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Nach umstrittenen Äußerungen: Maas fordert Entschuldigung von Laschet

Mit seinen Äußerungen zu den Corona-Fällen bei Tönnies zog NRW-Ministerpräsident Laschet Kritik auf sich. Jetzt schaltet sich der Bundesaußenminister in die Debatte ein.

Die Aussagen des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten sorgen für harsche Kritik. Foto: dpa

Ein kleiner Satz mit großer Wirkung: Nach umstrittenen Aussagen von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet kritisiert Bundesaußenminister Heiko Maas dessen Aussagen über rumänische und bulgarische Arbeiter in dem von Coronavirus schwer getroffenen Schlachtbetrieb Tönnies als „höchst gefährlich“. Bei einem Besuch in Bulgarien forderte der SPD-Politiker Maas den stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Laschet am Donnerstag auf, sich dafür zu entschuldigen.

Zuvor hatte Laschet auf die Frage, was der Corona-Ausbruch über die bisherigen Lockerungen aussage, geantwortet: „Das sagt darüber überhaupt nichts aus, weil Rumänen und Bulgaren da eingereist sind und da der Virus herkommt. Das wird überall passieren.“

Maas sagte, für die Äußerung Laschets gebe es keine sachliche Grundlage. „Es ist höchst gefährlich über solche Schuldzuweisungen, die in der Sache auch noch absurd sind, Diskussionen, die wir auch in Deutschland haben, zu verstärken und auch zu verschärfen“, sagte Maas. Laschet gieße damit „Öl ins Feuer“, wie es „niemand, der verantwortliche Politik macht, tun darf“.

Auf die Frage, ob Laschet sich entschuldigen solle, sagte Maas bei einer Pressekonferenz in Sofia: „Herr Laschet hat sich, glaube ich, bereits korrigiert. Aber ich glaube, mit einer Entschuldigung würde er sich selber den größten Gefallen tun.“

Laschet hatte zuvor auf Kritik an seiner Aussage reagiert. „Menschen gleich welcher Herkunft irgendeine Schuld am Virus zu geben, verbietet sich. Mir ist wichtig klarzumachen, dass das für mich wie für die gesamte Landesregierung selbstverständlich ist“, hatte er mitgeteilt. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident gilt als möglicher Kanzlerkandidat der Union.

Mehrere SPD-Politiker hatten daraufhin eine Entschuldigung gefordert. Der SPD-Fraktionschef im NRW-Landtag, Thomas Kutschaty, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Mit diesem Zitat hat sich Armin Laschet die Denke von Tönnies eins zu eins zu Eigen gemacht. Das ist unterste Schublade.“ SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil bezeichnete es als „unsouverän, dass Herr Laschet als erstes die Bulgaren und die Rumänen, also die Arbeiter, die herkommen, um hier wirklich unter widrigen Umständen in der Fleischindustrie zu arbeiten, dass er die angreift.“ Auch er erwarte daher eine Entschuldigung, sagte Klingbeil am Donnerstag bei bild.de.
„Es ist sehr leichtfertig, das nun auf die Nationalität von Beschäftigten zu verkürzen“, sagte Volker Brüggenjürgen, Geschäftsführer des Caritasverbands im Kreis Gütersloh. Eine solche Die Vize-Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland kritisierte „voreilige Mutmaßungen“ der politisch Verantwortlichen mit scharfen Worten - ohne Laschet namentlich zu nennen. Eine „voreilige Spekulation“ entbehre jeglicher belastbarer Sachgrundlage, sagte Annette Kurschus laut Mitteilung. Es gehe jetzt um Fragen der Unterbringung und Hygienestandards.