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Ihre Themen, ihr Politik-Stil und mögliche Koalitionen: Das können wir von einer Grünen-Kanzlerin Baerbock erwarten

Christiane Rebhan
·Lesedauer: 5 Min.

In die Geschichtsbücher – zumindest jene über die Grünen – geht diese Entscheidung sowieso ein: Am Montag hat die Partei bekannt gegeben, mit Annalena Baerbock in die Bundestagswahl zu ziehen und die 40-Jährige als Kanzlerkandidatin aufzustellen. Seit 2013 sitzt sie als Abgeordnete im Bundestag, seit 2018 ist sie Parteivorsitzende der Grünen. Regierungserfahrung hat Baerbock allerdings noch nicht, was ihre politischen Gegner gerne als Mangel auslegen. Deshalb wollte Business Insider von Weggefährten wissen, was man von Annalena Baerbock als Kanzlerin erwarten könnte.

Das sind die Themen der designierten Grünen-Kanzlerkandidatin: Baerbock kündigte an, eine Politik "für die Breite der Gesellschaft" machen zu wollen. Klimaschutz solle Maßstab für alle Bereiche werden. Bei allen harten Entscheidungen, die zu treffen seien, wolle sie Politik "menschlich und empathisch" machen. Während der Corona-Pandemie tat sie sich immer wieder als Sozialpolitikerin hervor. Unter anderem griff sie wiederholt die Themen Schulen und Nachhilfe auf. Auch aus eigener Erfahrung, wenn die Doppelbelastung aus Arbeit und Homeschooling „wieder voll zuschlägt“ . Das schultere dann überwiegend ihr Mann, sagte die Grünen-Chefin.

Ein prominenter Grüner traut ihr jedenfalls einiges zu: Sie habe den Kompass und den Mut zur dringend erforderlichen Erneuerung unseres Landes, sagte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Sie sei Expertin für Klimaschutz, aber auch wirtschaftspolitisch versiert. "Sie wird die notwendige Transformation des Wirtschaftsstandorts klug mitgestalten." Auch in der Außenpolitik habe die 40-Jährige etwas zu bieten: "Sie ist eine Europapolitikerin aus Überzeugung und auf dem Gebiet sehr beschlagen und erfahren."

Der Tochter im Kinderwagen versprach sie Einsatz für den Klimaschutz

In den ersten Interviews nach ihrer Nominierung betonte Baerbock stets, wie wichtig ihr ein starkes, einiges Europa sei. Die Dringlichkeit eines ehrgeizigen Klimaschutzkonzepts unterstrich sie mit einer Anekdote: Als im Dezember 2015 das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet wurde, lag ihre kleine Tochter im Kinderwagen neben ihr. "Da dachte ich, wenn sie groß ist, im Jahr 2050, dann werden wir für sie gerechten Klimaschutz geschaffen haben."

Diese Koalitionsoptionen zieht Baerbock in Betracht: Die Grünen-Vorsitzende will ihre Partei ohne Präferenz für eine bestimmte Koalition in den Wahlkampf führen. "Wir trotten nicht anderen hinterher", sagte die Parteivorsitzende am Montag in Berlin. Gleichzeitig machte sie ganz klar, dass die Grünen das Ziel haben, bei der Bundestagswahl am 26. September das Kanzleramt zu erobern. "Wir möchten am liebsten diese Regierung anführen", sagte die 40-Jährige.

Nach den aktuellen Umfragewerten könnten die Grünen Juniorpartner in einer Koalition mit der Union werden. Aber auch für eine Ampel-Koalition unter Führung der Grünen mit SPD und FDP oder eine grün-rot-rote Koalition mit SPD und Linken könnte es bei der Wahl rechnerisch reichen. Baerbock sagte, sie will "die Programme nebeneinander legen" und – natürlich entsprechend des Wahlausgangs – auf Gemeinsamkeiten prüfen.

Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten in den Programmen von SPD, CDU und FDP

Angesprochen auf eine Koalition mit den Unionsparteien erklärte sie, die CDU hätte noch nichts vorgelegt, "die sind blank". Hingegen hätte sie im Wahlprogramm der SPD vor allem im sozialen Bereich "viele Schnittmengen" erkannt. Baerbock betonte allerdings, es bringe jetzt nichts, darüber zu spekulieren. "Wir definieren uns nicht entlang anderer", sagte sie. "Damit gestaltet man nicht. Damit läuft man nur anderen hinterher."

Das sagen Wegbegleiter über ihren Politikstil: In den vergangen Monaten hat Annalena Baerbock nach Aussagen einiger Parteifreunde "zielstrebig" das Feld von hinten aufgerollt. Eigentlich galt Robert Habeck als Favorit auf die Kanzlerkandidatur, doch Baerbock zog mit Themenversiertheit an ihm vorbei. In einem Brief an die Grünen beschreibt Habeck seine Co-Vorsitzende als "energische, willensstarke Frau, mit einem klaren politischen Kompass". Baerbock kämpfe stets hart in der Sache und sei "getrieben von dem Verlangen, die Welt zu verändern". Leidenschaft und Opferbereitschaft für das Amt bringe die 40-Jährige mit.

Seit eineinhalb Jahren arbeitet Franziska Brantner mit Baerbock im Parteirat zusammen. Dort planen und bestimmen sie gemeinsam die Arbeit zwischen den Gremien, Fraktionen und Landesverbänden der Bundespartei. Brantner bezeichnet Baerbock als "taffe Verhandlungsführerin", die mit "unglaublicher Ausdauer um Kompromisse ringt". Dabei versuche sie "alle mitzunehmen und das Beste herauszuholen." Ähnliches hört man auch von Ricarda Lang, sie arbeitet mit Annalena Baerbock im Bundesvorstand zusammen. Die grüne Kanzlerkandidatin wisse, wo sie hin will. "Dabei nimmt sie alle mit, ist reflektiert und hört zu. Und sie setzt auf Kooperation."

Bei den jungen Parteimitgliedern ist Baerbock beliebt

Ricarda Lang und Anna Peters arbeiten eng mit Annalena Baerbock zusammen und wissen, wie die Grüne-Kanzlerkandidatin arbeitet.
Ricarda Lang und Anna Peters arbeiten eng mit Annalena Baerbock zusammen und wissen, wie die Grüne-Kanzlerkandidatin arbeitet.

Aus dem Nähkästchen plaudern kann auch Anna Peters, die Bundesvorsitzende der Grünen Jugendorganisation. Sie erinnert sich an einen Abend, an dem innerhalb der Grünen Partei hart gerungen wurde, es ging um die Höhe des CO2-Preises. "Bei schwierigen Verhandlungen bleibt Annalena Baerbock konsequent bis zum Schluss dran, nimmt sich Zeit schickt niemand anderen vor. Als wir spätabends beim Parteitag 2019 in Bielefeld einen guten Kompromiss gefunden hatten, zog sie einen Kasten Bier hervor und wir haben gemeinsam angestoßen. Das Kameradschaftliche und Freundschaftliche – trotzdem es vorher hart zur Sache ging – das macht sie aus." Baerbock sei eine Teamplayerin, die nach dem offiziellen Teil solcher Veranstaltungen nicht ins Bett gehe, sondern zusammen mit den Jungen die Tanzfläche stürmt.

Jetzt muss die Grünen-Chefin noch auf einem Parteitag vom 11. bis 13. Juni bestätigt werden, dann ist der Weg frei für den Wahlkampf – und möglicherweise auch bis ins Kanzleramt.