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Aktien, Anleihen, Gold, Bitcoin: Das wurde 2019 aus 100.000 Euro

In diesem Jahr konnten Anleger nicht viel falsch machen. Ob Aktien, Anleihen, Gold oder Bitcoin – mit vielen Anlagen ließ sich ordentlich Geld verdienen.

Sein Geld innerhalb eines Jahres verdoppeln – welcher Anleger träumt davon nicht? Der Bitcoin machte es 2019 möglich. Wer zu Beginn 100.000 Euro in der Kryptowährung anlegte, hat jetzt 200.610 Euro auf dem Konto – vor Steuern und Transaktionskosten.

Doch die Schwankungen sind extrem: Bis Ende Juni stieg der Bitcoin um 245 Prozent, seither ist er wieder deutlich abgestürzt. Um als Zahlungsmittel für globale Transaktionen infrage zu kommen, gilt der Bitcoin als zu instabil und zu begrenzt. Von daher eignet er sich außer für Spekulanten auch kaum als Anlageklasse.

Doch es brauchte im zu Ende gehenden Jahr auch gar nicht die großen Exoten, um an den Finanzmärkten ordentlich Geld zu verdienen. Auch mit Aktien, Anleihen, Gold und vielen Rohstoffen machten Anleger große Gewinne.

Und das, obwohl es viele Probleme gab, die theoretisch vor allem Aktien hätten zusetzen müssen: Die Wirtschaft wächst weltweit nur noch langsam. Zudem verdienen viele Unternehmen weniger und halten sich mit Investitionen zurück. Gründe dafür sind vor allem der Handelsstreit und der Brexit.

Doch Anleger konnten sich 2019 auf die Notenbanken verlassen. Ihr überraschender Schwenk hin zu einer lockereren Geldpolitik schob die meisten Anlageklassen kräftig an. Vor allem die Aktienmärkte profitierten. Daniel Morris, Investmentstratege bei BNP Paribas Asset Management, fasst die Lage so zusammen: „Aktienanleger haben sich auf die niedrigen Zinssätze und die neue geldpolitische Lockerung der Zentralbanken konzentriert, statt sich Sorgen um das niedrigere Wirtschaftswachstum zu machen.“

2018 war es genau umgekehrt: Die Aktienmärkte brachen ab Herbst massiv ein. Gründe dafür waren vor allem Ängste vor einer US-Rezession und vor Zinserhöhungen. Deshalb hatten die Börsen gewissermaßen Nachholpotenzial.

Bei den Top-Aktienindizes gab es in diesem Jahr aber auch Sonderfaktoren für die Hausse.

Hausse in Griechenland

In Griechenland machte der politische Kurswechsel den Anlegern Hoffnung. Im Juli gewann die konservativ-liberale Nea Dimokratia die vorgezogenen Neuwahlen. Premier Kyriakos Mitsotakis löste den Linkspopulisten Alexis Tsipras ab und versprach eine wirtschaftsfreundliche Politik.

Davon profitierten nicht nur griechische Aktien. Auch mit Anleihen des Landes verdienten Anleger gut. Kursgewinne und Zinseinnahmen griechischer Staatsanleihen summieren sich seit Anfang Januar auf mehr als 30 Prozent.

Russland und China unter den Top-Performern

Fast ebenso viel brachten Aktien aus Russland. Die russische Zentralbank senkte den Leitzins fünfmal. Gleichzeitig dominieren viele Rohstofffirmen die Indizes. Von daher half auch die Erholung der Rohstoffpreise den russischen Aktien. Aus 100.000 im Dollar-Index RTS angelegten Euro wurden so in den vergangenen zwölf Monaten 148.720 Euro.

Nicht ganz so viel, aber ebenfalls überdurchschnittlich vermehrten Anleger auf Jahressicht ihr Geld in China. Der breite chinesische Index CSI 300 gewann in Euro gerechnet fast 35 Prozent. Der Handelsstreit setzt der chinesischen Wirtschaft zwar zu. Doch die chinesische Regierung stützt das Wachstum zunehmend durch Investitionen in die Infrastruktur, und auch Chinas Zentralbank hat den Leitzins gesenkt.

