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Virtueller Banker-Arbeitsplatz könnte nach Virus Bestand haben

Cathy Chan und Katia Porzecanski

(Bloomberg) -- Der virtuelle Finanzsektor könnte auch nach dem Coronavirus Bestand haben. Auf der ganzen Welt gibt es Anzeichen dafür, dass einige der Notfallmaßnahmen, die die Wall Street inmitten der Pandemie zur Sicherheit der Mitarbeiter eingeführt hat, zur dauerhaften Praxis werden könnten.

In Hongkong haben Banker gelernt, Aktienplatzierungen per Video-Chat an Land zu ziehen, und Morgan Stanley veranstaltet eine virtuelle Konferenz für mehr als tausend Teilnehmer. Beim Schweizer Bankriesen UBS Group AG haben Führungskräfte im Wealth Management erkannt, dass Reisen für Kundenbesuche doch nicht so wichtig sind wie angenommen. In Kalifornien zeigte sich ein Investor angenehm überrascht, wie viel schneller er aus der Ferne mit den von ihm genutzten Hedgefonds kommunizieren könne.

Die Entwicklung könnte zudem berufstätige Eltern ermutigen, die bisher Probleme hatten, ihre Vorgesetzten vom Home Office zu überzeugen. Ähnliches gilt für viele junge Banker, die gerne Dinge digital erledigen. Die Erfahrung mit Video-Chats und ähnlichen Technologien nimmt in der zu.

“Der Ausbruch hat eine Dringlichkeit geschaffen, neue Ideen auszuprobieren”, sagte Mehdee Reza von Morgan Stanley in Asien. Er ist zuständig für den in der nächsten Woche in Hongkong stattfindenden jährlichen Investorengipfel der Bank. Nachdem die Veranstaltung ins Internet verlagert wurde, stiegen die Anmeldungen gegenüber dem Vorjahr um 50%, und die Anzahl der teilnehmenden Unternehmen lag viermal über den ursprünglichen Schätzungen. Die in New York ansässige Bank hat andere Veranstaltungen, die sich auf europäische und indische Finanzunternehmen konzentrieren, nun ebenfalls online geschaltet.

Die Reisekosten der UBS für Asien sind im Februar angesichts des Virusausbruchs um 90% gesunken, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person berichtete. Jetzt diskutieren Führungskräfte aus der Region, ob für die Region zuständige Banker ein langfristiger Übergang zu Treffen aus der Ferne machbar ist.

In mindestens fünf Treffen mit Firmenkunden haben die Dealmaker der Bank kürzlich über Skype und Zoom Mandate für Aktienplatzierungen im Wert von rund 2 Milliarden Dollar an Land gezogen, wie zu hören war. Banker von Citigroup Inc. hätten sich in diesem Jahr per Videokonferenz für fünf bis zehn Transaktionen pro Woche beworben, bei denen es um Fusionen und Übernahmen sowie um die Emission von Aktien und Schuldverschreibungen ging, berichtet Jan Metzger, Leiter Bankwesen, Kapitalmärkte und Beratung im asiatisch-pazifischen Raum.

„Mit der heutigen Technologie können Sie schneller als je zuvor mit einem Kunden interagieren. Dies könnte ein Modell für die Zukunft sein, selbst wenn diese Situation gelöst ist“, sagte Metzger.

Auch in der UBS-Zentrale in Zürich erwägen die Verantwortlichen im Wealth Management, eine ganze Reihe von ihnen unternommenen Reisen abzuschaffen, wie eine mit den Überlegungen vertraute Person berichtete. Wenn es gewünscht werde oder nötig sei, seien Führungskräfte indeesen weiterhin bereit, zu persönlichen Treffen zu Kunden zu fliegen.

Vieles geht in dessen auch aus der Ferne. Manulife Financial Corp. organisierte ein virtuelle Mitarbeiterversammlung für 800 Beschäftigte in Hongkong und teilte ihre Erfahrungen mit ihren Büros in den USA und Kanada. Der Chefökonom von Vanguard Group Inc.’s für den asiatisch-pazifischen Raum hat Webcasts für Kunden durchgeführt, in denen er die Aussichten für die Wirtschaft und die Märkte erörtert.

Selbst Einstellungsverfahren, wo es wichtig ist, den anderen persönlich zu erleben, seien vorübergehend in den virtuellen Bereich abgewandert, berichtet Ilana Weinstein, Gründerin und Geschäftsführerin des Wall-Street-Headhunter IDW Group, die einige der weltweit größten Hedgefonds als Kunden zählt.

“Da dies effizient ist, könnte es häufiger verwendet werden”, sagt sie. Dennoch: „Es gibt nichts Besseres als jemanden persönlich zu treffen, wenn man diese Person von einem Wechsel überzeugen möchte. “

In welchem Ausmaß das virtuelle Dealmaking sich durchsetzt, hängt Bankern zufolge von den Wünschen der Kunden ab. Derzeit zeigt die Branche jedoch eine ungewöhnliche Offenheit, neue Wege zu beschreiten.

“Es wird eine Veränderung geben, das steht außer Frage”, sagte Gokul Laroia, Co-Chief Executive Officer für den asiatisch-pazifischen Raum bei Morgan Stanley und Co-Leiter für globale Aktien, in einem Bloomberg-Interview. „Ich weiß nicht, ob wir vollständig dahin zurückkehren werden, wo wir waren. Ich denke, wir werden irgendwo in der Mitte landen. “

Überschrift des Artikels im Original:Wall Street’s New Virtual Workplace May Outlast the Virus (2)

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