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„Ich war 31 Jahre im Vollrausch. Jetzt ist kalter Entzug“: So lebt der Millionär Ernst Prost nach seinem Rückzug als Liqui-Moly-Chef

Als Manager trug er Anzüge, heute Trachten: Ernst Prost genießt sein neues Leben in der Abgeschiedenheit. - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider
Als Manager trug er Anzüge, heute Trachten: Ernst Prost genießt sein neues Leben in der Abgeschiedenheit. - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider

Ernst Prost kann sich noch genau daran erinnern, was er als Erstes tat, nachdem er sein Unternehmen verkauft hatte – nach 30 Jahren an der Spitze:

"Ich bin nach München gefahren und bin im Englischen Garten zum Chinesischen Turm gegangen und habe mir ein Bier gekauft. Ich war mein ganzes Leben noch nie dort. Alle haben nur erzählt, wie wunderschön es ist. Aber meine Arbeit ging vor. Dann saß ich da mit meinem Weißbier und war glücklich."

Vorher-Nachher-Foto: So hat sich Ernst Prost optisch verändert. Lächeln tut er immer.  - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider / picture alliance / dpa | Stefan Puchner
Vorher-Nachher-Foto: So hat sich Ernst Prost optisch verändert. Lächeln tut er immer. - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider / picture alliance / dpa | Stefan Puchner

Prost – sein Vermögen wird auf 400 Millionen Euro geschätzt – ist eine der bekanntesten Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands. Der 66-Jährige war einst der frühere Geschäftsführer und Inhaber vom Schmieröl-Unternehmen Liqui Moly.

Die Firma ist bekannt für ihre Palette von Motorölen für Autos, Motorräder und Boote. 2018 verkaufte Prost das Unternehmen an die Firma des Schrauben-Miliardärs Reinhold Würth. Mit 65 ging Prost in den Ruhestand, zog sich ins Privatleben zurück und sagte der Businesswelt: tschüss!

Das neue Leben des Ernst Prost

Heute lebt Prost allein auf einem ehemaligen Berghof, den er zu einer traumhaften Villa umgebaut hat. Er fährt Motorrad, beobachtet Kühe, trinkt gerne das ein oder andere Maß Bier – genießt seinen Ruhestand in vollen Zügen. Auch seine Optik hat sich verändert: Statt Anzügen und Krawatten trägt er jetzt Trachten und Bart.

In seinem Wohnzimmer macht es "brumm, brumm". - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider
In seinem Wohnzimmer macht es "brumm, brumm". - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider

Auch, wenn er seine Freizeit heute genieße, er habe "unheimlich gern" gearbeitet. Arbeit war sein Leben, seine Leidenschaft, wie er erzählt. "Arbeit war mein Ein und Alles. Sie war mein Hobby, meine Obsession. Es waren 31 Jahre im Vollrausch", sagt Prost. "Jetzt ist kalter Entzug."

Sein Terminkalender war damals "proppenvoll". Zum Vergleich: Unser Interview ist einer seiner wenigen Termine im ganzen Monat. Damals habe ihn seine Sekretärin "durchgetaktet". "Ich habe von morgens um sieben bis abends um sieben Termine gehabt. Danach habe ich erst gearbeitet", erinnert er sich. 16 Stunden pro Tag waren der Schnitt.

"Doch wenn ich sagte, ich gehe zur Arbeit, dann war es, als wenn ich in die Disco gehe", so der ehemalige Firmenchef. "Ich hatte tolle Kolleginnen und Kollegen um mich herum, tolle Kumpels und da haben wir uns zusammen 30 Jahre lang den Arsch aufgerissen, die Konkurrenz niedergebuddelt, die Kunden glücklich gemacht."

Als Chef würden immer alle an einem "zerren"

Jeden Tag habe er sich überlegt: Was könne man anstellen? Wie die Konkurrenz besiegen, die "Burschen auf Abstand, vom Leibe halten", wie Prost sagt. "Und wie kann ich meine Kunden an mich binden und noch attraktiver werden, so dass die Wahl der Kunden nicht auf den Konkurrenten fällt, sondern auf uns?" Das sei der Job gewesen, "unheimlich spannend, unheimlich lustig".

