-Thema auf den Straßen und im Leben der Menschen weiterhin stattfinde. „Wenn es zu einer Asset-Klasse degradiert wird und die Autos nur in teuren Lagerhallen stehen, dürfte dies nicht gut für den Trend, aber auch nicht gut für die Marktentwicklung sein“, sagt der Oldtimer-Kenner. Deshalb finde er neuartige Oldtimer-Fonds, bei denen man Anteile an bestimmten Fahrzeugen kauft, nur sinnvoll, wenn man die Autos ab und zu auch mal bewegen dürfe.

Junge Menschen nicht mehr an Autos interessiert

Die Autos in der mittleren Preiskategorie, also im Bereich zwischen 50.000 bis 150.000 Euro, hätten sich stetig weiterentwickelt, aber nie explosionsartig, meint Vermögensverwalter Rauss. Höherwertige Autos wie beispielsweise der Mercedes 300 SL oder auch einige Porsche- oder Ferrari-Modelle hätten sich zum Teil „extrem entwickelt“ – doch jetzt sinken die Preise teilweise.

Das erklärt Rauss mit zwei Gründen: „Das generelle Interesse an Autos ist bei den heute 20- bis 40-Jährigen nicht mehr vorhanden.“ Während seiner Kindheit sei es so gewesen, dass jeder Junge mit 18 Jahren ein Motorrad oder ein Auto haben wollte. Heute sei das nicht mehr so. „Heute wird das Auto rein als Mittel zum Zweck erworben, wenn überhaupt“, sagt der Vermögensverwalter.

Der andere Grund sei der ökologische Aspekt. Denn Oldtimer verursachen relativ hohe CO2-Emissionen. „Man muss befürchten, dass die Oldtimer mit den Grünen unter die Räder kommen“, sagt Rauss. Dabei würden Oldtimer bei den Emissionen zahlenmäßig „keine Rolle“ spielen, da sie beim Thema Umweltschutz nicht stark ins Gewicht fielen. „Oldtimer verkörpern in gewissem Sinne aber die Verehrung des Verbrennungsmotors.“ So wie Rauss die grüne Politik einschätzt, werde man das „ausmerzen“ wollen. „Die ökologische Seite erachte ich als die größte Bedrohung für die Oldtimer.“

Jan Philip Rathgen sieht die Oldtimer dagegen weniger bedroht aufgrund öffentlicher Umweltbedenken, insgesamt hält er nichts von Schwarz-Weiß-Malerei. Seiner Einschätzung nach können klassische Automobile weiterhin neben vermeintlich umweltfreundlichen E-Autos koexistieren. Zwar kann es sein, dass Oldtimer eines Tages nicht mehr in die Innenstädte dürfen. Er könne sich aber vorstellen, dass dies für alle Autos, also auch Elektro-Fahrzeuge gelten könne, da die Städte mit Platzproblemen zu kämpfen hätten. Einer Oldtimer-Tour ins Grüne dürfte laut Rathgen auch in Zukunft nichts im Wege stehen. "Das Problem ist nur der Nachwuchs, da dieser nicht mehr selbst besitzen möchte", meint der 42-Jährige.

Oldtimer seien „sehr nachhaltig“

Doch was viele Auto-Kritiker nicht beachten: Wenn man den ganzen Prozess von der Herstellung des Autos bis hin zur Verschrottung anschaut, seien die Oldtimer im Grunde genommen „sehr nachhaltig“, erklärt Rauss. Ungeachtet dessen, dass hinten mehr CO2 rauskomme. Denn ein altes Auto im Alltag zu fahren, sei wesentlich ökologischer als ein neues zu kaufen. „Das Problem ist natürlich, dass die meisten Oldtimer nicht als Alltagsautos bewegt werden. Und deswegen hinkt dieses Argument ein bisschen.“

Doch ein Faktor könnte alles ändern, meint der Oldtimer-Experte und sagt: „Das Einzige, wo ich ein Lichtblick für die Oldtimer sehe, ist, wenn man die C02-neutralen E-Fuels in genügender Menge und zu akzeptablen Preisen zur Verfügung hätte.“ Dann würde die ganze Diskussion „abgedämpft“ werden. Wenn die E-Fuels kämen, würde Rauss seine Ansicht ändern. „Dann könnten die Preise vielleicht doch weiter steigen.“ Doch aktuell sehe er bei Oldtimern nicht mehr viel Potenzial als Anlage.

