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Spahn fordert lokales Durchgreifen; Lockerungen in Europa

David Verbeek

(Bloomberg) -- Angesichts von Coronavirus-Ausbrüchen in verschiedenen Landkreisen hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn konsequente Maßnahmen vor Ort gefordert. In Deutschland ist die Zahl der Neuinfektionen auf den niedrigsten Stand seit sechs Tagen zurückgegangen, während die Reproduktionszahl weiter über der Marke von 1 lag.

“Wir brauchen das beherzte und umfassende Vorgehen vor Ort”, sagte Spahn am Sonntagabend im ZDF. “Nur wenn wir es schaffen, vor Ort in den Landkreisen dann auch sofort zügig und konsequent durchzugreifen, verhindern wir, dass wir dann darüber hinaus auch möglicherweise wieder bundesweit eine ganz andere Entwicklung sehen.”

Nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Montagmorgen wurden in den letzten 24 Stunden bundesweit 555 Neuinfektionen gemeldet. Damit ging die Zahl den 3. Tag in Folge zurück und liegt auf dem niedrigsten Stand seit dem 5. Mai. Weitere 20 Menschen sind im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gestorben. Die Reproduktionszahl stieg weiter an und lag nach Angaben des Robert Koch Instituts vom Sonntag bei 1,13. Die Zahl gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt mit dem Virus ansteckt.

Bund und Länder haben vergangene Woche das bislang umfangreichste Paket an Lockerungen verabschiedet. Experten befürchten, dass dadurch die Infektionszahlen wieder zunehmen werden. In Landkreisen, die den Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschreiten, können zuvor aufgehobene Beschränkungen wieder eingeführt werden. Zu lokalen Ausbrüchen kam es zuletzt unter Anderem im thüringischen Greiz und in Coesfeld in Nordrhein-Westfalen.

In mehreren europäischen Ländern werden ab dem heutigen Montag bestimmte Einschränkungen gelockert. In Spanien gelten ab dem heutigen Montag Lockerungen für ein Gebiet, das gut die Hälfte der Bevölkerung umfasst. In Frankreich werden Auflagen für Läden und Reisebeschränkungen gelockert. In der Schweiz dürfen alle Einzelhändler wieder Kunden empfangen, Restaurants, Sportstätten und Museen können öffnen.

Angesichts der Schäden, die die Eindämmungsmaßnahmen in der deutschen Wirtschaft verursachen, kündigte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die Prüfung weiterer Hilfen an. Vorwürfe aus der Wirtschaft, die Lockerungen gingen nicht weit genug, wies er zurück. Die Lockerungen müssten “schrittweise erfolgen, damit es nicht zu schweren Rückfällen beim Gesundheitsschutz kommt”, sagte er der Funke Mediengruppe.

Zugleich erklärte Altmaier, dass vielen Unternehmen das “Wasser bis zum Hals” stehe. Besonders betroffen seien Gastronomie, Messe- und Konzertveranstalter. Der Minister kündigte Prüfungen an, wo weitere gezielte Hilfen erforderlich seien.

(Ergänzt um Spahn, europäische Länder)

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