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Wirtschaftspreis für die „Macher des Ostens“

·Lesedauer: 5 Min.

Sie haben beim Aufbau Ostdeutschlands „die großen Räder“ bewegt. Jetzt erhalten drei Unternehmer dafür eine besondere Auszeichnung.

Die Wirtschaftskraft der neuen Länder hat sich seit der Wiedervereinigung vervierfacht. Foto: dpa
Die Wirtschaftskraft der neuen Länder hat sich seit der Wiedervereinigung vervierfacht. Foto: dpa

Einmal im Jahr richtet die Bundesregierung einen besonderen Blick auf Ostdeutschland. Der Jahresbericht der Regierung zum Stand der deutschen Einheit ist ein verlässlicher Gradmesser der wirtschaftlichen Lage im Osten.

Dass sich hier, 30 Jahre nach der Einheit, viel bewegt hat, zeigt der jüngste Einheitsbericht. Auch wenn es zwischen Ost und West weiterhin teilweise deutliche wirtschaftliche Unterschiede gibt, macht Ostdeutschland etwa bei der Angleichung der Lebensverhältnisse große Fortschritte. Die Wirtschaftskraft der neuen Länder hat sich seit der Wiedervereinigung vervierfacht.

Dass die neuen Bundesländer gut vorankommen, liegt auch am Einsatz couragierter Unternehmer. Persönlichkeiten, die an diesem Dienstagabend im Rahmen der Initiative „Macher30 – der Ehrenpreis des Ostens“ in der „European School of Management and Technology“ (ESMT) in Berlin ausgezeichnet wurden.

Anlass für die Preisverleihung ist der in diesem Jahr anstehende 30. Jahrestag der Deutschen Einheit. Träger der Initiative sind Egon Zehnder, die ESMT, der Ostdeutsche Bankenverband (OstBV) und der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). Schirmherr ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Prämiert wurden insgesamt 22 Personen aus allen ostdeutschen Bundesländern in den Kategorien Wirtschaft, Wissenschaft, Kommune und Newcomer - „Macher“, die sich auf gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Ebene verdient gemacht hätten, wie ESMT-Präsident Jörg Rocholl in seiner Begrüßungsrede sagt. Es gehe um Persönlichkeiten, die damit nicht nur die kleinen, sondern auch „die großen Räder im Osten Deutschlands“ bewegten.

Marco Wanderwitz (CDU), Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, betonte in seiner Festansprache: „Wir haben in den neuen Ländern in 30 Jahren etwas aufgebaut, auf das wir stolz sein können.“ Für diese Leistung stünden beispielhaft die Macherinnen und Macher, die heute ausgezeichnet würden. „Sie sind Vorbilder und machen Mut“, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Einsatz für benachteiligte Menschen

Zu diesen Vorbildern zählt zum Beispiel der Unternehmer Uwe Blaumann. Der 61-Jährige, der in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde, ist geschäftsführender Gesellschafter der Palmberg Büroeinrichtungen und Service GmbH. Eines Unternehmens in Schönberg, einer kleinen Stadt in Nordwestmecklenburg.

Mit 540 Mitarbeitern und 105 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2018 zählt der Betrieb zu den größeren Namen der kleinen Büromöbelbranche. Und vor allem: zu den größten Arbeitgebern in Westmecklenburg.

Es sind solche Firmenlenker wie Blaumann, die in der Nachwendezeit mitunter Großes leisten für den Aufholprozess im Osten. Und die dabei nicht nur den unternehmerischen Erfolg im Blick haben. Blaumann etwa kümmert sich auch um benachteiligte Menschen, integriert Menschen mit Behinderungen in seiner Firma und fördert den Sport in seiner Region.

In der Kategorie Wirtschaft hat sich die Jury neben dem Büromöbel-Unternehmer Blaumann für den Mittelständler Rainer Gläß und seine Firma GK Software AG und Ute Bergner von der Vacom Vakuum Komponenten & Messtechnik GmbH entschieden.

„Ich musste Klinken putzen“

Bergner kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Als die Mauer fiel, war sie Anfang 30 und arbeitete als Physikerin an der Universität Jena. Nach der Wende arbeitete die heute 63-Jährige zunächst für westliche Unternehmen, gründete dann im heimatlichen Großlöbichau in Thüringen ein eigenes Unternehmen: Die Vacom GmbH.

Anfangs gestaltete sich der berufliche Neustart als Unternehmerin schwierig. „Ich musste Klinken putzen und mir überlegen, wie ich die Kunden am besten anspreche“, schilderte Bergner die Situation einmal in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „Impulse“. Den Durchbruch brachte 1993 ein Auftrag für das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum.

„Wir sollten eine Weltraumsimulationskammer auf ein ölfreies Pumpsystem umrüsten“, erzählt sie. Ihre Firma bekam schließlich den Zuschlag, weil sie eine bessere Technologie zum halben Preis anbieten konnte.

In den folgenden Jahren baute Bergner ihren Betrieb zu einem der führenden Hersteller von Messgeräten und Vakuumkomponenten für Universitäten, Labore und Maschinenbauer aus. Heute liefert sie ihre Produkte in die ganze Welt und beschäftigt fast 400 Mitarbeiter.

Dass der wirtschaftliche Aufholprozess in Ostdeutschland vorankommt, ist auch Unternehmern wie Rainer Gläß zu verdanken. Der studierte Informatiker nutzte die Aufbruchstimmung nach der Wende zum Sprung in die Selbstständigkeit. Zusammen mit einem Partner gründete er die GK Software in der sächsischen Provinz. „Man gründet da, wo man ist, und wir waren eben in Schöneck“, sagte er einmal.

Enormes Wachstumspotenzial

Der mittlerweile börsennotierte Weltmarktführer für Software, mit der Einzelhändler ihre Filialen steuern können, hat Niederlassungen in der ganzen Welt. Heute beschäftigt der Konzern, zu dessen Kunden etwa Douglas, Lidl, Edeka und mehrere Baumärkte zählen, rund 1.100 Mitarbeiter.

Auf dem Firmencampus finden sich Café, betriebseigener Kindergarten, Kantine, Kletterwand, Fitnessstudio. Überhaupt spielt Sport eine große Rolle bei Gläß. Er selbst ist leidenschaftlicher Skifahrer, sein Unternehmen fördert den Skiclub Schöneck und im nahegelegenen Klingenthal das Sportgymnasium mit einem digitalen Schulkonzept.

Für sein gemeinwohlorientiertes Wirken erhielt Gläß 2018 den Bundesverdienstorden. Im gleichen Jahr wurde er zu Sachsens Unternehmer des Jahres gekürt. Nun kommt an diesem Dienstagabend mit dem „Ehrenpreis des Ostens“ noch eine Auszeichnung hinzu.

Eine solche Veranstaltung, bei der engagierte Macherinnen und Macher des Ostens prämiert werden, gebe es nicht jeden Tag an der internationalen Wirtschaftshochschule ESMT, betont der Präsident der Einrichtung, Rocholl. Überhaupt gebe es nur wenige Auszeichnungen dieser Art. „Insbesondere die Macherinnen und Macher aus den neuen Bundesländern bekommen im gesamtdeutschen Kontext bisweilen noch zu wenig Beachtung“, betont er.

Dabei sei gerade in den wirtschaftlich schwächeren Regionen das Wachstumspotenzial enorm, so Rocholl. Institutionen, Betriebe und auch Einzelpersonen seien in den letzten Jahren „sehr große Schritte“ gegangen. Auch das, da sind sich an diesem Abend alle einig, soll die Preisverleihung zum Ausdruck bringen.