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Worauf es bei Schwellenländer-Aktien ankommt

Emerging Markets bieten Aktienanlegern die besten Gewinnchancen – jedenfalls langfristig. Experten wollen sich von Turbulenzen an einzelnen Märkten nicht verunsichern lassen.

Die Zukunft liegt in den aufstrebenden Ländern. Das glauben viele Ökonomen. Und Finanzexperten stimmen oft zu. Sie haben das wichtige Argument im Kopf, dass über einen längeren Zeitraum das Wirtschaftswachstum auch über die Entwicklung an den Finanzmärkten entscheidet, insbesondere bei Aktien und Anleihen.

Deshalb stützen die Prognosen der Ökonomen die Schwellenländer-Optimisten. Ein Beispiel sind die Schätzungen der OECD. Die 36 Mitgliedstaaten erwarten für die Euro-Zone in den kommenden zwei Jahren nur ein jährliches Wachstum von einem Prozent, die USA kommen auf zwei Prozent. In den großen Schwellenländern wie China und Indien sollen es dagegen rund sechs Prozent sein.

Die Börsenbilanzen spiegeln die Unterschiede allerdings nicht so wider. Breit anlegende Aktienfonds in den Emerging Markets erreichten im laufenden Jahr zwar zweistellige prozentuale Wertgewinne. Doch andere Märkte und insbesondere die Wall Street schnitten weit besser ab.

Ein Grund waren die Sorgen wegen der Folgen des Handelskonflikts an den Märkten. Gerade die exportabhängigen Schwellenländer gelten als anfällig. Diese Ängste sind jedoch etwas in den Hintergrund gerückt. „Irgendeine Art von Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China wird es wohl im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl geben“, glaubt Tim Jagger vom britischen Verwalter Columbia Threadneedle Investments.

Im Jahr 2019 hatten auch einige größere Schwellenländer mit Problemen zu kämpfen. So gab es etwa schlechte Nachrichten aus der Türkei, aus Brasilien und Argentinien. Das führte zu Börseneinbrüchen und auch kräftigen Verlusten bei den Landeswährungen – und trübte die Stimmung für Anlagen in Schwellenländer insgesamt.

Griechenland und Russland bescheren satte Gewinne

Es wäre jedoch ein Fehler, mit Hinweis auf solche Einzelfälle die gesamte Anlageklasse Schwellenländer abzuhaken. Es lassen sich ebenso positive Ausreißer finden. Die Börsen in Griechenland oder Russland beispielsweise bescherten den Euro-Anlegern in diesem Jahr Gewinne von über 40 Prozent. Es kommt demnach auf die kluge Auswahl der Länder und Einzelanlagen an.

Auf längere Sicht sollten die besseren Konjunkturperspektiven und der wachsende Konsum einer immer größeren Mittelschicht in den Schwellenländern den Börsen Impulse geben. „Bei den Chinesen haben wir schon eine Verlagerung von Nahrungsmitteln und Elektrogeräten hin zum Reisen und zum Tourismus gesehen, wir suchen Firmen, die davon profitieren“, erklärt Dara White von Columbia Threadneedle Investments.

Darauf verlassen sich viele Experten in ihren mehrjährigen Ausblicken. Auf die guten Chancen pochen beispielsweise auch die Fachleute der niederländischen Vermögensverwaltung Robeco. Sie erwarten auf Fünfjahressicht an den Schwellenländerbörsen jährliche Aktienerträge von knapp vier Prozent, in den Industrieländern nur etwas mehr als drei Prozent.

Eine weit größere Kluft sehen die Experten des US-Asset-Managers GMO. In ihrer Siebenjahresvorschau taxieren sie die Jahresrenditen an den Emerging Markets auf fast fünf Prozent. An anderen Aktienbörsen werden dem Ausblick zufolge Verluste anfallen. Die GMO-Strategen setzen besonders auf Bewertungsunterschiede und kommen so zu den Prognosen.

Tatsächlich zahlen die Anleger an einzelnen Märkten unterschiedliche Preise. „Aktien aus Schwellenländern sind allgemein recht günstig“, erklären die Robeco-Experten. Fondsmanager Michael Keppler von Keppler Asset Management in New York errechnet für die Titel im Welt-Aktienindex ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von durchschnittlich 20. Bei der Emerging-Markets-Messlatte kommt er nur auf 14. Die russische Börse ist mit knapp sechs am preiswertesten, die türkische ist mit rund acht nahe daran.

Bei Investments in Schwellenländer sollten Anleger ihr Geld breit streuen. Dann bieten sich Fonds an. Scope Analysis gibt beispielsweise auf der Aktienseite den Produkten „Lazard Developing Markets Equity“ und dem „JPM Emerging Markets Equity“ das beste Rating für gute langfristige Performance. Beide haben in diesem Jahr für ihre Anleger Gewinne von 28 Prozent erwirtschaftet.