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WeWork belastet Softbank deutlich stärker als erwartet

Erst vor zwei Wochen hat Softbank vor Milliardenverlusten gewarnt. Jetzt hat der Konzern seine Verlustprognose nochmals erhöht – auf 7,8 Milliarden Euro.

Der japanische Technikinvestor Softbank hat in dem im März abgelaufenen Bilanzjahr 2019 noch mehr Verluste gemacht als erwartet. Am Donnerstag senkte der Konzern seine erst zwei Wochen alte Verlustprognose um 20 Prozent auf nun 7,8 Milliarden Euro. Als Grund nannte Softbank erhöhte Verluste auf die Beteiligung an dem Büroanbieter The We Company (besser bekannt als WeWork).

Auslöser ist eine drastische Korrektur der erwarteten Verluste auf Finanzinstrumente, höhere Wertberichtigungen und Kredite an Softbanks große Wette auf den verglühten Star der Shared-Economy. Inzwischen warnt der Technikinvestor, dass die Verluste auf das einstige Lieblingskind von Konzerngründer Masayoshi Son von 800 Milliarden (6,9 Milliarden Euro) auf eine Billion Yen (8,6 Milliarden Euro) anschwellen.

Das WeWork-Debakel verdeutlicht die Risiken von Softbanks aggressiver Investmentstrategie in Zeiten einer globaler Krise. Vor der Covid-19-Pandemie musste Softbank massiv in WeWork einsteigen, um den strauchelnden Immobilienriesen mit einem 9,5 Milliarden Dollar schweren Rettungsprogramm vor dem Kollaps zu bewahren.

Doch nach dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie zog der Konzern nun sein drei Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot an den Bürovermittler zurück, um das Bluten zu stoppen. Denn der Einbruch der globalen Aktienmärkte verursachte zusätzlich große Buchverluste bei Sons wichtigem Investmentfonds, dem 100 Milliarden Dollar schweren Softbank Vision Fund.

Son hatte große Geldgeber wie den saudischen Pensionsfonds für seine Idee begeistert, mit einer breiten Investitionsoffensive in Megastartups der Internetwirtschaft, Robotik und künstlicher Intelligenz einen global führenden Technikkonzern aufzubauen. Seit 2017 investierte der Fonds dann in rasantem Tempo in mehr als 80 Unternehmen, darunter die Mitfahrdienste Uber und Grab in Südostasien.

Softbank kündigte höchsten Reinverlust der Unternehmensgeschichte an

Schon vor der Krise kritisierten Sons Partner, dass Son zu viel Geld für die Beteiligungen ausgab. Zuerst bewahrheiteten sich diese Befürchtungen bei WeWork, als das Unternehmen voriges Jahr einen Börsengang absagte und stattdessen unter Softbanks Führung einen Sanierungskurs begann.

Die Kursverluste seit dem Ausbruch der Coronakrise belasteten die Bilanz des Fonds und damit auch die von Softbanks noch stärker. Vor zwei Wochen kündigte Softbank dann den höchsten Reinverlust seiner Unternehmensgeschichte an.

Wie riskant die Lage ist, demonstriert Softbanks Rettungspaket: Im März kündigte Son an, mit einem 38 Milliarden Euro großem Notprogramm Aktien zurückzukaufen und Schulden zu tilgen, um den Absturz von Softbanks Aktienkurs zu stoppen. Bisher hatte dieser Schachzug bei den Anlegern Erfolg: Trotz der noch höheren Verluste stieg Softbanks Aktienkurs bis zur Mittagspause an der Tokioter Börse um 2,5 Prozent auf 4724 Yen.