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Tüdelü für mehr Verkauf: Das bezwecken Supermarkt-Radios

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Sie soll für die richtige Atmosphäre sorgen, den Markenkern musikalisch widerspiegeln, aber vor allem eines tun: den Verkauf ankurbeln. Wie Hintergrundmusik in Supermärkten besonders verkaufsfördernd wirken kann – und welche Stores sich dem Dauergedudel entziehen.

Damit Kunden so viel wie möglich einkaufen, lassen sich Supermärkte so Einiges einfallen (Symbolbild: Getty Images)

Ganze Radiostationen gibt es bereits, die alles beschallen, was nicht bei Drei an der Kasse ist – in Textildiscountern, Supermärkten und Möbelhäusern. Mancher Kunde meint sicherlich, das Hintergrund-Gedudel innerlich ausblenden zu können – doch einer gewissen Wirkung wird auch er sich nicht entziehen können: Denn oft entscheidet die Musik, ob wir uns in einem Geschäft wohlfühlen.

Das Branchenmagazin Horizont.net zitiert Monika Imschloß, Junior-Professorin für Marketing und Handel an der Uni Köln, der zufolge das Tempo der Musik auch das Einkaufstempo beeinflusst: "Wenn man langsame Musik spielt, bleiben die Leute länger." Und auch das Einkaufsverhalten selbst kann in gewisser Weise gesteuert werden: So habe in einer Untersuchung das Spielen von französischer Musik den Verkauf von französischem Wein ankurbeln können.

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Radiostationen für Rewe und Co.

Im Laufe der Jahre hat sich ein breites Angebot von speziellen Instore-Radio-Stationen entwickelt, die neben der richtigen Musik zum richtigen Zeitpunkt – Stichwort Entschleunigung zum Feierabend! – auch ein attraktives Werbeumfeld für die einzelnen Stores bieten sollen. Den Anbietern – von Radio Max für Rewe und Penny, Radio P.O.S. für Obi und Deichmann oder Echion für Takko und Ikea – ist gemein, dass sie polarisierende Musikrichtungen und schrille Titel aus ihren Playlists ausschließen. Schließlich ist die Zielgruppe denkbar breit und hat den Laden mit verschiedensten Bedürfnissen betreten. “Wenn wir alles richtig gemacht haben, empfindet man die Atmosphäre als positiv, ohne dass man sagen kann, warum“, zitiert Horizont Echion-Programmchef Stephan Dewes.

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Nur vereinzelt gibt es übrigens noch Läden, die statt auf Dauerberieselung auf Stille setzen: Bei Aldi und Lidl etwa wird bislang kein Instore-Radio eingesetzt. Ihren Verkaufszahlen hat es noch nicht geschadet.

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