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Streit um geplante Schließung der Produktion in Babenhausen

Continental will die Produktion am Standort Babenhausen bis Ende 2025 schließen. Dort arbeiten rund 1800 Menschen. Gespräche mit Interessenten der Fabrikgebäude laufen bereits – und sorgen für Streit mit dem Betriebsrat.

Die Schließung der Produktion am Continental-Standort Babenhausen schreitet voran. Man sei hinsichtlich einer Nachnutzung der Produktionsgebäude mit Interessenten im Gespräch. Foto: dpa

Die geplante Schließung der Produktion am Continental-Standort Babenhausen schreitet voran. So sei man bereits „hinsichtlich einer Nachnutzung der Produktionsgebäude aktiv mit potenziellen Interessenten“ im Gespräch, sagte Continental der WirtschaftsWoche. An- und ungelernte Mitarbeiter aus der Produktion würden qualifiziert. Laut Betriebsrat haben bereits 41 Menschen die Umschulung zu gewerblichen Berufen wie Verfahrensmechaniker und Mechatroniker begonnen. Außerdem werden dem Unternehmen zufolge derzeit auch Mitarbeiter an den internen und externen Arbeitsmarkt vermittelt. Laut Continental konnte man bereits „über 500 potentielle externe Arbeitsplätze identifizieren“.

Solche gut gemeinten Aktionen sorgen jedoch für Unmut im Betriebsrat. Die Personalabteilung verteile ab und an Stellenausschreibungen von anderen Firmen, sagte Standort-Betriebsratschef Roland Weihert der WirtschaftsWoche. „Dieses Vorgehen wird vom Betriebsrat nicht akzeptiert. Der Arbeitgeber versucht hier, Mitarbeiter loszuwerden – ohne die Zahlung einer Abfindung“, das gehe nicht. Ohnehin hätten seit September 2019 schon rund 200 Mitarbeiter Continental Babenhausen verlassen. Überwiegend gingen Mitarbeiter mit einem befristeten Arbeitsvertrag, es gab auch Eigenkündigungen. Continental wollte die Zahlen nicht kommentieren.

Auch einige der 450 Entwickler des Standortes arbeiten bereits auf neuen Projekten. Etwa 80 Arbeitsplätze in der Entwicklung habe man etwa durch Altersteilzeit oder Verrentung sowie eine „normale Fluktuation und interne Transfers“ reduziert, sagte Continental. Die intern transferierten Mitarbeiter sind laut Continental weiterhin am Standort, allerdings für andere Geschäftsbereiche, tätig.

In Babenhausen will sich Continental bis Ende 2025 schrittweise aus der Serienproduktion des Geschäftsbereichs Instrumentation & Driver HMI zurückzuziehen. Die Einheit produziert Elemente für das Fahrer-Cockpit wie etwa digitale Tachos. Um die Entwicklungskosten zu senken, will Conti bestimmte Forschungs- und Entwicklungsarbeiten bis Ende 2021 von Babenhausen an andere Standorte verlagern. Insgesamt sind damit am Standort über 2200 Arbeitsplätze von Veränderungen betroffen.

Nun spitzt sich der Streit mit dem Betriebsrat zu, denn er fühlt sich schlecht informiert und im Stich gelassen. Bezüglich der Gespräche über den Verkauf der Produktionshallen etwa habe man keine Informationen. Auch sei Continental dabei, die Verlagerung der Produktion vorzubereiten. „Diese Themen müssen aber zuerst in einem Interessenausgleich schriftlich fixiert werden“, sagte Weihert. So weit sei man „noch lange nicht. Immer wieder versucht der Arbeitgeber, den Betriebsrat vor vollendete Tatsachen zu stellen, dies werden wir als Betriebsrat aber nicht akzeptieren und werden, wenn nötig, auch rechtliche Schritte einleiten.“

Continental sagt dazu, dass man bezüglich der Verlagerung der Produktion erst in der Vorbereitungs- und Analysephase sei. „Erst, wenn wir diesen Schritt abgeschlossen haben, werden wir laufende Produktion verlagern. Dabei werden wir die enge Abstimmung mit der Arbeitnehmervertretung suchen.“ Die Verhandlungen zum Interessenausgleich hätten noch nicht begonnen. Angesichts des zeitlichen Horizonts bis Ende 2025 sei man auch erst „in den Anfangsschritten“.

Noch hofft der Betriebsrat ohnehin, das Management davon zu überzeugen, andere Conti-Produkte in Babenhausen produzieren zu lassen. So hat der Betriebsrat bei dem wirtschaftlichen Berater „Validated Advice“ ein Gutachten mit dem Ziel in Auftrag gegeben, Alternativen für das Werk zu entwickeln und Mitarbeiter am Standort zu halten. In zwei bis drei Wochen rechnet der Betriebsrat mit dem Abschlussbericht und will die Ergebnisse dann mit Continental verhandeln. Bislang zeichne sich ab, „dass eine Einstellung der Serienproduktion in Babenhausen nicht zwingend erforderlich ist“, sagt Weihert.

Noch hoffen sie in Babenhausen.