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Ihr überlegt, zu kündigen? Hier sind fünf Wege, um zu entscheiden, ob ein Jobwechsel das Richtige für euch ist

Kündigen kann befreiend sein, ist es aber nicht immer. - Copyright: Studio4/Getty Image
Kündigen kann befreiend sein, ist es aber nicht immer. - Copyright: Studio4/Getty Image

Die große Kündigungswelle hat Deutschland erreicht. In der "Great Resignation", wie sie in den USA genannt wird, hat man leicht das Gefühl, die nächste große Chance zu verpassen. Aber seinen Job zu kündigen, ist keine leichte Entscheidung.

Laut einer Umfrage vom Marktforschungsunternehmen Harris, bei der 2000 Personen befragt wurden, bereuen 20 Prozent der Amerikaner, die in den vergangenen zwei Jahren ihren Arbeitsplatz gewechselt haben, ihre Kündigung. Angesichts der steigenden Inflation und der vielen Entlassungen in der Tech-Branche warnen einige Experten auch davor, dass der Einstellungs-Boom zurückgehen könnte.

Mehrere große Unternehmen, darunter Meta und Uber, haben bereits weniger Neueinstellungen angekündigt, andere haben sogar schon damit begonnen, Mitarbeiter zu entlassen. Zuletzt entließ Netflix auf einen Schlag gleich 300 Mitarbeiter.

Dennoch gibt es in den USA keine Anzeichen für eine Verlangsamung der Great Resignation. Im April 2022 haben weitere 4,4 Millionen Amerikaner ihren Job gewechselt, und einige Experten sagen, dass die Fluktuation zur neuen Normalität werden könnte. Auch in Deutschland denkt jeder vierte Arbeitnehmer über einen Jobwechsel nach, laut einer Erhebung des Gallup-Institutes.

Es kann schwierig sein, aus den widersprüchlichen Nachrichten über den Arbeitsmarkt und den persönlichen Faktoren, die bei beruflichen Entscheidungen eine Rolle spielen, wie Gehalt, Flexibilität und Selbstverwirklichung, schlau zu werden. Experten raten, sich Zeit zu nehmen und die Vor- und Nachteile jeder Optionen abzuwägen. Wir haben mit Karrierecoaches gesprochen, die uns fünf Methoden verraten haben, um zu entscheiden, ob ein Jobwechsel das Richtige für euch ist.

1. Der "Sunk-Cost-Trugschluss"

Wenn es darum geht, berufliche Entscheidungen zu treffen, entscheiden wir uns oft für den einfachsten Weg. Meist ist das, einfach im Job zu bleiben. Dorie Clark, Autorin und Professorin an der Duke University in North Carolina, sagt allerdings, es sei es wichtig, sich so viele Optionen wie möglich vor Augen zu führen.

Es liegt in der Natur des Menschen, Alternativen zu ignorieren und sich immer weiter in die bereits eingeschlagene Richtung zu bewegen. Clark nennt das den Sunk-Cost-Trugschluss: Wir wollen unseren Kurs nicht ändern, wenn wir bereits viel in einen Job oder einen Karriereweg investiert haben – selbst wenn dieser offensichtlich der falsche ist. Habt ihr zum Beispiel viel Zeit, Energie und Geld in ein Jurastudium investiert, stellt aber fest, dass ihr kein Anwalt werden wollt, kann es beängstigend sein, etwas Neues zu versuchen.

2. Was sind eure Anforderungen an euren Job?

Ariane Hunter, Gründerin von My Mentors Circle, einer Interessengruppe für schwarze Frauen in der Wirtschaft, sieht Kündigungen als eine Botschaft an Arbeitgeber, was Arbeitnehmer von einem Job erwarten. Die Pandemie habe Frustrationen in Bezug auf Sicherheit, Entlohnung, Flexibilität und psychische Gesundheit zum Vorschein gebracht, die sich schon seit Jahrzehnten aufgestaut hatten.

Aber unabhängig davon, ob ihr kündigen wollt oder nicht, solltet ihr darüber nachdenken, was ihr von einem Job erwartet, so Hunter. Werdet ihr fair bezahlt? Werdet ihr mit Respekt behandelt? Erreicht ihr eure Ziele? "Das ist etwas, was wir immer tun sollten, auch lange, nachdem die Pandemie vorbei ist", sagt Hunter. "Wir sollten immer wieder prüfen, ob wir mit der Arbeit, die wir tun, völlig zufrieden sind."

3. Achtet auf euer Netzwerk

Ashley Stahl, Karrierecoach und Buchautorin, weiß, dass die Jobsuche "für viele Menschen lästig ist". Aber beim Networking geht es um so viel mehr als nur darum, eine neue Stelle zu finden. Bittet eure Vorgesetzten und Kollegen um Ratschläge, die speziell auf eure Branche zugeschnitten sind. Achtet darauf, wer in eurem Umfeld kündigt und wer bleibt.

"Die Jobsuche ist eine Lebenseinstellung", so Stahl. "Ihr solltet daher euer Netzwerk immer aufrechterhalten."

4. Nehmt euch die Zeit

Wenn ihr eure Stelle wechselt, ist es wichtig, angemessene Erwartungen zu haben. Auch wenn eure Einarbeitung vielleicht nach zwei Wochen abgeschlossen ist, dauert es laut Stahl mindestens sechs Monate, bis man sich in einem neuen Unternehmen völlig eingelebt hat. Ihr müsst euch Zeit nehmen, um euch im neuen Unternehmen einzuleben und Vertrauen aufzubauen, sagt sie.

"Die Menschen wollen nicht weg", sagt Stahl im Gespräch. "Sie wollen in ihrem Job glücklich sein. Sie wollen wachsen. Sie wollen in einer Gemeinschaft sein."

5. Ungewissheit ist etwas Gutes

Laut Clark ist die berufliche Ungewissheit von großem Wert. Schon das bloße Nachdenken über den beruflichen Werdegang bereite euch automatisch auf alles vor, was kommt. Ihr werdet widerstandsfähiger.

Oft würden Menschen mit Angst an ihre beruflichen Entscheidungen herangehen, aus Sorge, nicht qualifiziert genug zu sein oder arbeitslos zu werden. Geht ihr aber Neugier statt mit Angst an Entscheidungen heran, könnt ihr eine bessere Einstellung zur Arbeit im Allgemeinen gewinnen.

"Es hat bestärkend, wenn man bereit ist, im Ungewissen bezüglich der eigenen Zukunftspläne zu sein", so Clark. "Man erwirbt damit grundlegende Fähigkeiten, die übertragbar sind."

Dieser Artikel wurde von Ben Peters aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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