Die Allradversionen des kantigen Fiat Panda haben in den letzten Jahren eine beeindruckende Wertentwicklung hingelegt. - Copyright: Fiat / Stellantis
Die Allradversionen des kantigen Fiat Panda haben in den letzten Jahren eine beeindruckende Wertentwicklung hingelegt. - Copyright: Fiat / Stellantis

„Niemand weiß, wie sich der Preis von Oldtimern entwickelt“

Wenn man den Markt beobachte, erkenne man, dass das Interesse an Oldtimern bereits jetzt in der Tendenz gesunken sei, sagt Vermögensverwalter Rauss. „Ein Freund von mir verkauft Oldtimer. Wenn er früher ein angesagtes Modell angeboten hat, war es nach ein paar Tagen weg. Heute stehen die Autos Monate oder sogar ein Jahr da und finden keinen Käufer“, berichtet er weiter. Die Nachfrage sei nicht mehr groß.

Falls jemand dennoch in Oldtimer investieren wollte, rät Rauss, nur in die Autos zu investieren, die einem selbst gefallen und die man selbst fährt. „Nur auf mögliche Preisentwicklungen zu schauen, ist falsch“, mein der Anlage-Berater. Wenn ihr Oldtimer nur als reines Investment betrachtet ohne Emotionen, würde es „heikel“ werden. „Bei vielen Autos kann man Wertpotenzial ausmachen oder erhoffen, aber ich sag es ganz ehrlich: Das ist Kaffeesatzleserei. Niemand weiß heute, wie sich der Preis von Oldtimern entwickelt.“

Das sagt auch Rathgen: „Es gibt keine Sicherheit. Das Auto, das einst niemand haben wollte, kann heute ein begehrter und schwer zu bezahlender Klassiker sein.” Zudem meint der Classic Driver-Chef auch, dass der Spaß am Autofahren im Vordergrund stehen sollte: „Kaufen Sie das Auto, bei dem sie sich vorstellen können, in ihm den Highway 101 runterzufahren und das Ganze zu genießen.“ Auch wenn das mit dem Investment nicht klappen sollte, hättet ihr etwas sehr Wichtiges davon: „Eine gute Zeit.“

Der Classic Driver-Chef Philip Rathgen 2016 beim Concorso d‘Eleganza Villa d‘Este. - Copyright: Remi Dargegen / Classic Driver
Der Classic Driver-Chef Philip Rathgen 2016 beim Concorso d‘Eleganza Villa d‘Este. - Copyright: Remi Dargegen / Classic Driver

Wertsteigerung von 4000 auf 29.000 Euro

Solltet ihr doch investieren wollen, sei es wichtig, die Modelle genau zu kennen und zu wissen, wo hinein man sein Geld da steckt, meint Rathgen. Und weiter: „In der Unwissenheit lauert bei dem Thema die größte Gefahr.“ Wenn man ein gutes Händchen hat und die Trends, unter anderem auf Instagram, beobachtet, kann es aber auch gut laufen. Als Beispiel nennt Rathgen den Fiat Panda 4x4 der ersten Generation. Die Autos kosteten vor wenigen Jahren im guten Zustand noch etwa 3000 bis 4000 Euro, berichtet der Experte. Heute würden für das Sondermodell Sisley beispielsweise mitunter 29.000 Euro aufgerufen. „Wenn man seinen Panda einst für etwa 3000 Euro gekauft hat, ist das doch eine Hammer Rendite.”

Laut Rathgen würden Autos, die nicht gefällig sind, sondern eher anecken, in Zukunft im Trend liegen. Die Bertone-Designs von Marcello Gandini beispielsweise. „Ein weiterer Trend sind die Autos aus der Playstation-Generation“, erklärt Rathgen. „Deshalb funktionieren auch die Modelle aus der Need for Speed-Reihe so gut. Da die Konsolen meist aus Japan kommen, gibt es da natürlich eine starke Verbindung zur heimischen Autoindustrie.” Fahrzeuge wie der Nissan Skyline oder Toyota Supra haben also noch einiges an Potenzial. Volkstümlichen Klassikern aus Frankreich stehen laut dem Experten ebenfalls noch gute Jahre bevor.

Wenn ein Anleger sagt, er habe genügend finanzielle Mittel und Freude an Autos, dann sei das in Ordnung, meint auch Rauss. Aber: „Man sollte das Auto auch genießen als technisches Kulturgut und nicht nur hoffen, dass auf der nächsten Auktion der Preis steigt.“ Dann rät der Schweizer lieber, in Kunst statt in Oldtimer investieren. „Dort sehe ich wenigstens keine existenziellen Bedrohungen.“