Claus Born, Fondsmanager für Schwellenländer bei Franklin Templeton, sagt: „China wird am Zollstreit nicht untergehen, auch wenn US-Präsident Donald Trump das suggerieren will.“ Dass die USA und China auf eine Teileinigung im Zollstreit zusteuern, gab chinesischen Aktien zuletzt noch einen Extraschub nach oben.

US-Börsen schlagen Europa

Auch für amerikanische und europäische Aktien ging es zum Ende des Jahres noch einmal aufwärts. Dabei schnitten die US-Börsen mit ihren vielen starken Technologiefirmen erneut besser ab als ihre europäischen Pendants. Der Vorsprung war jedoch nicht exorbitant groß.

Der US-Leitindex S & P 500 gewann in diesem Jahr bislang gut 29 Prozent. Euro-Anlegern kommt bei Investitionen in Dollar-Anlagen gleichzeitig der Anstieg des Dollars zum Euro zugute. So wurden aus 100.000 zu Jahresbeginn in den S & P 500 angelegten Euro bis dato 132.580 Euro. Wer sein Geld in der Euro-Zone und dort in den Euro Stoxx 50 investierte, kann sich über 126.020 Euro im Aktiendepot freuen.

Im Dax sind es mit 126.310 Euro noch etwas mehr. Allerdings liegt das daran, dass der Dax als Performance-Index konzipiert ist und so Dividendenausschüttungen einbezieht. Andere Indizes beziehen sich dagegen rein auf die Kursentwicklung. Nur auf Kursbasis betrachtet liegt das Plus im Dax bei 22,3 Prozent und damit niedriger als bei seinem Euro-Zonen-Pendant.

Palladium als Spitzen-Rohstoff

Sehr gut entwickelten sich auch Rohstoffe, allen voran Palladium. Das Edelmetall wird hauptsächlich in der Abgasreinigung von Benzinmotoren eingesetzt. Die Nachfrage steigt vor allem wegen verschärfter Anforderungen an Katalysatoren in China. Gleichzeitig ist das Angebot knapp. Privatanleger können von der Rally indes kaum profitieren, es gibt nur wenige Anlageprodukte auf Palladium.

Bei Gold und Öl ist das anders. Der Goldpreis profitiert von der Suche nach sicheren Anlagen in Zeiten von Handelsstreit und Brexit. Gleichzeitig verliert Gold seinen Nachteil gegenüber Anleihen: Gold wirft keine Zinsen ab, aber Anleihen machen das auch immer weniger. Der Ölpreis legte vor allem wegen der zunehmenden Förderkürzungen zu.

Doch natürlich gab es bei den verschiedenen Anlageklassen nicht nur Gewinner. Zu den größten Verlierern gehören vor allem exotische Börsen wie die in den afrikanischen Staaten Sambia und Ghana oder die im krisengeschüttelten Libanon.

Argentinischer Peso stürzt ab

Argentinien ist der für Euro-Anleger größte Verlierer in diesem Jahr. Das südamerikanische Land ist tief in die Krise gerutscht und teilweise zahlungsunfähig. Der Regierungswechsel vom wirtschaftsfreundlichen Präsidenten Mauricio Macri zum peronistischen Alberto Fernández verunsicherte die Investoren zusätzlich und ließ Argentiniens Leitindex Merval zwischenzeitlich massiv einbrechen.

Der Leitindex hat sich zwar wieder erholt, doch der Peso steht weiter unter Druck. Seit Jahresanfang hat er mehr als 35 Prozent verloren. Deshalb verloren Anleger in Euro gerechnet auch mit argentinischen Aktien Geld.
Das zeigt: Gerade international müssen Anleger die Währungsrisiken berücksichtigen.

Dazu kommt, dass es immer extreme Ausreißer nach oben wie nach unten gibt. Privatanleger sind besser beraten, ihr Anlagekapital möglichst breit zu streuen. Der am breitesten aufgestellte Index ist dabei der MSCI World All Countries, in dem zwar die USA dominieren, aber dennoch insgesamt die größten Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern zusammengefasst sind. Im zu Ende gehenden Jahr hat er Euro-Anlegern mehr als 27 Prozent Gewinn gebracht – und damit mehr als viele andere Anlagen.