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Wirecard-Buchprüfer Ernst & Young nun von Anlegern verklagt

Karin Matussek

(Bloomberg) -- Zwei Tage nach der Durchsuchung der Wirecard AG haben private Investoren deren Wirtschaftsprüfer Ernst & Young verklagt. Die Buchprüfer hätten den Jahresabschluss 2018 beanstanden müssen, weil für angebliche Treuhandguthaben von etwa 1 Milliarde Euro keine Saldenbestätigungen vorlagen, so der Vorwurf.

Die Kanzlei von Anwalt Wolfgang Schirp hat Klage beim Landgericht Stuttgart eingereicht. Die Anleger wollen die Differenz zwischen Kaufkurs und dem aktuellen Kurs der Wirecard-Aktie ersetzt haben. Der Wert der Anteilsscheine war mehrfach eingebrochen, nachdem die Financial Times über Vorwürfe berichtet hatte, das Unternehmen habe seine Bilanzen manipuliert.

E&Y steht bereits in Großbritannien in der Kritik. Am Freitag missbilligte ein Londoner Richter den Umgang des Auditors mit einem Whistleblower während eines Prozesses, der in diesem Jahr endete. Die britischen Aufsichtsbehörden ermitteln gegen Ernst & Young wegen der Bilanzprüfung des im April kollabierten Krankenhausbetreibers NMC Health Plc.

Ernst & Young lehnte eine Stellungnahme zu der Klage ab. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt inzwischen gegen den Wirecard-Vorstand wegen des Verdachts der Marktmanipulation, nachdem die deutsche Finanzaufsicht BaFin den Sachverhalt angezeigt hatte.

Die Staatsanwälte prüfen, ob Wirecard dem Markt im März und April irreführende Signale zur einer Sonderprüfung durch KPMG sandte. Das Management hatte den Ernst & Young-Konkurrenten damit betraut, die eigenen Bilanzierungs- und Geschäftspraktiken zu prüfen. Damit sollten die Vorwürfe eigentlich ausgeräumt werden.

Die beiden Buchprüfungsfirmen gehören zu den großen Vier der globalen Branche. Besonders in Großbritannien stehen sie in der Kritik, da sie versäumt haben sollen, auf Probleme von Unternehmen hinzuweisen, die in die Insolvenz rutschten. Inzwischen werden Rufe laut, ihrer Bilanzprüfungs- und Beratungssparten zu entflechten.

Die Financial Times hatte eine Reihe von Artikeln über mutmaßlichen Bilanzbetrug duch Wirecard in Singapur und anderen asiatischen Ländern publiziert. Im Oktober berichtete die Zeitung, Zahlungen, die ein Wirecard-Partner aus Dubai gehandhabt hatte, seien möglicherweise nicht real. Dabei ging es um die Jahre 2016 und 2017.

Daraufhin beauftragte Wirecard KPMG, das Geschäft in Indien und Singapur sowie die Zusammenarbeit mit Drittparteien zu untersuchen. In Mitteilungen vom 22. April erklärte Wirecard, bisher habe die Untersuchung keine Belege für Betrug ergeben.

Bei der Veröffentlichung des KPMG-Berichts am 28. April kam dann aber ans Licht, dass die Prüfer nicht über alle notwendigen Daten von Drittparteien verfügten, um die Vorgänge einschätzen zu können. In der Folge sackte der Aktienkurs um bis zu 28% ab.

Überschrift des Artikels im Original:Ernst & Young Sued Over Wirecard as Accounting Woes Add Up (1)

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