Deutsche Märkte geschlossen

„Unser Umsatz bewegt sich zur Zeit erheblich über dem normalen Niveau“

Nach dem Corona-Schock wollen die Lauf- und Sportschuh-Unternehmer Ulf und Lars Lunge ihr Unternehmen nun in die neue Normalität führen. Dabei rechnen sie sogar mit höheren Umsätzen als zuvor.

Ulf und Lars Lunge betreiben die Lunge Lauf- und Sportschuhe GmbH mit einer Manufaktur im mecklenburgischen Dorf Düssin. Zum Geschäft gehören auch vier Laufschuh-Läden in Hamburg und Berlin. Die Lunge-Brüder beschäftigen 58 Mitarbeiter, der Umsatz liegt im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Ulf und Lars Lunge sind zwei von rund 100 Unternehmerinnen und Unternehmern, die die WirtschaftsWoche wegen ihrer kreativen Lösungen im betrieblichen Alltag in den vergangenen zwei Jahres als „Helden des Mittelstands“ beschrieben hat.

Seit dem 20. April dürfen wir in Hamburg und seit dem 22. April auch in Berlin die Filialen wieder betreiben. Natürlich unter Auflagen, die wir aber alle erfüllen können. Inzwischen wurden wir auch behördlich überprüft. Für uns ist das alles sehr anstrengend durch das Tragen der Masken, für die niemand gesundheitliche Risiken aufgrund der hohen CO2-Belastung ausschließen kann. Die Abstandregeln sind in unseren recht großen Flächen leicht einzuhalten.

Die Nachfrage durch die Kunden ist wie zu erwarten sehr groß. Sie brauchen samstags tatsächlich einiges an Geduld, weil wir nun einmal die Regeln einhalten müssen, was zu Wartezeiten führt. Unser Umsatz bewegt sich zur Zeit erheblich über dem normalen Niveau. Das wird sich zwar sicher zunehmend wieder normalisieren und doch gehen wir davon aus, dass unser Umsatz auf höherem Niveau als vorher bleiben wird. Gerade erhielten wir zudem die Nachricht, dass unser Mitbewerber Runners Point 84 Filialen für immer schließt, während wir gerade weitere Fachberater für unsere Filialen suchen. Zur Zeit haben wir 30 Mitarbeiter in den Filialen und werden wohl mittelfristig auf 40 kommen. Es ist trotz guter Bedingungen nicht leicht, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen.

In unserer Schuh-Manufaktur in Düssin, in der wir seit Jahren eigene Lauf- und Bequemschuhe fertigen, haben wir auch Masken gebaut und auch selbst genutzt für unsere Mitarbeiter. Zusätzlich haben wir auch Masken an befreundete Unternehmen verkauft. Den Mut von Herrn Grupp, sich mit den deutschen Fertigungspreisen öffentlich hinzustellen, teilen wir nicht. Unsere Masken bieten wir nicht öffentlich zum Kauf an.

Wir haben die letzten Wochen auch dazu genutzt, unser Schuh-Lager etwas aufzufüllen. Da unsere Fachhändler – insbesondere die Bequemschuhhändler – vielfach älteres Publikum haben, sind viele noch nicht annähernd wieder so besucht wie vor der Krise. Die alten Leute trauen sich nicht und die Masken verhindern ein entspanntes Einkaufserlebnis, weil sie doch bei vielen zu Luftnot und Konzentrationsproblemen führen.

Um trotz der Absatzschwäche bei den Fachhändlern die Produktion weiterhin aufrecht erhalten zu können und nicht in Kurzarbeit gehen zu müssen, haben wir einen KfW-Kredit beantragt. Damit können wir noch sehr lange Zeit unser sehr geringes Lager füllen, um dann, wenn es im Fachhandel wieder losgeht, auch entsprechend liefern zu können. Zum Jahresbeginn hatten wir 3500 Paar Schuhe am Lager – bis Mai 2021 bauen wir jetzt 10.000 zusätzlich nur für unser Lager und die Lieferfähigkeit.

Dazu kommen auch zahlreiche neue Modellreihen. Wir denken, dass zum Ende 2020 der Verkauf im Handel wieder auf ungefähr 80 Prozent des Vorkrisenniveaus steigt. Unser Verkauf wird schon in drei Monaten wieder auf dem Vorkrisenniveau landen. Bis Jahresende werden wir deutlich zulegen. Nächstes Jahr steigern wir dann um 30 Prozent. Leider werden viele Fachhändler dann nicht mehr am Markt sein oder aufgeben müssen. Das ist schade, weil wir sehr gute beratungsintensive Fachgeschäfte verlieren. Trotzdem ist die Nachfrage nach unseren Schuhen mittelfristig für uns wieder an unserer Produktionsgrenze und wir sie überall steigen. Dadurch, dass viele Menschen öffentliche Verkehrsmittel meiden, steigt tatsächlich der Bedarf an bequemen Schuhen. Auch die Nachfrage nach Schuhen aus deutscher Herkunft hat weiter zugenommen.

Die Maßnahmen haben uns und unseren Händlern einen schweren Treffer verpasst, aber wir bleiben stehen und werden noch stärker und mit viel Zuspruch wieder an den Markt herantreten. Wir werden stärker exportieren, um unser Risiko, nicht verkaufen zu können, weiter zu verteilen. Made in Germany ist im Trend wie nie und wir werden das nutzen, um volles Orchester zu wachsen.

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In der Rubrik Helden des Mittelstands porträtiert die WirtschaftsWoche regelmäßig einen Mittelständler, der eine Herausforderung kreativ, mutig und klug gemeistert hat. Was tun diese Helden gegen die Coronakrise? Wir haben nachgefragt. Alle Folgen der Serie „Helden Contra Corona“ finden Sie hier.