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Zahlungsgigant Ant könnte zerschlagen werden

·Lesedauer: 4 Min.

Erst der gestoppte Börsengang, jetzt ein tiefer Einschnitt in das Geschäftsmodell: Pekings Führung knöpft sich den Finanzdienstleister Ant Group vor.

Chinas mächtiger Bezahldienstleister Ant Group galt als eines der wichtigsten Unternehmen des Landes – als chinesische Antwort auf Paypal und Aushängeschild von Innovationen im Finanzbereich. Jetzt wird es eng für das kürzlich noch mit 300 Milliarden Dollar bewertete Unternehmen – sehr eng.

Noch Anfang November hatte die Firma den größten Börsengang in der Geschichte angestrebt. Der wurde nicht nur von den Behörden im letzten Moment gestoppt. Nach einer Intervention der chinesischen Zentralbank wird die Firma vermutlich wichtige Bereiche ihres Geschäftsmodells einstellen oder abgeben müssen.

Am Wochenende bestellten die mächtigsten Regulierungsbehörden in China die Topriege von Ant ein. Den Managern gegenüber saßen Vertreter der Zentralbank, der Regulierungsbehörde für Banken und Versicherungen CBIRC, der Wertpapieraufsicht CSRS sowie des staatlichen chinesischen Devisenamts.

In einem anschließend auf der Website der Zentralbank veröffentlichten Statement fand der stellvertretende Zentralbankvorsitzende, Pan Gongsheng, deutliche Worte (Original-Statement in Chinesisch). „Der Governance-Mechanismus des Unternehmens ist nicht solide“, sagte Pan. Rechtliche Regeln würden ignoriert. „Die gesetzlichen Compliance-Anforderungen werden verachtet“, hielt Pan dem Ant-Management vor. Zudem missbrauche das Unternehmen seine Marktmacht und schade so dem Wettbewerb und den Verbrauchern.

Pan machte der Ant Group Vorgaben, wie das Unternehmen nun weiter vorgehen solle. „Die Ant Group muss die Schwere und Notwendigkeit der Berichtigung vollständig erkennen“, sagte Pan. Dazu stellte er als zentrale Forderung auf: „Rückkehr zu den Ursprüngen bei der Zahlungsabwicklung“.

Mit dieser Aussage spricht Pan dem Finanzdienstleister einen Großteil seines Geschäftsmodells ab. Alibaba-Gründer Jack Ma hatte die Firma zwar gegründet, um Zahlungen für seine Online-Handelsplattform abzuwickeln.

Heute ist das Unternehmen jedoch viel mehr. Unter anderem vergibt es mittlerweile Kredite an Konsumenten. Zuletzt machte dieses Segment rund 35 Prozent des Umsatzes der Gruppe aus. Auch Versicherungsdienstleistungen hat Ant im Programm.

Diese Dienste könnte Ant künftig einstellen oder abgeben müssen. Schon jetzt scheint klar, dass die Gruppe nicht mehr in der Form weiterexistieren wird, wie sie eigentlich noch im November an die Börse gehen wollte.

Schon jetzt ist Ant dabei, das Kreditgeschäft deutlich zurückzufahren. Ob die Firma letztlich zerschlagen wird, sei noch nicht klar abzusehen, sagte Zhang Xiaoxi, Analyst bei dem Pekinger Analysehaus Gavekal Dragonomics. „Ant ist ein riesiger Spieler auf dem Markt, und jede Form von Zerschlagung muss genau abgewogen werden“, meinte Zhang.

Der Markt für Zahlungsabwicklung in China sei bereits aufgeteilt. Dort gebe es für Ant kaum weitere Wachstumsmöglichkeiten, argumentierte Chen Shujin vom Analysehaus Jefferies Finanical Group. „Der verordnete Fokus auf Zahlungsabwicklung wird das mögliche Wachstum von Ant begrenzen“, sagte Chen.

Die Ant Group kündige in einem Statement an, mit einem speziell eingerichteten Team einen Plan für den Umbau des Unternehmens vorzulegen. In der Übergangsphase würden alle Kosten für Endnutzer konstant gehalten. Die Firma ließ offen, wann sie den Plan für die Restrukturierung vorlegen wollte.

Politische Einflussnahme

Hinter dem Vorstoß der Zentralbank scheint insbesondere die Kommunistische Partei Chinas zu stehen. Zentralbankvize Pan leitete seine Ausführungen damit ein, dass die Ziele des „Zentralkomitees der Partei“ erfüllt werden müssten. Das oberste Ziel des Treffens mit den Vertretern der Ant Group habe darin bestanden, die Firma anzuhalten, im „Geist“ der Beschlüsse des Zentralkomitees zu handeln.

In chinesischen Finanzkreisen wird spekuliert, dass sich Präsident Xi Jinping persönlich in den Fall eingeschaltet haben könnte. Alibaba-Gründer Jack Ma hatte im Oktober auf einer Konferenz offen die chinesischen Regulierungsbehörden kritisiert. Die Partei könnte daraufhin erkannt haben, dass der Unternehmer und seine Firma zu mächtig geworden waren, wurde vermutet.

Die Alibaba Gruppe hatte seit dem abgesagten Börsengang Anfang November mehr als 200 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung verloren. Am Montag kündigte die Firma an, ihr bereits geplantes Aktienrückkaufprogramm von sechs Milliarden Dollar auf zehn Milliarden Dollar bis Ende 2022 zu erhöhen.

Neben der Ant Group und Alibaba haben chinesische Regulierungsbehörden während der vergangenen Wochen eine stärkere Kontrolle zahlreicher Technologiefirmen im Land angekündigt. Nachdem Peking die Branche über zwei Jahrzehnte weitgehend unbehelligt hatte wachsen lassen, will die chinesische Führung nun stärker in das Geschäft eingreifen.