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VW-Sitzhersteller Sitech schließt Werk mit 450 Jobs in Hannover

Ausnahme im großen VW-Konzern: Sitzetochter Sitech schließt ihr Werk in Hannover. 450 Jobs sollen nun „sozialverträglich“ abgebaut werden, hieß es.

Werksschließungen in der deutschen Automobilindustrie sind eine seltene Ausnahme. Meistens einigen sich Unternehmen und die mächtige IG Metall am Ende doch auf einen Kompromiss, der auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten irgendwie eine Weiterbeschäftigung möglich macht. Das gilt erst recht für den Wolfsburger Volkswagen-Konzern, wo Betriebsrat und Gewerkschaft noch etwas mehr Einfluss als in den meisten anderen Unternehmen besitzen.

Doch ausgerechnet im VW-Konzern kommt es jetzt zu einer Werksschließung. „Dass bei Volkswagen die Aufgabe einer Fabrik möglich ist, besitzt durchaus eine gewisse Signalwirkung“, sagte am Mittwoch ein Konzerninsider. Auch wenn es nur eine vergleichsweise kleine Fabrik eines konzerneigenen Zulieferers sei.

In Hannover muss die Autositzfabrik der Sitech Sitztechnik GmbH schließen, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Wolfsburger Autoherstellers. Rund 450 Arbeitsplätze gehen dadurch verloren, die nach Angaben des Unternehmens sozialverträglich abgebaut werden sollen. Die Sitech-Fabrik hat bislang die ebenfalls in Hannover ansässige Tochtermarke VW Nutzfahrzeuge mit Sitzen beliefert.

Sitech hat noch vier weitere Fabriken in Deutschland (Emden, Wolfsburg), in Polen und in China. Insgesamt kommt die Sitzetochter des VW-Konzerns auf etwa 5400 Beschäftigte weltweit und einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro. Sitech ist eng mit dem Konzern verbunden und beliefert in der Regel Fabriken von Volkswagen.

Der Schließung der Sitech-Fabrik in Hannover ist ein monatelanger Streit zwischen lokalem Betriebsrat und der Unternehmensführung vorausgegangen. Sitech Hannover hat zwei wichtige Aufträge für künftig von VW Nutzfahrzeuge produzierte Modelle verloren.

Der Auftrag zur Sitzefertigung für die nächste Transportergeneration T7 von Volkswagen ist an den französischen Zulieferkonzern Faurecia gegangen. Dasselbe Resultat hat es bei der Ausschreibung der Sitze für den ersten rein elektrischen Bus von Volkswagen unter dem Modellnamen „ID.Buzz“ gegeben: Auch dieses Fahrzeug wird zum Produktionsstart in zwei bis drei Jahren seine Sitze von Faurecia bekommen.

VW-eigene Zulieferunternehmen müssen sich an solchen Ausschreibungen beteiligen – und können am Ende auch Aufträge verlieren. Sitech habe keine konkurrenzfähigen Angebote abgegeben, hieß es dazu aus Unternehmenskreisen.

In der Fabrik Hannover sei es in den letzten Jahren nicht gelungen, wettbewerbsfähig zu produzieren, sagte ein Sitech-Sprecher zur Schließung des Werkes. Trotz gemeinsamer Anstrengungen des Unternehmens, der IG Metall und des Sitech-Gesamtbetriebsrates fehle nach monatelangen Verhandlungen eine Einigung aller Beteiligten, das Werk in Hannover „wieder wirtschaftlich aufzustellen“.

Ohne die erwarteten Bestellungen für die beiden neuen Modelle ist nach Sitech-Angaben nun auch die Fertigung der Sitze für den aktuellen VW-Transporter T6 unrentabel geworden. Mit den Vorbereitungsarbeiten für die Sitze von T7 und „ID.Buzz“ hätte das Werk deutlich besser ausgelastet werden können.

„Der lokale Betriebsrat hat bis zum Schluss diese harten wirtschaftlichen Fakten nicht anerkannt“, ergänzte der Sprecher. Dringend erforderliche Schritte zur Steigerung der Produktivität, die es in anderen Bereichen des VW-Konzerns durchaus gebe, hätten bei Sitech in Hannover nicht durchgesetzt werden können.