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Würth erzielt Umsatzrekord, aber der Betriebsgewinn bricht ein

Vor allem dank guter Geschäfte im Ausland hat der Schraubenhändler die Umsatz-Marke von 14 Milliarden Euro geknackt. Doch die Profitabilität gerät unter Druck.

Der Familienkonzern, bei dem 34.000 der insgesamt 78.000 Beschäftigten im Außendienst arbeiten, verkauft immer mehr seiner Waren über das Internet. Foto: dpa

Das Geschäft des Spezialisten für Montage- und Befestigungsmaterial Würth wächst und zeigt sich gegenüber der Konjunktureintrübung robust. Doch die Profitabilität gerät unter Druck. Das Betriebsergebnis des Konzerns brach um 13,8 Prozent auf rund 750 Millionen Euro ein.

Würth-Chef Robert Friedmann nennt als Grund die steigenden Einkaufspreise, „die nicht durchgängig an die Kunden am Markt weitergegeben werden konnten.“ Zusätzlich habe die Würth-Gruppe stark investiert. Insgesamt sei die Entwicklung unterschiedlich: Während baunahe Bereiche sehr gut liefen, spürt Würth die Probleme der Kunden aus der Autoindustrie.

Die im baden-württembergischen Künzelsau ansässige Würth-Gruppe legte beim Umsatz vorläufigen Zahlen zufolge im vergangenen Jahr um 4,8 Prozent auf einen neuen Bestwert von 14,27 Milliarden Euro zu, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Schwächer fiel das Wachstum in Deutschland mit 2,1 Prozent aus.

Außerhalb Deutschlands steigerte der Konzern den Umsatz um 6,8 Prozent. Besonders gut lief es in Südeuropa: Der Elektrogroßhandel konnte sogar zweistellig wachsen – auch beeinflusst durch den 2019 getätigten Zukauf des spanischen Elektrogroßhändlers Grupo Electro Stocks.

Der Familienkonzern, bei dem 34.000 der insgesamt 78.000 Beschäftigten im Außendienst arbeiten, verkauft immer mehr seiner Waren über das Internet. Der E-Commerce-Umsatz wuchs nach Unternehmensangaben überproportional um zehn Prozent und erreichte 2019 mit rund 2,6 Milliarden Euro einen Anteil von 18,3 Prozent am Konzernumsatz.

Für dieses Jahr rechnet Würth-Chef Friedmann „mit einem mittleren einstelligen Wachstum im Umsatz und mit einem proportional steigenden Betriebsergebnis“. Das erste Quartal werde noch schwierig, aber im Verlauf des Jahres würden Kostensenkungen ihre Wirkung zeigen.

In den Problembereichen hat Friedmann einen Einstellungsstopp verhängt. Rund 500 Beschäftigte würden derzeit in Kurzarbeit sein. Entlassungen seien bei Würth aber keine geplant. „Wir haben nicht den Eindruck, dass die Gesamtlage schlechter wird“, betonte Friedmann.

Das Unternehmen gehört dem Schraubenmilliardär Reinhold Würth. Der Patriarch, der seit Jahren nicht mehr operativ führt, aber als Aufsichtsratsvorsitzender der Eigentümerstiftung immer noch das letzte Wort im Unternehmen hat, wird in diesem Jahr 85 Jahre alt. Die Adolf Würth GmbH & Co. KG feiert zudem 75-jähriges Firmenjubiläum.