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Verdi entscheidet endgültig über Tarifkompromiss für Hafenarbeiter

HAMBURG (dpa-AFX) - Der vor knapp zwei Wochen gelöste Tarifkonflikt um die Entlohnung von Hafenarbeitern in Nordseehäfen steht am Montag nochmals auf der Tagesordnung. Dann will die Bundestarifkommission der Gewerkschaft Verdi endgültig entscheiden, ob sie dem mit dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) ausgehandelten Tarifkompromiss zustimmt.

Das Gremium, das Beschäftigte aller Betriebstypen repräsentiert, hatte nach der zehnten Verhandlungsrunde in Bremen schon mit großer Mehrheit die Annahme empfohlen. Bevor es endgültig grünes Licht gibt, sollte aber noch die Meinung der Gewerkschaftsmitglieder in den betroffenen Betrieben eingeholt werden.

Der Einigung war eine beispiellosen Serie von drei Warnstreikrunden vorausgegangen, die im Juni und Juli die Abfertigung von Gütern und Containern in den Nordseehäfen für insgesamt 80 Stunden lahmgelegt. Eine derartig heftige Tarifauseinandersetzung gab es zuvor mehr als vier Jahrzehnte nicht mehr.

Der von Verdi und ZDS ausgehandelte Kompromiss sieht spürbare Entgelterhöhungen in diesem und im kommenden Jahr für die 12 000 Beschäftigten vor. Zudem enthält der Abschluss Anpassungsregeln für den Fall, dass die aktuell extrem hohe Inflationsrate von fast acht Prozent auch im kommenden Jahr ausufern sollte. Vor allem die Details dieser Regeln waren bis zum Schluss umstritten. "Unser wichtigstes Ziel war ein echter Inflationsausgleich, um die Beschäftigten nicht mit den Folgen der galoppierenden Preissteigerung allein zu lassen. Das ist uns gelungen", hatte Verdi-Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth nach dem Abschluss gesagt.

Wenn die Verdi-Tarifkommission nun auch endgültig grünes Licht gibt, ist aus Sicht der Häfen die Gefahr eines erneuten Arbeitskampfs vom Tisch - wegen der 24-monatigen Laufzeit des Tarifkompromisses für mindestens zwei Jahre. Ein weiterer Ausstand würde die ohnehin zulasten von Wirtschaft und Verbrauchern massiv gestörten Lieferketten zur Unzeit treffen. Jede Störung, etwa Lockdowns in einzelnen Häfen, eine Havarie wie die der "Ever Given" im Suezkanal im März vorigen Jahres oder eben ein Arbeitskampf, wie zuletzt etwa im englischen Containerhafen Felixstowe, bringt zusätzlich Sand ins Getriebe und mindert zusätzlich die Pünktlichkeit der Schiffe.