Deutsche Märkte geschlossen

Wirtschaft warnt vor großen Kollateralschäden durch Isolation Großbritanniens

Sigmund, Thomas
·Lesedauer: 2 Min.

Die Unternehmen sehen die neue Virusvariante von Covid-19 mit großer Sorge – lehnen aber unverhältnismäßige Beschränkungen des Warenverkehrs ab.

Großbritannien ist der wichtigste Exportmarkt etwas für deutsche Autos, viele Branchenunternehmen produzieren auch dort.  Foto: dpa
Großbritannien ist der wichtigste Exportmarkt etwas für deutsche Autos, viele Branchenunternehmen produzieren auch dort. Foto: dpa

Die deutsche Wirtschaft warnt angesichts der Isolierung Großbritanniens durch das europäische Festland vor Lieferengpässen. Zwar wird aus Sicht der Familienunternehmer zu Recht die neue Virusvariante von Covid-19 europa- und weltweit mit großen Sorgen gesehen. Doch „bei aller gebotenen Vorsicht dürfen jetzt keine unverhältnismäßigen wirtschaftlichen Kollateralschäden ausgelöst werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Albrecht von der Hagen, dem Handelsblatt.

Für Deutschland als Export- und auch Importnation gelte: „Die Warenströme zwischen den Ländern, wenigstens in der EU, dürfen nicht unterbrochen werden.“ Ohne offene Grenzen für den EU-Binnenmarkt würde man nie das nötige Wirtschaftswachstum für 2021 erreichen, um die Arbeitslosigkeit begrenzen zu können, die uns durch die bisherigen Lockdowns drohe.

Großbritannien ist der wichtigste Exportmarkt etwas für deutsche Autos, viele Branchenunternehmen produzieren auch dort. Zahlreiche Länder hatten in der Nacht zu Montag den Reiseverkehr mit Großbritannien drastisch eingeschränkt, nachdem die britische Regierung am Wochenende mitgeteilt hatte, ein neuer, besonders ansteckender Stamm des Coronavirus sei „außer Kontrolle“ geraten.

Deutschland stoppte Flüge aus Großbritannien, Frankreich setzte jegliche Einreisen aus Großbritannien für 48 Stunden aus. Italien, die Niederlande und Belgien hatten bereits zuvor Flug-, Zug- und Fährverbindungen gekappt. Der Hafen Dover und der Eurotunnel sind seit dem Wochenende geschlossen.

Angesichts dieser Entwicklung schlugen auch die deutschen Autobauer Alarm. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) forderte, dass zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland möglichst bald wieder Waren ausgetauscht werden.

„Bauteile sind nicht ansteckend und werden gebraucht, damit die Produktion und Versorgung nicht zum Erliegen kommt“, warnte der Verband . „Die Unternehmen in der Industrie haben meist nur einen Lagerbestand von wenigen Tagen, danach ist Stopp. Das gefährdet Jobs und die Versorgung.“

Zur Begründung ihrer Forderung erklärten die Autobauer, dass viele Bauteile aus der deutschen Zulieferindustrie mehrfach den Ärmelkanal passieren, bevor das Fahrzeug fertig ist. Der Verband mahnte auch an, die Lastwagenfahrer im Grenzstau über Weihnachten gut zu versorgen.

Anton Börner, der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, warnte vor einem Chaos des Warenverkehrs. „Der Warenverkehr muss schnellstmöglich wieder in Gang kommen“, sagte Börner dem Handelsblatt. Aktuell sei aufgrund des unmittelbar bevorstehenden Endes der Brexit-Übergangsfrist ohnehin bereits ein stark erhöhter Lieferverkehr zu beobachten, was an einigen Stellen schon zu chaotischen Zuständen und Verzögerungen führe.

Die Suche nach einer gemeinsamen europäischen Lösung statt nationaler Alleingänge bezeichnete Börner als „die gute Nachricht unter den schlechten“. Laut Börner versuchen viele Unternehmen noch, ihre Waren dies- und jenseits der Grenze zu bringen, weil noch immer völlig offen ist, wie es nach Jahresende zwischen der EU und Großbritannien weitergeht. „Man will so verhindern, dass die Waren genau über den Stichtag unterwegs sind“, sagte er.

Viele Bauteile aus der deutschen Zulieferindustrie passieren mehrfach den Ärmelkanal, bevor das Fahrzeug fertig ist. Foto: dpa
Viele Bauteile aus der deutschen Zulieferindustrie passieren mehrfach den Ärmelkanal, bevor das Fahrzeug fertig ist. Foto: dpa