Aber: "Diese Fremdbestimmtheit, die ging mir dann nach ein paar Jahren doch gewaltig gegen den Strich, gewaltig auf den Sack, wenn man das so sagen darf". Kunden, Lieferanten, die eigene Mannschaft, Betriebsrat, Gewerkschaften und dann noch Behörden ohne Ende. "Ich hatte immer das Gefühl, dass alle an einem zerren."

Frei ist der, der auch mal krank sein darf

Deshalb habe er irgendwann die Entscheidung getroffen: "Ich steig' aus! Ich wollte wieder mein eigener Herr sein. Klingt vielleicht komisch, wenn man das sagt, weil man ja Chef war." Doch als Chef sei man noch viel weniger sein eigener Herr als ein Angestellter, meint Prost. "Wenn ich krank war, bin ich trotzdem marschiert, auch an Feiertagen, auch an Weihnachten."

Ernst Prost mit Business Insider-Reporter Leo Ginsburg.  - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider
Ernst Prost mit Business Insider-Reporter Leo Ginsburg. - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider

Laut Prost ist derjenige frei, der sagen kann: "Ich bin krank, ich bleibe heute zuhause oder ich fahre in den Urlaub und bin nicht erreichbar. Dies haben die wenigsten leitenden Angestellten in dieser Form, diese Freiheit, und ich noch viel weniger in der Zeit als Unternehmer."

Das "berüchtigte schwarze Loch"

Doch das Arbeiten sei ein "Spaziergang" im Vergleich zu dem gewesen, was er dann unternommen habe: loslassen. "Die Firma, die mein Leben war, die Leute, die meine Freunde waren, hinter mir zu lassen. Das war, meine ich heute, die noch größere Leistung, als ein Unternehmen aufzubauen, verwalten oder zur Blüte bringen."

In den vergangenen zweieinhalb Jahren als Rentner, habe er manchmal gedacht, dass er einen Fehler gemacht habe. Vor allem, wenn "die Leere" in einem spürbar sei. Vor seinem Ruhestand habe er sich bereits überlegt, was er machen soll, um nicht in dieses "berüchtigte, berühmte schwarze Loch" zu fallen, wie er sagt.

Ein Mann, ein Haus: Ernst Prost vor seinem Berghof in Reit im Winkl. - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider
Ein Mann, ein Haus: Ernst Prost vor seinem Berghof in Reit im Winkl. - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider

Deswegen habe er sich in Reit im Winkl, einem traumhaften Örtchen in Bayern, einen ehemaligen Berghof gekauft. "Den haben wir dann fertig gebaut und da hatte ich Aufgabe, Arbeit und Beschäftigung." Raus aus der Businesswelt und rein in die Alpen.

Pfandflaschen, Bettwäsche und andere Abenteuer

An das neue Leben musste er sich aber erstmal gewöhnen. "Ich habe nur einen roten Schädel gehabt und war am Machen und am Tun und der ganze andere Schmarrn hat mich nicht interessiert. Darum bin ich heute also bisschen dumm deppert in einfachen Dingen des Lebens."

Jetzt erlebt Ernst Prost Alltagsabenteuer der besonderen Art: vom Waschen der Bettwäsche (als wir ihn besucht haben, lief die Waschmaschine) bis zum Kampf mit dem Pfandflaschenautomaten. Selbst die Tücken eines Einkaufswagenpfands wurden zu einer komödiantischen Episode in seinem neuen Leben. "Eine Frau kam daher, noch älter als ich, und sagte: ‚Ja, junger Mann, du musst einen Euro reinwerfen, sonst wird das nie was.‘ Aha, Lösegeld für den Einkaufswagen", erzählt Prost.

In seinem tief-bayerischen Paradies lebt er nun, als Mitglied im Trachtenverein, umgeben von Kühen und seinem ganz neuen Rhythmus: "Ich mache jetzt auch Intervallfasten. Das ist bei mir so: zwölf Stunden Bierzelt, acht Stunden schlafen und vier Stunden irgendwas. Herrlich! Ganz herrlich. Wäre nie gegangen, wenn ich in der Arbeit geblieben wäre." Na dann Prost, Herr Prost!