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Pappsüß und ungesund – wie gefährlich sind Energy-Drinks wirklich?

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Sie sind bunt, zuckrig und vor allem bei Jugendlichen total angesagt. Energy-Drinks wie Red Bull oder Monster versprechen, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern. Längst verkaufen die Unternehmen mit den koffeinhaltigen Getränken einen ganzen Lifestyle, sie sponsern Snowboardstars und Musik-Events. Doch Mediziner und Verbraucherschützer warnen: die vermeintlichen Energielieferanten sind gefährlich und können sogar zum Tod führen.

In seiner Praxis im niedersächsischen Göttingen behandelt der Kinderarzt und Kardiologe Martin Hulpke-Wette auch Liebhaber der koffeinhaltigen Trendgetränke. Gerade erst kümmerte er sich um einen Jungen, der täglich einen Liter Red Bull getrunken habe. Diagnose: Herzmuskelwandverdickung. „Energy-Drinks können die Gesundheit erheblich gefährden“, ist Hulpke-Wette überzeugt. Je mehr man von diesen trinke, desto höher sei das Risiko einer Erkrankung.

Hohe Mengen von Koffein könnten zu Herzrasen führen, so der Kardiologe. Das widerum könnte Kreislaufversagen mit möglicherweise tödlichen Folgen verursachen. Studien hätten ergeben, dass Energy-Drinks auch zu Bluthochdruck und, in hohen Dosen getrunken, zu Nierenversagen führen könnten, so der Mediziner. „Das Verbraucherschutzministerium muss endlich handeln“.

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Todesfälle in den USA
Nach fünf Todesfällen im Zusammenhang mit dem Konsum von Energy-Drinks in den USA im vergangenen Jahr forderte die Verbraucherschutzzentrale Hamburg für Deutschland ein Verkaufsverbot an Jugendliche unter 18 Jahren. „Diese Getränke haben mit 320 Milligramm pro Liter einen hohen Koffeingehalt - etwa dreimal so viel wie Cola - und enthalten zusätzliche Inhaltsstoffe wie Taurin, bei denen negative Wechselwirkungen nicht sicher ausgeschlossen werden können“, warnt Armin Valet von der Hamburger Verbraucherschutzzentrale gegenüber Yahoo! Nachrichten. „Gerade Kinder und Jugendliche müssen geschützt werden, da in der Disko und beim Sport die Gefahr eines übermäßigen Konsums besteht.“ Denn wer die Getränke mit Alkohol mische oder sich nach dem Trinken sportlich betätige, riskiere, dass sich die Nebenwirkungen zu Krampfanfällen oder Herzrasen verstärken.

Aussagekräftige Langzeitstudien allerdings gebe es noch nicht. In den USA hat derweil die Lebensmittelaufsicht Ermittlungen gegen den Getränkehersteller Monster eingeleitet. Man wolle zudem prüfen, ob Energy-Drinks gefährlich für Kinder und Menschen mit Gesundheitsproblemen sind.

Warnung vor Energy-Shots
Noch gefährlicher finden die Verbraucherschützer die sogenannten Energy-Shots. Dabei handelt es sich um hochkonzentrierte Drinks in kleineren Größen. „Die Hersteller nutzen hier Schlupflöcher, indem sie Energy-Shots nicht als Erfrischungsgetränke, sondern als „Nahrungsergänzungsmittel“ verkaufen und dadurch die gesetzlichen Vorgaben für Erfrischungsgetränke umgehen“, sagt Valet. So seien beispielsweise im Red Bull Shot 80 Milligramm Koffein pro 60 Milliliter enthalten. Das entspreche mehr als 1.300 Milligramm pro Liter. Diese hochdosierten Shots stufte selbst die Bundesgesellschaft für Risikobewertung als „nicht sicher“ ein, sollten diese mehr als einmal am Tag getrunken werden. Hamburgs Verbraucherschützer wollen sie ganz verbieten. Die normalen Dosen, so fordert Valet, müssten besser mit Warnhinweisen gekennzeichnet werden.

Marktführer unter den Anbietern von Energy-Drinks in Europa ist der österreichische Konzern Red Bull. Allein im vergangenen Jahr verkaufte das Unternehmen fünf Millionen Dosen seines gummibärsüßen Getränks. Zu den Vorwürfen der Verbraucherschützer und Ärzte sagte Red Bull auf Anfrage von Yahoo! Nachrichten lediglich, dass die Getränke vorschriftsmäßig gekennzeichnet seien. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sei zu dem Schluss gekommen, dass Energy-Drinks gesundheitlich unbedenklich seien. „Eine 250 Milliliter-Dose Red Bull enthält in etwa so viel Koffein wie eine Tasse Filterkaffee, also 80 Milligramm“, so eine Unternehmenssprecherin gegenüber Yahoo! Nachrichten.

Ein schlechter Vergleich, sagen die Kritiker. Schließlich seien die Drinks sehr süß, weshalb gerade Kinder und Jugendliche gerne mehrmals zugreifen würden. Beim Kaffee halte sie hingegen der bittere Geschmack vom Trinken ab.

Verbraucherschützer Valet und Arzt Hulpke-Wette kritisieren zudem das massive Marketing der Getränke-Hersteller. Die sponsern bei Jugendlichen beliebte Sportler und Musikfestivals. Immer mit dem Ziel, das eigene Logo mit einem angesagten Lifestyle in Verbindung zu bringen. Red Bull hat sogar zwei eigene Formel 1-Teams und mehrere Fußballvereine auf der ganzen Welt. Erst kürzlich manövrierte sich Red Bull geschickt wochenlang in die Medien auf der ganzen Welt: Den Sprung Felix Baumgartners aus dem All bezahlten die Österreicher. Und wo Baumgartner war, war auch das Logo mit den zwei Bullen.

Ob Energy-Drinks überhaupt etwas bringen, ist zumindest teilweise unbestritten. Denn das Koffein macht wach, so wie im Kaffee. Über den Nutzen von Taurin herrschen unterschiedliche Meinungen. Japanische Forscher, so berichtet die Zeitung New York Times, hätten vor 40 Jahren herausgefunden, dass Taurin Ratten half, besser zu schwimmen. Wegen fehlender Untersuchungen allerdings erkennt die Europäische Union Behauptungen nicht an, wonach Taurin die geistige Leistungsfähigkeit länger erhält und Muskelermüdung verhindert.

Hamburgs Verbraucherschützer Valet kündigte an, die Getränke weiterhin zu untersuchen, um herauszufinden, wie gefährlich die Mischung von Taurin, Koffein und anderen Inhaltsstoffen wirklich ist.