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«Wirtschaftsweise» senken Konjunkturprognose für 2021

·Lesedauer: 4 Min.
Ein Mitarbeiter montiert in einer Werkshalle am Stammsitz der Heidelberger Druckmaschinen AG ein Druckwerk.
Ein Mitarbeiter montiert in einer Werkshalle am Stammsitz der Heidelberger Druckmaschinen AG ein Druckwerk.

Nun schrauben auch die «Wirtschaftsweisen» ihre Wachstumserwartungen nach unten. Das größte Risiko für die Konjunktur: eine dritte Corona-Welle.

Berlin (dpa) - Ein anhaltender Corona-Lockdown und Probleme beim Impfen könnten den Aufschwung in Deutschland verzögern. Die «Wirtschaftsweisen» senkten am Mittwoch ihre Konjunkturprognose für 2021.

Im ersten Quartal wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung erwartet. Als größtes Risiko für die Konjunktur sehen die Experten eine dritte Welle - vor allem wenn die Industrie stark von Einschränkungen und Betriebsschließungen betroffen wäre.

Im vergangenen Jahr war die Wirtschaftsleistung in Deutschland um 4,9 Prozent eingebrochen. Viele Ökonomen hatten ein «V»-Szenario erwartet: einem steilen Abschwung folgt ein steiler Aufschwung. Die «Wirtschaftsweisen» sind aber nun skeptischer geworden: Für das laufende Jahr erwartet der Sachverständigenrat ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 3,1 Prozent.

In der im November vorgelegten Prognose gingen die Experten noch von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 3,7 Prozent im Jahr 2021 aus. Die Bundesregierung rechnet mit einem Wachstum von 3,0 Prozent im Jahr 2021. Auch die Regierung hatte ihre Prognose gesenkt.

Das Vorkrisenniveau werde voraussichtlich zum Jahreswechsel 2021/22 wieder erreicht, hieß es von den «Wirtschaftsweisen». Für das Jahr 2022 erwarten die Experten ein Wachstum um 4,0 Prozent.

Die Konjunktur in Deutschland ist derzeit zweigeteilt. Auf der einen Seite geht es mit der Industrieproduktion aufwärts. Das liegt vor allem daran, dass wichtige Absatzmärkte für Produkte «Made in Germany» wie China und die USA zulegen. Auf der anderen Seite sind Branchen wie das Gastgewerbe, der Einzelhandel und der Tourismus von Einschränkungen schwer getroffen.

2020 war der private Konsum stark zurückgegangen. Viele Bürger legten mehr Geld auf die hohe Kante, die Sparquote der Haushalte erhöhte sich deutlich. Die «Wirtschaftsweisen» rechnen damit, dass sich die aufgestaute Kaufkraft erst ab 2022 allmählich abbaut.

Für das erste Quartal rechnen die «Wirtschaftsweisen» infolge der wieder angestiegenen Infektionszahlen und der andauernden Einschränkungen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um etwa 2 Prozent.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berät die Politik. Die Experten werden umgangssprachlich auch als die «Wirtschaftsweisen» bezeichnet. Das Gremium derzeit nur vier Mitglieder. Ende Februar schied der bisherige Vorsitzende Lars Feld aus dem Gremium aus. Die SPD war gegen eine Verlängerung der Amtszeit. Die schwarz-rote Koalition konnte sich aber auch nicht auf einen Nachfolger einigen. Eine neue Vorsitzende oder einen neuen Vorsitzenden haben die «Wirtschaftsweisen» bisher noch nicht gewählt.

In den kommenden Monaten wird eine Erholung der Konjunktur erwartet. «Sobald es gelingt, das Infektionsgeschehen effektiv zu begrenzen und größere Anteile der Bevölkerung zu impfen, dürften sich die von den Kontaktbeschränkungen oder Schließungen stark betroffenen Dienstleistungsbereiche wie das Gastgewerbe oder der stationäre Einzelhandel wieder beleben», erklärte der «Wirtschaftsweise» Achim Truger. «Dies dürfte zu einem kräftigeren Wachstum beitragen.»

Die größte Chance für die Konjunktur sei ein zügiger Impffortschritt, sagte die «Wirtschaftsweise» Veronika Grimm. Das Tempo bei den Impfungen müsse erhöht werden: «Damit Deutschland das EU-Ziel, 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zu impfen, bis Ende September 2021 erreicht, muss die aktuelle Anzahl der täglichen Impfungen in den Impfzentren um 50 Prozent gesteigert werden», so Grimm. Haus- und Fachärzte sollten in den Impfprozess einbezogen werden. Die Politik plant dies - unklar ist aber derzeit, ab wann.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erklärte: «Ein schneller Impffortschritt und der konsequente Einsatz von Schnelltests sind in dieser Phase der Pandemie zwei entscheidende Hebel, damit es auch für die gesamte Wirtschaft bergauf gehen kann.»

Eine Verzögerung bei der Impfstrategie habe ganz klar wirtschaftliche Auswirkungen, sagte die «Wirtschaftsweise» Monika Schnitzer mit Blick auf die Probleme beim Impfstoff von Astrazeneca. Sollte sich der Lockdown um ein Quartal verlängern, dürfte das Wirtschaftswachstum 2021 um rund einen Prozentpunkt niedriger ausfallen.

Der Arbeitsmarkt wird laut Prognose weiter von der Kurzarbeit gestützt. Trotz des starken wirtschaftlichen Einbruchs habe sich die Erwerbstätigkeit im Jahr 2020 nur leicht verringert. Stärkere Rückgänge habe es aber bei der geringfügigen Beschäftigung gegeben - also etwa bei Mini-Jobs auf 450-Euro-Basis etwa in der Gastronomie. Bei einer Erholung der Wirtschaft könnte auch der Arbeitsmarkt wieder anziehen.

Zwar rechnen die Experten mit einer zunehmenden Zahl an Firmeninsolvenzen, wenn die bisherige Aussetzung von Antragspflichten aufgehoben wird. Eine große «Insolvenzwelle» wird aber nicht erwartet, wie Schnitzer deutlich machte. Es werde sich vor allem um kleinere Firmen handeln. Mit massiven Probleme für die Banken wie in der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren rechnet sie nicht.

Die Sachverständigen erwarten außerdem höhere Verbraucherpreise. Gründe seien der höhere Ölpreis, die Einführung der CO2-Bepreisung im Verkehr und in Gebäuden sowie das Auslaufen der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung. Die Inflationsrate dürfte laut Prognose 2021 im Jahresdurchschnitt 2,1 Prozent betragen. Im Februar lag sie bei 1,3 Prozent.