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Feuerwerk an Coronahilfen, deutsche Erholung kann 2 Jahre dauern

David Verbeek

(Bloomberg) -- In Deutschland haben sich zuletzt weniger Menschen mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt, die Regierungskoalition hat sich beim Thema Konjunkturhilfen zusammengerauft, und die europäische Zentralbank stockt ihr Anleihekaufprogramm kräftig auf.

Die EZB hat am Donnerstag bekanntgegeben, dass sie als Reaktion auf die Wirtschaftskrise ihr Werpapierkaufprogramm PEPP um 600 Milliarden Euro ausweitet. Von Bloomberg befragte Ökonomen hatten mehrheitlich nur mit 500 Milliarden gerechnet. Die Laufzeit des nun 1,35 Billionen Euro schweren Programms wurde bis mindestens Juni 2021 verlängert.

Zuvor hatten sich CDU/CSU und SPD am späten Mittwochabend nach zweitägigen zähen Verhandlungen darauf geeinigt, 130 Milliarden Euro lockerzumachen, um die deutsche Wirtschaft aus der Corona-Depression zu holen. Auch dieses Paket ist deutlich größter als erwartet. Herzstück ist eine Mehrwertsteuersenkung - die umstrittene Kaufprämie für Autos wird dagegen nicht kommen.

“Das ist schon ein ziemliches wirtschaftspolitisches Feuerwerk, gestern Abend die deutsche Regierung mit einem riesigen fiskalpolitischen Konjunkturpaket, und jetzt die EZB”, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt für den Euroraum bei ING, auf Bloomberg TV. “Das ist gewaltig.”

“Wir müssen aus der größten Wirtschaftskrise unseres Landes einen Aufschwung herbeiführen, der Deutschland stärker macht als zuvor”, sagte Bundeswirtschaftsmininster Peter Altmaier auf einer Pressekonferenz. Er erwartet, dass die Volkswirtschaft im nächsten Halbjahr zu Wachstum zurückkehren wird. Indes geht er weiterhin von einer Kontraktion von 6,3% in diesem Jahr aus, und die Erholung könnte über zwei Jahre dauern - erst in der zweiten Hälfte 2022 dürfte das Vorkrisenniveau wieder erreicht sein, so Altmaier.

Nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Donnerstagmorgen wurden in den zurückliegenden 24 Stunden in Deutschland 242 Neuinfektionen mit dem neuartigen Coronavirus gemeldet. Damit fiel der Wert gegenüber dem Vortag, als 285 Infektionen angegeben wurden. Er liegt seit zwei Wochen unterhalb von Tausend und deutlich unter den Zahlen zum Höhepunkt der Pandemie Ende März, als an manchen Tagen knapp 7.000 Fälle registriert wurden.

Seit Beginn der Pandemie haben sich in Deutschland insgesamt 184.121 Personen mit dem Virus angesteckt. Die Bundesrepublik liegt damit an neunter Stelle weltweit.

Weitere 39 Menschen sind zuletzt im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gestorben - es handelt sich um die höchste Zahl seit dem 29. Mai. Die Gesamtzahl der Todesopfer stieg damit auf 8.602.

Laut Robert Koch Institut am Mittwochabend lag die Reproduktionszahl R0 zuletzt bei 0,71. Das ist der niedrigste Wert seit dem 29. Mai. Der Sieben-Tage-R-Wert, der Schwankungen ausgleicht, wird mit 0,83 angegeben.

Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Ergänzt um EZB, Brzeski, Details zu Altmaier)

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