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Ökonomische Fallstricke für ein unabhängiges Schottland

·Lesedauer: 4 Min.

Mit Blick auf den Brexit wünscht sich eine Mehrheit der Schotten die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Verhindern könnte diesen Schritt ausgerechnet die Gemeinschaftswährung.

Die Wahrscheinlichkeit einer Unabhängigkeit Schottlands steigt. Beim schottischen Referendum 2014 sprachen sich zwar nur rund 45 Prozent der Wähler für die Unabhängigkeit aus. Der Brexit, den rund 60 Prozent der schottischen Wähler ablehnten, zwingt die Wählerschaft aber nun, sich zwischen dem Verbleib im Vereinigten Königreich und der Europäischen Union zu entscheiden – was die öffentliche Meinung weiter in Richtung Unabhängigkeit verlagert. Auch die chaotischen Handelsverhandlungen von Premierminister Boris Johnson mit der EU tragen dazu bei. Dies spiegelt sich in sechs in diesem Jahr durchgeführten Meinungsumfragen wieder, in denen sich jeweils mehr als 50 Prozent der Teilnehmer für die Unabhängigkeit aussprachen.

Doch wie sollte dies politisch, ökonomisch und institutionell umgesetzt werden? Wenn Sie glauben, dass die Verhandlungen des Vereinigten Königreichs mit der EU nervenaufreibend seien, dann warten Sie bloß auf seine Verhandlungen mit Schottland! Sollten die Einnahmen aus dem Nordseeöl auf Pro-Kopf-Basis zugeteilt werden oder geografisch, so wie Fischereirechte? Sollte die Verantwortung für die Bedienung der staatlichen britischen Schulden als Funktion der jeweiligen Nationaleinkommen oder der Bevölkerungszahl zugewiesen werden?

Ein Knackpunkt ist auch die Währung. Viele dürften davon ausgehen, dass ein unabhängiges Schottland eine eigene Währung erhält, verwaltet von einer eigenen Notenbank. Jedoch erklärten bei einer aktuellen schottischen Meinungsumfrage 40 Prozent der Teilnehmer, es sei „weniger wahrscheinlich“, dass sie für die Unabhängigkeit stimmen, wenn sie dafür das Pfund Sterling aufgeben müssten. Zugegeben, die Umfrage stammt von der für den Verbleib im Vereinigten Königreich eintretenden Lobby-Organisation „Scotland in Union“. Trotzdem ist das Ergebnis ein Anhaltspunkt für das Unbehagen, das viele Schotten bei dem Gedanken empfinden, das Pfund gegen eine unsichere Nachfolgewährung einzutauschen.

Daher steht nun der Vorschlag im Raum, dass Schottland im Fall der Fälle eine neue Währung ins Leben rufen und diese einseitig fest an das Pfund knüpfen könnte. Eine derartige Regelung, so die Argumentation, würde Währungsstabilität gegenüber dem Vereinigten Königreich sicherstellen, aber Schottland zugleich in die Lage versetzen, wieder der EU beizutreten. Nach einem angemessenen Zeitraum würde das Land seine Währung dann durch den Euro ersetzen.

Bis dahin jedoch hätte Schottland keinerlei Einfluss auf das Zinsniveau im Lande. Es hätte keinen Kreditgeber der letzten Instanz. Und ob es sich für die Mitgliedschaft in der Eurozone qualifizieren würde, ist unklar. Eines der Konvergenzkriterien für den Beitritt ist ja, dass die Währung eines Landes gegenüber dem Euro zwei Jahre lang stabil bleibt. Den Wechselkurs gegenüber dem Euro stabil zu halten, während er gleichzeitig an das Pfund geknüpft ist, wäre ein hübsches Kunststück.

Damit bleibt als einzige Option eine neue nationale Währung, die von einer unabhängigen Notenbank verwaltet wird, welche ein Mandat zur Gewährleistung von Preisstabilität erhält. Doch wie die vergangenen Jahre gezeigt haben, ist die Inflationssteuerung schwierig. Zudem wird sich die Unabhängigkeit der Notenbank in einem politisch aufgeladenen Umfeld, in dem bereits Forderungen laut werden, alle möglichen Sonderinteressen im Vorstand der neuen Bank zu berücksichtigen, nur schwer erreichen lassen.

Trotzdem ist die Kombination aus unabhängiger Notenbank und Inflationsteuerung die am wenigsten schlechte Alternative. Die schwedische Erfahrung zeigt, dass sich auf diese Weise für ein kleines Land, das nicht den Euro einführt, Währungsstabilität gewährleisten lässt. Dies setzt freilich ein hohes Maß an Haushaltsdisziplin voraus, wie es Schweden bereits wirksam unter Beweis gestellt hat, Schottland jedoch bisher nicht.

Die Einführung einer neuen schottischen Währung wäre auch technisch und logistisch nicht leicht. Es wäre erforderlich, nicht nur Banknoten zu drucken, sondern auch die Computersysteme der Banken umzuprogrammieren und die Konten von Unternehmen und Behörden umzurechnen. Man sollte nicht vergessen, dass es zwei volle Jahre erforderte, die Umstellung der europäischen Altwährungen auf den Euro abzuschließen. Ein glaubwürdiger Plan für Schottland würde daher erfordern, dass die Politik jetzt mit den Vorbereitungen beginnt.

Da ich selbst (wenn auch zugegeben vor einer ganzen Weile) in Schottland gelebt habe, weiß ich, dass die schottische Identität sehr ausgeprägt ist. Unabhängigkeitsreferenden werden durch mehr als nur Wirtschaftsfragen entschieden; das Brexit-Votum des Vereinigten Königreichs selbst ist ein deutlicher Beweis dafür. Doch braucht Schottland einen Plan für eine neue Währung und eine unabhängige Notenbank sowie ein Konzept für seine anschließende Einführung des Euro. Dies würde viel dazu beitragen, diejenigen Schotten zu beruhigen, die sich nach Unabhängigkeit sehen, aber Sorgen haben, was nach dem Pfund Sterling kommt.

Mehr zum Thema: Britische Unternehmen haben kaum noch Möglichkeiten, sich auf ein drohendes No-Deal-Szenario vorzubereiten.

Copyright: Project Syndicate