Deutsche Märkte geschlossen
  • Nikkei 225

    29.161,80
    +213,07 (+0,74%)
     
  • Dow Jones 30

    34.250,36
    -229,24 (-0,66%)
     
  • BTC-EUR

    32.860,69
    +1.720,00 (+5,52%)
     
  • CMC Crypto 200

    993,05
    +24,21 (+2,50%)
     
  • Nasdaq Compositive

    14.123,16
    +53,73 (+0,38%)
     
  • S&P 500

    4.237,57
    -9,87 (-0,23%)
     

Vom Trainee zur Löwin: Die 32-jährige Managerin Ilse Munnikhof macht Bank-Karriere bei der ING - jetzt will sie mehr Frauen zum Investieren bringen

·Lesedauer: 5 Min.
Ilse Munnikhof ist für die neue Anlageberatung der ING Deutschland verantwortlich.
Ilse Munnikhof ist für die neue Anlageberatung der ING Deutschland verantwortlich.

Ilse Munnikhof hat eine Vision. Diese heißt Sophia, ist 49 Jahre alt, Ärztin und lebt in Berlin. Und Sophia hat Geld - allerdings auf einem Sparkonto. Und genau das will Munnikhof ändern. Die 32-jährige Niederländerin ist als Head of Investment Advice der Direktbank ING Deutschland verantwortlich für die Anlageberatung, einen Teilbereich des Wertpapierhandels, und hat sich zum Ziel gesetzt, mehr Frauen zu Anlegerinnen zu machen.

Mit über 9,5 Millionen Kundinnen und Kunden ist die ING Deutschland die drittgrößte Bank in Deutschland, 6000 Mitarbeiter arbeiten an Standorten in Frankfurt, Berlin, Hannover, Nürnberg und Wien. Als Direktbank ohne Filialen ist die ING, die früher ING Diba hieß, vielen Verbrauchern vor allem für ihr kostenloses Girokonto bekannt. Nun scheint es, als würde die Bank auch verstärkt auf Depots setzen, die statt kostenlosen Konten oder Sparkonten gewinnbringender sind. 2020 ist die Zahl der Depotkunden der ING um 300.000 gestiegen, allein im ersten Quartal 2021 sind rund 100.000 neue Depots auf jetzt knapp 1,8 Millionen hinzugekommen, berichtet das Handelsblatt.

Mehr Frauen für Depots statt Sparkonten begeistern

"Vor fünf Jahren waren gerade einmal 30 Prozent unserer Depotkunden Frauen", erzählt Munnikhof im Gespräch mit Business Insider. Das habe sie ändern wollen - und dabei hilft ihr die fiktive Marketing-Persona Sophia als Beispiel.

Der Weg ist lang. Munnikhof erzählt von Kampagnen, mit denen explizit Frauen angesprochen wurden, von Finanz-Events mit Frauen, sowohl in der Bank als auch zusammen mit Scalable Capital, dem Robo-Advisor, mit dem die ING zusammen arbeitet. Auch das neueste Produkt der ING soll einen weiblicheren Touch bekommen. Komfort-Anlage heißt es und soll die Hürden für ein Investment extrem niedrig setzen. "Wir wollen mit der Komfort-Anlage ein Angebot schaffen, mit dem wir gerade auch Frauen fürs Investieren begeistern.", sagt Munnikhof.

Kundinnen und Kunden beantworten digital zehn Fragen, unter anderem über ihre Risikobereitschaft, ihre finanziellen Ziele, Gehalt und Vermögen. Am Ende gibt es eine Empfehlung für einen der sieben ING World Funds. Investments können bereits ab einem Euro pro Monat beginnen - und wer Hilfe braucht, den begleitet ein Berater durch die Frage-Runde. Für dieses Berater-Team hat Munnikhof nach weiblichen Kräften gesucht. "Es gibt viele Frauen, die sich lieber von Frauen beraten lassen", sagt sie. Also wurden Beraterinnen aktiv angesprochen, Teilzeit-Angebote gemacht, interne Infosessions angeboten - am Ende sind von 15 Beratern doch nur drei Frauen. Doch Munnikhof bleibt optimistisch: "Es hat sich schon viel verändert."

"Frauen haben häufig eine bessere Performance beim Anlegen als Männer"

Das merke sie auch privat. Immer öfter werde sie auch in ihrem Freundeskreis angesprochen und um Tipps und Erklärungen zum Thema ETFs, Aktien und Co. gebeten. Auch in den Medien, bei Banken und Fintechs stünden langsam Frauen und Investieren mehr im Vordergrund.

