Deutsche Märkte geschlossen

WOCHENAUSBLICK: Feiertagswoche hält wenig Impulse für Dax bereit

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die feiertagsbedingt verkürzte neue Handelswoche lässt nur wenig Impulse für den Dax <DE0008469008> erwarten. Wegen des Tags der Deutschen Einheit ruht am Donnerstag der hiesige Aktienhandel. Die chinesischen Börsen bleiben feiertagsbedingt sogar fast die ganze Woche geschlossen. Seitens der Unternehmen sind kaum Nachrichten zu erwarten.

Entsprechend richte sich der Fokus der Anleger auf die anstehenden Konjunkturdaten, betonen die Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die letzten Wirtschaftsindikatoren aus der Eurozone hätten "mehr Schatten als Licht" gebracht. Am vergangenen Montag hatten schwache Einkaufsmanagerindizes insbesondere aus der deutschen Industrie hierzulande für einen Stimmungsdämpfer gesorgt und die vorherige Erholungsrally des deutschen Leitindex jäh beendet.

Den Auftakt in der neuen Woche machen am Montag Einkaufsmanagerindizes aus der chinesischen Industrie, tags darauf folgen die entsprechenden Indizes der US-Industrie sowie aus dem Verarbeitenden Gewerbe in Europa. Am Donnerstag stehen dann die Einkaufsmanagerindizes des Dienstleistungssektors in Europa und aus den Vereinigten Staaten auf der Agenda.

Und "uneingeschränkte Aufmerksamkeit findet am Ende der Woche der US-Arbeitsmarktbericht für September", ergänzte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. "Für die Märkte wird es bedeutsam sein, ob die Lohndynamik angesichts der sehr niedrigen Arbeitslosenquote weiter zunimmt." Die US-Notenbank (Fed) richtet ihre Geldpolitik stark an der amerikanischen Wirtschaft und an der Beschäftigungsentwicklung aus. Niedrige Zinsen gelten als eine der wichtigsten Triebfedern für die Börsen, da sie Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren begünstigen.

Kursbewegende Unternehmensnachrichten dürften in der neuen Woche spärlich bleiben, bis die Quartalsberichtssaison Mitte Oktober richtig Fahrt aufnehme, heißt es bei der LBBW weiter. Doch bereits davor "wird sich das eine oder andere Unternehmen zu Wort melden, sofern absehbar ist, dass die zuletzt avisierten Gewinnziele verfehlt werden".

Die Experten erinnerten daran, dass zuletzt mit dem Vakuumpumpenspezialisten Pfeiffer Vacuum <DE0006916604>, dem Motorenhersteller Deutz <DE0006305006>, dem Nutzfahrzeugzulieferer SAF-Holland <LU0307018795>, dem Stahlkonzern Salzgitter <DE0006202005> und dem Roboterhersteller Kuka <DE0006204407> schon einige deutsche Unternehmen aus konjunktursensiblen Branchen ihre Erwartungen nach unten revidiert hatten. Zudem dürfte sich die Deutsche Post <DE0005552004> am Dienstag bei der Vorstellung ihrer Strategie bis 2025 "der Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer gewiss sein".

Am selben Tag endet für die Aktionäre des Lichtspezialisten Osram <DE000LED4000> die Annahmefrist für die vor dem Wochenende aufgestockte Übernahmeofferte des Halbleiterherstellers AMS <AT0000A18XM4>. Damit hatten die Österreicher auf die Ankündigung der konkurrierenden US-Finanzinvestoren Advent und Bain Capital reagiert, das bisherige AMS-Angebot zu überbieten. Ebenfalls am Dienstag steht ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat von Bayer <DE000BAY0017> an. Zur Wochenmitte präsentiert dann der Finanzierungsdienstleister Grenke <DE000A161N30> Zahlen zum Neugeschäft seit Jahresbeginn.

Fortschritte im Handelsstreit zwischen den USA und China - laut der LBBW das wichtigste Thema für die Anleger - seien in der neuen Woche unwahrscheinlich. Denn China wolle sich "wohl kaum in seinen Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen der Volksrepublik stören lassen".

Den Vorbereitungen der US-Demokraten für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Donald Trump räumen die LBBW-Experten wenig Erfolgschancen ein. Ähnlich skeptisch äußerte sich Claudia Windt von der Landesbank Helaba. Sie verwies auf die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft in dieser Frage und erinnerte zudem daran, dass es seit Trumps Amtsantritt schon sieben Versuche für ein solches Verfahren gegeben habe. Allerdings bestehe "das Risiko einer politischen Lähmung, was im Falle eines merklichen Schwungverlusts der US-Konjunktur ein Problem wäre". Auch seien Trumps Reaktionen schwer zu kalkulieren. Und am Ende "könnten sich die Demokraten in diesem Verfahren verzetteln und so Trumps Wiederwahl begünstigen", meinte Windt./gl/la/he

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---