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Zwei Probleme gefährden den Erfolg von Tesla

·Lesedauer: 3 Min.
Als ob der Chipmangel in der Autoindustrie nicht schon schlimm genug wäre, wächst nun auch der Druck auf Tesla durch staatliche Behörden.
Als ob der Chipmangel in der Autoindustrie nicht schon schlimm genug wäre, wächst nun auch der Druck auf Tesla durch staatliche Behörden.


Bisher war die Geschichte von Tesla ein einziger Erfolg. Mit dem Model S und dem Model 3 hat Elon Musk der Autoindustrie gezeigt, wie moderne Elektrofahrzeuge gebaut werden können. Erstaunlicherweise gelang dem Unternehmen das enorme Wachstum der vergangenen Jahre, ohne in die von Branchenexperten prognostizierten Probleme zu geraten. Viele hatten erwartet, dass sich Tesla bei der Wartung der Fahrzeuge schwertun würde. Schließlich fehlt ein Händler- und Werkstattnetz. Auch die Qualitätsprobleme hielten sich in Grenzen – wenngleich etwa die Spaltmaße bisher nicht an die Klasse der deutschen oder japanischen Hersteller heranreichen.

Qualitätsprobleme in China

Dennoch gibt es zwei besorgniserregende Entwicklungen. Denn ausgerechnet in seinen wichtigsten Absatzländern gerät Tesla zunehmend unter Druck. Erstens in China: Dort beäugen staatliche Regulatoren den US-Hersteller schon länger kritisch und monieren die mangelnde Qualität. Angesichts der zwölf Prozent Marktanteil bei neu verkauften E-Autos im Land und der Tendenz der chinesischen Regierung, ausländische Konkurrenz im Zaum zu halten, könnte man von einem politischen Manöver ausgehen. Aber dies wird der Sache nicht gerecht.

Seit Monaten häufen sich in den sozialen Medien die Beschwerden und bei der Autoshow in Shanghai gab es Proteste von Tesla-Besitzern vor dem Ausstellungsgelände. Eine Befragung der US-Agentur JD Powers bestätigte den Ärger vieler Kunden. Kritisiert werden die Qualität des Lacks, gesprungene Fenster und Fehler in der Software. Vor allem beim für Tesla so wichtigen Autopilot gab es so viele Beschwerden, dass Tesla fast alle in der chinesischen Fabrik gefertigten Fahrzeuge vom Model 3 in Form eines Software-Updates „zurückrief“.

Zwar war es zu erwarten, dass mehr verkaufte Tesla-Fahrzeuge auch zu mehr Unfällen im Zusammenhang mit dem Autopiloten führen würden. Doch inzwischen häufen sich die schweren Unfälle bei angeschaltetem Fahrassistenten in so großer Zahl, dass auch US-Behörden eine Untersuchung eingeleitet haben – so ziemlich das Letzte, was Tesla-Chef Elon Musk angesichts des ohnehin schon enormen Chipmangels aktuell gebrauchen kann.

Dem Autopilot könnte ein Verbot drohen

Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) untersucht elf Unfälle bei denen ein Tesla auf stehende Rettungs- oder Polizeifahrzeuge aufgefahren ist. Insgesamt liegt die Zahl der schweren Unfälle mit Todesfolgen deutlich über 20. Bei knapp 800.000 Tesla-Fahrzeugen in den USA klingt das nicht viel. Aber die Sorge der Behörden ist, dass die Software an sich fehlerhaft ist. Sollte die NHTSA zu diesem Schluss kommen, könnte das für Tesla ernste Folgen haben. Denkbar ist ein Verbot der Software oder die Nachrüstung bestimmter Komponenten.

Es könnte sich bestätigen, was Kritiker schon lange behaupten: Der Name „Autopilot“ ist für das Tesla-eigene Fahrassistenzsystem nach derzeitigem Stand irreführend. Genau genommen handelt es sich um ein sogenanntes „Level 2 System“, das nur auf Autobahnen eingesetzt werden darf. Tesla weist auf diese Einschränkung auch in seiner Betriebsanleitung hin – mehr aber auch nicht. Während andere Hersteller die Nutzung teilautonomer Software außerhalb von Autobahnen mittels GPS unterbinden, können Tesla-Kunden das System überall aktivieren.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Tesla die Aufmerksamkeit der Fahrer bisher nicht überwacht. Bei aktiviertem Autopilot muss der Fahrer auch in den USA permanent den Verkehr beobachten. Zwar hat Tesla zu diesem Zweck eine Kamera im Innenraum des Fahrzeugs verbaut, die einen Warnton auslöst, sollte der Fahrer abgelenkt sein. Diese aber lässt sich zahlreichen Berichten in Foren zufolge einfach abkleben. Außerdem funktioniert sie nicht im Dunkeln. Andere Hersteller setzen hier auf eine Infrarotkamera, die nicht abgedeckt werden kann.

Sollten die US-Behörden also eklatante Schwächen beim Autopilot finden, könnte dies für Tesla eine enorme Klagewelle in den USA bedeuten. Das wiederum würde dem Unternehmen sehr viel Geld kosten. Aber viel schlimmer wäre der Imageschaden für Tesla. Bisher geht man davon aus, das Tesla eines der besten Systeme für das autonome Fahren auf dem Markt hat und dies ist auch eines der wichtigsten Verkaufsargumente. Verliert man diesen Vorteil, dann ist Tesla nur noch einer von vielen Herstellern, die E-Autos verkaufen.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

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