Dabei gäbe es generell wenig Grund für Frauen, Angst vor dem Investieren zu haben. "Frauen haben häufig die bessere Performance beim Anlegen als Männer - wenn sie denn einmal damit los legen", sagt Munnikhof. Frauen investierten weniger in Einzelaktien und mehr in Fonds. Sie hielten außerdem länger an ihren Entscheidungen fest als Männer. Das sei ein Vorteil, denn an dem Börsenspruch "Viel hin und her macht die Taschen leer" sei schon etwas dran. Eine Analyse der ING von 2019, für die die durchschnittliche Rendite der Wertpapierdepots von über 806.000 Kunden anonymisiert ausgewertet wurde, zeigt, dass weibliche Privatanleger mit durchschnittlich 24,11 Prozent Rendite erfolgreicher waren als männliche mit 23,5 Prozent. Das hing auch mit dem hohen Anteil von Fonds in den Depots zusammen. Dieser betrug bei den Frauen 25 Prozent, bei den Männern waren es hingegen nur 18 Prozent.

"Versucht, älter auszusehen, als ich war"

Neben ihrem Engagement, mehr Kundinnen zu gewinnen, ist auch Munnikhofs schneller Aufstieg in der Bank beachtlich. 2012 begann die Niederländerin, die akzentfrei Deutsch spricht, nach ihrem Studium in Amsterdam als Trainee bei der Direktbank im Rechnungswesen. Nach drei Jahren hörte Munnikhof von einem neuen, internationalen Team der Bank, das in Frankfurt aufgebaut werden sollte - mit dem Ziel, globale Wertpapierlösungen zu entwickeln. Sie wechselte nach Deutschland und trieb unter anderem die Partnerschaft mit dem deutschen Robo Advisor Scalable Capital voran. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Projekts stieg sie als 28-jährige zum Business Manager von Nick Jue auf, dem Vorstandsvorsitzendem der ING Deutschland, und wurde seine rechte Hand.

"Es war mir immer wichtig, nach zwei bis drei Jahren zu schauen, was der nächste Schritt sein könnte", sagt Munnikhof. Ob sie schon einmal aufgrund ihres Geschlechts oder Alters unterschätzt wurde? "Vor ein paar Jahren habe ich noch versucht, älter auszusehen als ich war", erinnert sich Munnikhof. Sie selbst habe auch einmal Vorstandsmitgliedern die Frage gestellt, ob sie zu jung sei, um ein großes Projekt zu leiten. "Mir wurde dann gesagt, es gehe um die Skills, nicht das Alter - und die hätte ich", so Munnikhof. Schließlich bekam sie dann auch die Verantwortung für ein großes Projekt - die Komfort-Anlage. Das Team, das daran arbeitet, umfasst rund 60 Menschen.

"Man sollte gut wissen, was in der Bank passiert."

Mittlerweile bekomme sie auch Nachrichten von Kolleginnen aus der Bank, die sie um Ratschläge für den eigenen Aufstieg bitten. Munnikhof: "Meine besten Tipps sind: Man sollte gut wissen, was in der Bank passiert und wo es gerade neue Entwicklungen gibt." Sie selbst habe sich durch informelle Mittagessen und Kaffee-Verabredungen mit Kollegen aus anderen Abteilungen auf dem Laufenden gehalten. In Zeiten von Homeoffice treffe sie Kolleginnen und Kollegen virtuell auf einen Plausch, abseits der Meetings.

Ilse Munnikhof als Sängerin der Firmenband der ING.
Ilse Munnikhof als Sängerin der Firmenband der ING.

Neben dem Netzwerken sei es auch wichtig, an sich selbst zu glauben. "Man muss dranbleiben, wenn man von einem Projekt überzeugt ist - auch wenn einen andere verunsichern, ob man wirklich die Richtige dafür ist", sagt Munnikhof. Sie selber sei von ihren Vorgesetzten oft gefördert worden, so zum Beispiel als die Stelle des Business Managers des Vorstandsvorsitzenden unbesetzt war.

Heute ist Ilse Munnikhof außerdem Teil der "Lionesses" der ING, wie sich das Frauennetzwerk der Bank in Anspielung auf das Wappentier, den Löwen, nennt. Gemeinsam veranstalten sie Netzwerktreffen, Workshops und Lunches. In ihrer Freizeit ist die Managerin auch gerne musikalisch unterwegs, als Teil der ING-Band "Swining Lions". Auch hier hat sie sich hochgearbeitet: vom Keyboard zur Lead Sängerin.