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Das Vermögen der Zukunft

·Lesedauer: 4 Min.

Die Inflation nagt an der Substanz der Sparvermögen vieler Anleger. Auch technologische und gesellschaftliche Umbrüche werden erhebliche Auswirkungen auf Realwirtschaft und Kapitalanlage haben. Ist der Wohlstand bedroht?

Wir erleben derzeit außergewöhnlich viele gleichzeitig stattfindende Zeitenwenden. Digitalisierung, Klimawandel und demografische Entwicklungen schieben fundamentale Veränderungen an. Die Coronakrise beschleunigt viele dieser Entwicklungen. Langsame, normalerweise Jahre andauernde Adjustierungen finden im Zeitraffer statt. Beispiele gefällig? Die Nutzung digitaler Kommunikationsmittel hat im Geschäftsleben seit Anfang des Jahres 2020 einen unerwarteten Schub erlebt. Im Gegenzug ist die Nachfrage nach geschäftlichen Reisen und Hotelunterbringungen eingebrochen. Ebenso ändern (geo-)politische Entwicklungen die Voraussetzungen für unternehmerisches Handeln: Man denke etwa an neue Formen des Protektionismus oder den Wettlauf zwischen China und den USA um die wirtschaftliche und technologische Vormachtstellung.

Dies hat Auswirkungen auf die Realwirtschaft in Deutschland und daraus abgeleitet für die Kapitalanlage. Das Geldvermögen der Bundesbürger beläuft sich aktuell auf über 6,6 Billionen Euro. Müssen sich Sparer und Anleger darauf einstellen, dass ihre Assets eine massive und schnelle Entwertung erfahren? Wie ließe sich gegensteuern?

Neue Ansätze

Um nicht der Gefahr eine „Vermögensillusion“ zu erliegen, müssen Anleger neue Fragestellungen bei der Strukturierung ihrer Kapitalanlage berücksichtigen. Was ist damit gemeint? Anleger könnten zu lange von einer anhaltenden oder sich wieder erholenden Werthaltigkeit ihrer Anlagen ausgehen, wenn sie nicht den technologischen Fortschritt sowie sich verändernde gesetzliche Grundlagen und gesellschaftliche Werte, die auf ihre Vermögen wirken, überprüfen. Ein Beispiel wäre der Aktionär, der in Unternehmen investiert ist, deren Geschäftstätigkeit auf der Förderung oder Verwertung fossiler Energierohstoffe basiert. Weitere Beispiele wären diejenigen Anleger, die etwa Anteilsscheine von Fluggesellschaften, Hotels oder gar Betreibern von Kernkraftwerken in Deutschland in ihren Portfolien haben.

Es lohnt sich daher, die Entscheidungsprozesse in der Kapitalanlage entlang einiger Fragestellungen (neu) zu kalibrieren, die die beschriebenen Umbrüche berücksichtigen:

1. Worin besteht mein Vermögen heute?
2. Welches Vermögen ist in der Zukunft produktiv?
3. Werde ich jene Güter und Dienstleistungen erwerben können, die ich konsumieren möchte?

Umwertungen antizipieren

Zukunftsprognosen legen nahe, dass – auf der Ebene ganzer Volkswirtschaften als auch Investoren und Kleinanleger – diejenigen am besten gerüstet sein werden, die mögliche Umwertungen oder gar Entwertungen von Vermögen frühzeitig antizipieren. Wie also sollten sich die privaten Haushalte für die Vermögensbildung ausrichten?

Derzeit deutet vieles darauf hin, dass junge, digitale Plattformanbieter über ihre Netzeffekte weiter wachsen und enorme Kursfantasien erzeugen werden. Doch die heutigen Anbieter neuer Technologien und Plattformen werden nicht zwangsläufig auch in Zukunft zu den erfolgreichsten Unternehmen gehören. Vielmehr ist davon auszugehen, dass vor allem die Einbindung der Digitalisierung in die Produktion und in die Sachbearbeitung zu Kosteneinsparungen und damit Produktivitätsgewinnen führen wird. Die Profiteure der kommenden Digitalisierungsschübe sind damit zunehmend auch die Anwender von 3D-Druck, Automatisierung, Künstlicher Intelligenz oder Robotik.

Zweitens werden Daten zu einer der wichtigsten Ressourcen für die zukünftige digitale Gesellschaft. Je mehr Daten miteinander verknüpft werden, umso größer ist ihr ökonomischer Wert. Tendenziell werden rein industrielle Geschäftsmodelle und sogar physisches Kapital an Wert verlieren, Daten dagegen als Produktionsfaktor hinzugewinnen.

Wie am Beispiel einiger Industriebranchen oben skizziert, bewirkt auch die zunehmende Fokussierung von Gesellschaft und Politik auf Klima- und Nachhaltigkeitsaspekte potenzielle Umwertungen bestehender und die Bildung neuer Vermögen. Dasselbe gilt für die demographische Alterung einer Bevölkerung: Diese verändert das Konsumverhalten, beispielsweise zugunsten von Gesundheitsdienstleistungen.

Nicht zuletzt sollte jeder über den Tellerrand des klassischen Depots hinausschauen und bildungsrelevante Faktoren im Blick haben. In künftig digitalisierten Wissensgesellschaften werden individuelle Fähigkeiten und Erfahrungen, das sogenannte Humankapital, zum wichtigsten persönlichen Vermögensbestandteil. Da sich deren Anforderungen jedoch dynamisch ändern, muss hier laufend investiert werden, etwa durch lebenslanges Lernen.

Ausblick: Anreize zur Vermögensbildung

Auskömmliche Vermögen sichern den gesellschaftlichen Wohlstand und sind Voraussetzung für politische und ökonomische Stabilität. Heute gebildete Vermögen müssen auch in Zukunft unter veränderten Bedingungen produktiv sein. Es zeigt sich bereits heute, dass die Verteilung der Vermögen in Deutschland im internationalen Vergleich eher ungleich ist. Der Gini-Koeffizient, ein Standardmaß zur Messung dieser Ungleichverteilung, liegt mit 0,76 höher als in den meisten anderen Eurostaaten.

Es besteht die Gefahr, dass Menschen zu wenig an den Chancen, die sich aus den beschriebenen Umbrüchen ergeben, partizipieren können und Einkommens- und Vermögensunterschiede sich sogar noch vergrößern. Verbesserte Anreize zur Vermögensbildung, zur Teilhabe an erfolgreichen Unternehmen sowie für jedermann vergleichbare Ausgangsvoraussetzungen und die Möglichkeit zur fortlaufenden beruflichen Qualifizierung (statt fehlgeleiteter Umverteilung, mehr Steuern oder Vermögensabgaben), unterstützt von politischer Seite, wären daher begrüßenswert.

Mehr zum Thema: Technik und Nachhaltigkeit gehören ins Depot.