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Virtuelle Würstchen und Geistertickets sollen den Amateurfußball retten

Der Profifußball darf wieder starten, doch Klubs der unteren Ligen fehlt noch jede Perspektive. Die Plattform Geisterspieltickets.de sammelt jetzt Spenden.

Ende März setzten sich die Verantwortlichen des TC Freisenbruch zu einer Krisensitzung zusammen. Der Spielbetrieb des Fußball-Kreisligisten aus Essen musste wegen der Coronakrise eingestellt werden. Das bedeutet, dass Zuschauereinnahmen und Sponsorenbeiträge wegfallen, viele Kosten jedoch weiterlaufen.

Schnell kam die Idee, virtuelle Tickets für die ausgefallenen Spiele zu verkaufen, um so wenigstens einen Teil der ausgefallenen Einnahmen zu kompensieren. Größere Vereine wie Kickers Offenbach und Lok Leipzig hatten das schon erfolgreich vorgemacht.

Das Glück des Vereins: Der Medienbeauftragte des TC Freisenbruch, Peter Wingen, programmiert im Hauptberuf Websites. Innerhalb weniger Tage hat er so eine Plattform aufgesetzt, über die die Fans und Mitglieder ihren Verein unterstützen können.

Doch die Freisenbrucher wollten nicht alleine von der Idee profitieren. Über die Plattform Geisterspieltickets.de bieten sie allen anderen Vereinen ebenfalls die Möglichkeit, über virtuelle Tickets Spenden zu sammeln.

Die Resonanz ist riesig: Mittlerweile haben sich knapp 1200 Vereine angemeldet, darunter nicht nur Fußballklubs. Selbst Schützenvereine verkaufen darüber Karten für ausgefallene Feiern. Nach nur einen Monat summieren sich die Gesamteinnahmen schon auf mehr als 200.000 Euro.

Die Initiatoren sind völlig überwältigt von ihrem Erfolg. „Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet“, sagt Peter Wingen, „wir hatten gedacht, wenn 10.000 Euro zusammenkommen, ist das schon toll“. Er freue sich sehr, dass sie so vielen Vereinen in der schweren Zeit helfen können.

Das Spendenaufkommen steigt minütlich

Für viele Amateurvereine ist diese Unterstützung überlebenswichtig. Denn während die Bundesliga jetzt von den Regierungen die Erlaubnis bekommen hat, ab Mitte Mai den Spielbetrieb fortsetzen zu können, fehlt den unteren Spielklassen jede Perspektive, wann sie wieder mit Einnahmen aus dem Spielbetrieb rechnen können. Auch wenn NRW ab Ende Mai vorprescht, gilt in den anderen Bundesländern: „Fußball mit Zweikämpfen wird es auf Amateurplätzen im Juni und Juli wohl nicht geben“, erklärte bereits Ronny Zimmermann, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Chef des badischen Fußballverbands.

Um so wichtiger sind für die Vereine Plattformen wie Geisterspieltickets.de. Große Aufmerksamkeit brachte der Aktion, dass die Verantwortlichen früh den Kontakt zur Sportzeitschrift „Reviersport“ knüpften, die breit darüber berichtete.

Auch brachten viele Lokalzeitungen Artikel über die Aktivitäten ihrer Sportvereine vor Ort, was dann wieder neue Interessenten anlockte. Auch über soziale Netzwerke wie Facebook verbreiteten die Vereine die Idee. Der Deutsche Fußball-Bund unterstützt die Aktion ebenfalls und berichtete darüber auf seiner Homepage.

Was viele Fans witzig finden: Sie können nicht nur virtuelle Tickets kaufen, sondern auch Stadionwürste, Getränke oder gleich einen ganzen Kasten Bier fürs Team. Das soll zumindest ein bisschen die fehlende Atmosphäre der Heimspielsonntage nach Hause bringen. Jeder Verein entscheidet dabei selbst, was er virtuell verkaufen will – und wie hoch die Preise sind.

Das Spendenaufkommen steigt minütlich: Bis zum 6. Mai wurden rund 15.800 Eintrittskarten verkauft, 11.500 Würstchen, 15.700 Bierchen, 3600 Bierkisten und 2700 Limonaden. Mittlerweile liegt das Gesamtaufkommen schon bei 216.000 Euro.

Der TC Freisenbruch will die Plattform betreiben, solange der Bedarf da ist. Für die Vereine ist die Teilnahme kostenlos, sie müssen nur 20 Prozent der Einnahmen abgeben für die Finanzierung der Paypal-Gebühren und den Betrieb der Plattform.

Sollten die einbehaltenen Betriebskosten die tatsächlichen Kosten übersteigen, wollen die Initiatoren mindestens 50 Prozent der Summe an die Stiftung #WeKickCorona spenden, die von den Bundesligaprofis Leon Goretzka und Joshua Kimmich gegründet wurde.