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Tichanowskaja will Verhandlungen mit Lukaschenko-Führung

·Lesedauer: 1 Min.

MINSK (dpa-AFX) - Rund sieben Monate nach der als gefälscht geltenden Präsidentenwahl in Belarus will Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja Verhandlungen mit dem autoritären Machtapparat. Auf einer eigens eingerichteten Online-Plattform können Belarussen ab sofort für solche Gespräche stimmen, wie Tichanowskaja am Donnerstag sagte. Der Rückhalt für Langzeitmachthaber Alexander Lukaschenko bröckele mittlerweile auch in den eigenen Reihen, erklärte die ins EU-Land Litauen geflüchtete 38-Jährige.

Es sei nun an der Zeit, unter internationaler Vermittlung friedliche Lösungen gemeinsam mit denjenigen Regime-Vertretern zu finden, "die bereit sind, an die Zukunft zu denken und reife Entscheidungen zu treffen". Solche Verhandlungen sollten Straßenproteste im Frühjahr allerdings nicht ersetzen, sondern ergänzen, betonte Tichanowskaja. Das langfristige Ziel der belarussischen Opposition sind Neuwahlen.

Lukaschenko hat Verhandlungen mit seinen Gegnern stets abgelehnt, die er als Unruhestifter diskreditiert. Tichanowskaja ist in ihrer Heimat zur Fahndung ausgeschrieben. Belarus sieht sie als Gefahr für die nationale Sicherheit und forderte kürzlich von Litauen ihre Auslieferung. Litauen lehnte das vehement ab.

Der als "letzter Diktator Europas" kritisierte Lukaschenko hatte sich nach 26 Jahren an der Macht zum Sieger der Wahl am 9. August erklären lassen. Die Demokratiebewegung des Landes sieht allerdings Tichanowskaja als wahre Siegerin. Auch die EU erkennt Lukaschenko nicht mehr als Präsidenten an und verhängte Sanktionen. Nach der Wahl kam es monatelang zu Massenprotesten mit rund 30 000 Festnahmen, Hunderten Verletzten und zahlreichen Toten.

Nach dem Abflauen der Proteste in den Wintermonaten hat die Opposition für das Frühjahr neue Demonstrationen angekündigt. Experten halten es aber für fraglich, ob diese nach der massiven Polizeigewalt im vergangenen Jahr noch einmal vergleichbare Ausmaße annehmen können. Zu Spitzenzeiten waren Hunderttausende gegen Lukaschenko auf die Straße gegangen.