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CEO Knof will Commerzbank eigenständig halten – und zügig Klarheit für seine Mitarbeiter

Kröner, Andreas
·Lesedauer: 4 Min.

Manfred Knof will beim Konzernumbau auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Die Gewerkschaft Verdi fordert mehr Zeit beim Stellenabbau.

Vorstandschef Manfred Knof will durch Umbau der Commerzbank die Selbstständigkeit des Frankfurter Geldhauses wahren. „Wir haben jetzt die Chance, die Zukunft der Commerzbank selbst zu gestalten und eigenständig zu bleiben“, schrieb Knof in einem Brief an die Mitarbeiter, der dem Handelsblatt vorliegt. „Ich bin mir sicher, wir können das.“

Die Commerzbank wird seit Jahren als potenzielles Übernahmeziel gehandelt. Analysten und Investoren halten einen Verkauf kurzfristig zwar für unwahrscheinlich. Auf mittlere Sicht ist es nach ihrer Einschätzung jedoch eine ernstzunehmende Option.

Beim anstehenden Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen will Knof auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. „Meinen Kollegen im Vorstand und mir ist klar, dass es hier um persönliche Schicksale geht“, schrieb Knof. „Deshalb streben wir faire und – soweit möglich – sozialverträgliche Lösungen an, und wir werden alles dafür tun, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.“

Die Commerzbank musste ihre neue Strategie am Donnerstag nach einer Exklusivmeldung des Handelsblatts eine Woche früher vorlegen als geplant. „Das ist ärgerlich, denn es hat uns gezwungen, mit einer Ad-hoc-Mitteilung Eckdaten unserer Pläne zu veröffentlichen, ohne dass die Strategie bereits verabschiedet ist“, erklärte Knof. Dies soll erst am kommenden Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung geschehen.

Die Pläne sehen vor, die Kosten durch Stellenstreichungen und die Schließung von 350 Filialen um 1,4 Milliarden Euro zu drücken. Bis 2024 will die Bank so eine Eigenkapitalrendite von 6,5 bis sieben Prozent erreichen.

Der Vorstandschef ist jetzt „Euer Manfred“

Die Gewerkschaft Verdi ist wegen des Stellenabbaus, von dem rund 7000 Arbeitsplätze in der Commerzbank AG in Deutschland betroffen sein sollen, alarmiert. „Solch ein massiver Stellenabbau ist in dieser Kürze nicht akzeptabel und eine Gefahr für die Stabilität der Bank“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Stefan Wittmann der Deutschen Presse-Agentur. „Wir halten die in der neuen Strategie vorgesehene Zeitschiene für den Personalabbau bis Ende 2023 für viel zu kurz.“

Inhaltlich könne er die Strategie weitgehend mittragen, „weil sie vom Zielbild richtig ist“, sagte Wittmann, der auch Mitglied im Commerzbank-Aufsichtsrats ist. Das Management müsse beim Umbau der Bank aber sozialverträglich vorgehen. „Jetzt muss es darum gehen, die richtigen Instrumente auszuhandeln, damit Härten für die Belegschaft vermieden werden.“

Knof betonte, dass überall im Konzern Stellen gestrichen werden sollen. „Alle Einheiten der Bank werden einen Beitrag leisten müssen“, sagte er. Er wolle schnelle und konstruktive Lösungen finden, um für die Beschäftigten zügig Klarheit zu schaffen.

Zudem möchte Knof für einen neuen Umgangston im Haus sorgen – und hat in einem Video deshalb allen Mitarbeitern das „Du“ angeboten. In seinem Mitarbeiterbrief duzt der neue Vorstandschef umgekehrt auch die Mitarbeiter – ein für die Commerzbank bisher völlig untypisches Vorgehen.

„Lasst uns jetzt respektvoll und fair miteinander umgehen. Das wünsche ich mir von euch allen“, schreibt Knof. „Im Gegenzug sehe ich dies auch für mich als persönliche Verpflichtung. Euer Manfred“

Experten zweifeln an Ertragsprognose

Die Commerzbank-Aktie hatte nach dem Bekanntwerden der neuen Strategie am Donnerstag mehr als sechs Prozent zugelegt. Am Freitag ging es jedoch bereits wieder bergab, das Papier verlor mehr als vier Prozent.

Die geplanten Kosteneinsparungen seien höher als erwartet, lobten die Analysten der Schweizer Großbank UBS. Sie haben allerdings Zweifel, ob die Commerzbank ihre Erträge wie anvisiert „weitgehend stabil“ halten kann, wenn sie allein in Deutschland jeden dritten Job streicht.

Auch die Ratingagentur S & P verlangt hierzu auf einem Investorentag am 11. Februar noch detaillierte Informationen. Grundsätzlich unterstreicht der Umbauplan aus Sicht von S & P, dass die Commerzbank „erhebliche Anstrengungen unternehmen muss, um eine angemessene Profitabilität zu erreichen“.

Die Ratingagentur weist zudem darauf hin, dass die meisten anderen Geldhäuser mit großem Restrukturierungsbedarf ihren Umbau bereits vor dem Ausbruch der Coronakrise gestartet haben.

Positiver fällt die Einschätzung der Fondsgesellschaft Deka aus. „Das ist ein ordentlich großer Wurf“, sagte Bankanalyst Andreas Thomae der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich hoffe, dass das jetzt der Befreiungsschlag ist.“

Aus Sicht von Thomae wird der Umbau jedoch schwierig. Knof müsse intern viel Überzeugungsarbeit leisten. „Chapeau an Herrn Knof, wenn er das schafft.“