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Verbraucher zahlen kleine Beträge auch in der Coronakrise am liebsten mit Bargeld

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Bei großen Anschaffungen zeigt sich der Trend zu digitalen Zahlungen bereits deutlich. Das Smartphone spielt an der Ladenkasse aber bisher nur eine Minirolle.

Die Coronakrise treibt die deutschen Verbraucher zu mehr digitalen Bezahlverfahren. Doch nach wie vor dominiert Bargeld, wie eine Umfrage der Bundesbank zeigt, die sie am Donnerstag vorstellte. Demnach begleichen Verbraucher in Deutschland 60 Prozent ihrer Transaktionen mit Scheinen und Münzen. Der Wert bezieht sich auf Zahlungen an der Ladenkasse sowie Interneteinkäufe.

Vor drei Jahren lag der Anteil der Barzahlungen bei 74 Prozent. Für die aktuelle Studie wurden von Mitte August bis Mitte Oktober 2020 mehr als 5000 Menschen befragt. Dabei protokollierten die Befragten das tatsächliche Zahlungsverhalten für einen Tag oder für drei Tage.

Barzahlungen sind vor allem bei kleinen Beträgen beliebt. Bei großen Anschaffungen ist der Trend hin zum bargeldlosen Zahlen dagegen sehr deutlich. Gemessen am Wert aller Transaktionen liegt der Baranteil nur noch bei 32 Prozent. Vor drei Jahren waren es noch knapp 50 Prozent.

Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz rechnet damit, dass die Abkehr vom Bargeld auch nach der Coronakrise anhält. Die Bewegung hin zu bargeldlosen Zahlungen dürfte die „Post-Corona-Normalität des Bezahlens“ abbilden, sagte er.

Deshalb müssen sich aus seiner Sicht auch die Banken bewegen: „Die etablierten Anbieter dürfen sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, wollen sie in fünf Jahren noch eine Rolle spielen.“

Deshalb müssten die europäischen Geldhäuser auch ihre Initiative für ein einheitliches Bezahlsystem, kurz EPI, vorantreiben. „2021 wird das europäische Projekt ganz wesentlich sein“, so Balz. Derzeit allerdings steht EPI noch ganz am Anfang. Er warnt aber davor, dass beispielsweise die großen Techkonzerne aus den USA verstärkt in das Geschäft mit Zahlungsdienstleistungen vordringen und es den etablierten Geldhäusern streitig machen.

Von mehr klassischen Kartenzahlungen profitieren derzeit auch Banken und Sparkassen, die je Transaktion eine kleine Gebühr erhalten. Beim Bezahlen an der Ladenkasse, also ohne Onlineshopping, kommen die Girocard der deutschen Banken und Sparkassen, früher „EC-Karte“ genannt, und andere Debitkarten auf einen Umsatzanteil von fast 50 Prozent.

Ein großer Teil der Zahlungen wird dabei inzwischen kontaktlos erledigt. Ungefähr die Hälfte der Befragten begründete dies mit Hinweisen im Laden oder mit der besseren Hygiene. Dabei muss man die Karte nicht in das Kartenlesegerät an der Kasse einstecken, sondern nur noch dicht heranhalten. Für Beträge bis zu 50 Euro entfällt in der Regel die Eingabe des Geheimcodes.

Andere Umfragen hatten bereits darauf hingedeutet, dass immer mehr Menschen an der Ladenkasse Kartenzahlungen vorziehen. Viele Läden fordern ihre Kunden derzeit auf, auf Bargeld zu verzichten – in der Annahme, dass Kartenzahlungen hygienischer sind. Offenbar kommen dem Appell auch zahlreiche Kunden nach.

Paypal ist besonders beliebt

Zugleich boomt angesichts des Lockdowns der E-Commerce. Bei Einkäufen im Internet ist laut der Bundesbank-Umfrage der Onlinebezahldienst Paypal mit Abstand am beliebtesten. 44 Prozent der Befragten geben an, Paypal am häufigsten zu nutzen.

Zurückhaltend sind die Deutschen dagegen beim Bezahlen per Smartphone. Der Umfrage zufolge haben das 13 Prozent schon einmal ausprobiert. Doch bei Anzahl und Umsatz der Transaktionen an der Ladenkasse liegt der Anteil von Handy-Zahlungen bei höchstens drei Prozent.