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Wenig überraschend: BIZ erneuert ihre Kritik an Kryptowährungen

Christopher Klee

Aus der zentralistischen Ecke hagelt es wieder einmal Kritik an Kryptowährungen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sieht das Hauptproblem in der fehlenden Skalierbarkeit des digitalen Geldes.

Hyun Song Shin, Head of Research der BIZ, hat in einem Interview mit finews.ch die Kritik der Organisation an Kryptowährungen erneuert. Es fehle diesen „an Eigenschaften, die herkömmliches Geld auszeichnen und es so populär machen“. Welche Eigenschaften er damit genau meint, lässt er offen. Stattdessen stellt er die Rolle der Miner als integralen Bestandteil der Krypto-Ökonomie infrage und vergleicht sie mit herkömmlichen Buchhaltern:

„Wie Buchhalter müssen die Mineure [sic] jeden Bezahlvorgang, bei dem Kryptowährungen eingesetzt werden, elektronisch protokollieren. Das bereitet Aufwand und verursacht Kosten. Deshalb ist die Nutzung von Kryptowährungen mit Gebühren verbunden.“

Shin führt als Beispiel für hohe Transaktionsgebühren den Dezember vergangenen Jahres an, den Monat also, in dem der Bitcoin-Kurs seinen bisherigen Höchststand erreicht hatte.

„Wenn sie zum Beispiel eine Tasse Kaffee mit Bitcoin bezahlen wollten, mussten Sie dafür 57 US-Dollar Gebühr bezahlen.“

Die Miner würden dabei ein „gutes Geschäft“ machen und seien daran interessiert, „Staus zu produzieren“. Shin hat natürlich recht, wenn er die Skalierungsprobleme des Bitcoin-Ökosystems anspricht. Leider verlieren weder er noch sein Interviewer ein Wort darüber, dass bereits mehrere vielversprechende Lösungsansätze für das Problem der Skalierbarkeit existieren. Das prominenteste Beispiel für einen solchen Lösungsvorschlag bildet bei Bitcoin das Lightning Network.

Kaufkraft entsteht durch Vertrauen – nur in was?

Neben der fehlenden Skalierbarkeit sei es auch ein Mangel an Vertrauenswürdigkeit, der Kryptowährungen gegenüber „Normalgeld“ ins Hintertreffen geraten lässt.

„Man kann sich nicht sicher sein, ob man mit einer teuer erkauften Kryptowährung später auch etwas erwerben kann. […] Wenn sie dagegen über eine Zehn-Franken-Note verfügen, können sie davon ausgehen, dass sie für dieses traditionelle Geld auch etwas im Laden erhalten.“

Der letzte Satz ist nur gültig, wenn man von Regionen mit stabiler Währung spricht. Wer in einer von Hyperinflation heimgesuchten Ökonomie wie aktuell Venezuela (über-)lebt, kann sich eben nicht sicher sein, dass mit seiner Währung kein Schindluder betrieben wird.

Shin argumentiert, dass Vertrauen in klassische Währungen sei durch die Zentralbanken gerechtfertigt:

„Hinter den traditionellen Währungen stehen Zentralbanken, die fest in die jeweiligen politischen Systeme eingebunden sind und unter öffentlicher Kontrolle stehen. Das schafft Vertrauen. Ohne das Vertrauen der Bürger in die Kaufkraft von Geld ist Geld nichts wert.“

Was Shin hier als Vorteil des Fiat-Geldes anführt, lässt sich auch als eine seiner Schwächen interpretieren. Denn seine Aussage bedeutet im Umkehrschluss, dass bei einer Erschütterung dieses Vertrauens in diese Institutionen auch das Vertrauen in die Währung sinkt. Kryptowährungen indes haben den Vorteil, dass man keiner zentralen Instanz sein Vertrauen schenken muss, sondern einem Netzwerk und letztendlich der Kryptographie.

Eine wirkliche Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems sieht der BIZ-Berater in Bitcoin & Co. jedoch nicht. Dafür sei das Volumen der Kryptowährungen noch zu gering. Auch ein Verbot sei der falsche Weg, weil die Krypto-Ökonomie dann gänzlich „in eine Schattenwelt“ abtauchen würde, wo sie dann nicht mehr regulierbar sei.

Shin wiederholt die Forderung der BIZ vom Juni, indem er dafür plädiert, Kryptowährungen wie andere Anlageformen zu regulieren.

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Source: BTC-ECHO

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