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Vorwerk Ventures wettet auf Berliner Telemedizin-Startup — diese Idee steckt dahinter

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Nicolai Nieder (v.l.), Dorian Koch und Benjamin Gutermann haben für ihr Startup Medkitdoc frisches Geld von großen VC-Unternehmen eingesammelt.
Nicolai Nieder (v.l.), Dorian Koch und Benjamin Gutermann haben für ihr Startup Medkitdoc frisches Geld von großen VC-Unternehmen eingesammelt.

Ist das nächste Unicorn bereits auf dem Weg? Mit millionenschweren Investments, zum Beispiel in den Kochboxen-Versender Hellofresh und in den Getränke-Lieferdienst Flaschenpost, hat das Risikokapitalunternehmen Vorwerk Ventures schon mehrfach einen guten Riecher für künftige Börsen-Unternehmen bewiesen. Nun führt der unabhängige Venture-Fonds eine Seed-Finanzierungsrunde für ein digitales Medizin-Startup aus Berlin an: Rund sieben Millionen Euro hat die 2020 gegründete Telemedizin-Firma Medkitdoc eingesammelt. Neben Vorwerk beteiligen sich auch Acton Capital, Picus Capital und prominente Investoren aus der Startup-Szene wie die Flixbus-Gründer Daniel Krauss und Jochen Engert.

Das Startup Medkitdoc bietet chronisch erkrankten Patienten eine Plattform, auf der sie sich von Fachärzten in einer Videosprechstunde beraten lassen können. Behandlungen können so ortsunabhängig durchgeführt werden, ohne dass Ärzte zeitaufwändige Hausbesuche unternehmen müssen oder Patienten Notaufnahmen in Anspruch nehmen müssen. Medkitdoc stellt dabei nicht nur die Software in Form einer App bereit, sondern auch medizinisches Equipment wie ein digitales Blutdruckmessgerät und Stethoskop.

Diagnose-App soll für mehr Effizienz sorgen

Die Idee ist, dass Patienten in Pflegeheimen unkompliziert geholfen wird, indem das Pflegepersonal Untersuchungen wie das Abhören der Brust und das Messen des Blutdrucks unter Anleitung des Arztes eigenständig durchführt. Die Diagnostikgeräte verbinden sich dann per Bluetooth mit der App auf dem Smartphone oder Tablet des Patienten. Über die App werden die Daten dann an den Facharzt übermittelt, der sich die Atemgeräusche mit Kopfhörern anhören kann. „Gerade bei pflegebedürftigen Menschen kommt es häufig vor, dass sie bei Beschwerden stationär aufgenommen werden, obwohl dies vermeidbar wäre“, erklärt Gründer Dorian Koch Gründerszene. "Das ist in erster Linie für die Patienten schlimm, die nicht ins Krankenhaus wollen, andererseits verlieren Pflegeeinrichtungen Geld durch ausbleibende Tagespauschalen."

Mit über 50 Pflegeeinrichtungen arbeitet das Startup zusammen, die das Medkit-Paket, bestehend aus Software und digitalen Diagnostikgeräten, gegen eine monatliche Gebühr einsetzen können. Abhängig von der Art der Einrichtung – ob Normal- oder Intensivpflege – und Anzahl der Bewohner berechnet das Startup zwischen 750 und 1500 Euro. Künftig sei geplant, den Kundenkreis auch auf Krankenkassen auszudehnen – Gespräche liefen bereits. Zwar können telemedizinische Dienstleistungen bislang nicht ins Verzeichnis digitaler Gesundheitsanwendungen, kurz DiGAs, aufgenommen werden. Dass Medkitdoc einmal eine App auf Rezept wird, ist aber noch nicht vom Tisch. „Wir hoffen darauf, dass unsere App künftig eine DiPA werden kann“, so Koch. Derzeit feilt die neue Bundesregierung das Konzept digitaler Pflegeanwendungen noch aus.

Geld fließt in Software und neues Personal

Mit der Finanzspritze will das Gründer-Trio um Allgemeinmediziner Benjamin Gutermann, Wirtschaftsinformatiker Dorian Koch sowie Marketing-Experte Nicolai Nieder ihre Technologie weiter ausbauen. Außerdem soll das bislang 20-köpfige Team mit neuen Mitarbeitern verstärkt werden. „Wir wollen ein umfassendes Remote-Care Angebot für chronisch Kranke aufbauen und mit einem überregionalen Netzwerk aus Ärzten eine 24/7-Abdeckung ermöglichen", betont Koch.

Kapitalgeber Vorwerk erhofft sich mit seinem Investment, im rasant wachsenden Digital Health Markt Fuß zu fassen. So hat sich die Nachfrage nach digitalen Gesundheitsanwendungen durch die Pandemie verstärkt: Nach Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) haben Patienten im ersten Halbjahr 2020 rund 1,4 Millionen Videosprechstunden genutzt – ein Vielfaches mehr als noch im Vorjahr. „Die Gesundheitsbranche befindet sich noch immer in den Kinderschuhen der digitalen Transformation,“ erklärt Principal Sascha Günther. „Medkitdoc wird die Art und Weise, wie chronisch kranke Menschen künftig medizinische Versorgung erhalten, maßgeblich verändern.“ Prognosen von Roland Berger zufolge soll der weltweite Umsatz digitaler Medizin-Unternehmen bis zum Jahr 2026 eine Billion Euro betragen, in Deutschland wird ein Marktvolumen von 59 Milliarden Euro erwartet.

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