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Internes Schreiben: Wie der neue Opel-Chef die Belegschaft zu motivieren versucht – während 2100 Jobs abgebaut werden sollen

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Der neue Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz an der im Stammwerk Rüsselsheim gefertigten Limousine Insignia. Foto: Opel
Der neue Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz an der im Stammwerk Rüsselsheim gefertigten Limousine Insignia. Foto: Opel

Der neue Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz wendet sich in unruhigen Zeiten mit einem internen Brief an die Belegschaft. Das Schreiben des 58-jährigen Topmanagers liegt Business Insider vor.

„Die kritischen Stimmen, die derzeit über Opel zu hören sind, blenden leider zu oft die vielen positiven Fakten aus“, betont Hochgeschurtz in der ausführlichen Mitteilung. Opels Mannschaft habe in den vergangenen vier Jahren, also unter der Ägide seines Amtsvorgängers Michael Lohscheller, „viele Hausaufgaben erfolgreich erledigt“ und „ein Comeback hingelegt, das in der Automobilindustrie seinesgleichen sucht“. Dies habe Zehntausende Jobs gesichert. „Bei Opel, aber auch bei den Händlern und Zulieferern“, wie Hochgeschurtz anfügt.

Opel ist Teil des aus den Fahrzeugkonzernen PSA und FCA formierten Stellantis-Verbunds. Als Mitglied des Top Executive-Teams von Stellantis berichtet Hochgeschurtz direkt an den Stellantis-CEO Carlos Tavares.

„Es ist ein großer Vorteil, Teil eines so starken Verbunds zu sein“, hebt Hochgeschurtz in seinem Brief an die Mitarbeiter hervor. Daher verwunderten ihn Schlagzeilen wie „Opel ist nur noch eine Marke von vielen“.

Die entsprechende Erklärung des vormaligen CEOs von Renault Deutschland hebt ab auf die Gepflogenheiten internationaler Wettbewerber wie Ford, Toyota und VW: „Ja, Opel ist eine von 14 Marken im Stellantis-Konzern – genauso wie es andere Automobilmarken gibt, die Teil anderer großer Konzerne sind.“

Zudem sei Opel – einziges deutsches Label im Konzern – „als eine von nur zwei Marken in der Stellantis-Markengruppe ‚Upper Mainstream’ angesiedelt und für den Konzern deshalb von großer strategischer Bedeutung – in Europa und global“.

Mit Blick auf aktuell vielfach verbreitete Einwände gegen manche Pläne der Rüsselsheimer legt Hochgeschurtz nach: „Die Kritik an Opel blendet aus, dass es angesichts des enorm schwierigen Wirtschaftsumfelds absolut notwendig ist, weiter an unserer Wettbewerbsfähigkeit zu arbeiten.“ Dabei werde „gerne vergessen, dass wir massiv in unsere Standorte investieren“.

Als Beispiele für derlei Zukunftssicherung führt Opels CEO an, dass „in Rüsselsheim der neue Astra designt, entwickelt und produziert“ werde, das Flaggschiff Insignia „und – ein großer Vertrauensbeweis von Stellantis – das Premiummodell DS 4 unserer französischen Schwestermarke DS Automobiles“. Im Werk Kaiserslautern wiederum ziehe Opel mit dem Mutterkonzern eine Gigafactory für Batteriezellen hoch.

Hochgeschurtz weiter: „Die Entwicklung ist positiv, weil die Traditionsmarke Opel Teil eines großen Verbunds ist, der Freiheiten lässt und Synergien gibt. Das ist bei uns nicht anders als bei anderen Großkonzernen unserer Branche, wo zum Beispiel auch nicht jede Einzelmarke die rechtliche Hoheit über alle Werke hat“. Daher – „und um die Zusammenarbeit und Flexibilität innerhalb des Stellantis-Produktionsverbunds weiter zu stärken“ – prüfe man, „die Produktionsstätten Rüsselsheim und Eisenach in eigene Rechtsorganisationen zu entwickeln“.

Seine persönliche Wertung dieser Gedankenspiele schildert Hochgeschurtz in aller Deutlichkeit: „Das ist sicherlich keine, wie Kritiker behaupten, ‚Zerschlagung’, sondern eine geplante, interne Umstrukturierung“. Vor der angeblichen Gefahr einer Zerschlagung Opels hatte unter anderem die IG Metall vor Kurzem gewarnt.

Dass sich die gesamte Fahrzeugindustrie mitten in einem fundamentalen Wandel befindet und aufgrund zahlreicher Sonderfaktoren schwierige Aufgaben zu lösen hat, führt Hochgeschurtz seinen Teams besonders eindringlich vor Augen: „Die Welt ändert sich schnell, die Automobilindustrie noch schneller.“ Und er mahnt zu nochmals höherer Geschwindigkeit: „Wir müssen uns diesem Tempo gemeinsam anpassen, wenn wir erfolgreich sein wollen.“

Opels seit dem 1. September dieses Jahres amtierender Kapitän ist überzeugt: „Stillstand und Trägheit können wir uns nicht erlauben. Es gibt viele Herausforderungen, insbesondere die Corona-Pandemie, Halbleiter-Knappheit und die allgemeine Transformation der Branche, die Investitionen in Milliardenhöhe erfordert.“ In derlei kniffligen Zeiten seien unterschiedliche Positionen zwischen den Sozialpartnern keinesfalls ungewöhnlich. Hier gelte es, sich „im Sinne eines guten sozialen Dialogs auszutauschen und zu verhandeln“.

Unter dem Strich zeigt sich Hochgeschurtz zuversichtlich mit Blick auf die Zukunft Opels und nennt in seinem Schreiben eine Reihe konkreter Gründe für seinen Optimismus. So laufe eine große Elektro-Offensive auf Hochtouren, „beim Thema CO2-Ausstoß haben wir sogar eine Vorreiterrolle eingenommen“.

Des Unternehmens Stammsitz Rüsselsheim sei und bleibe die Wiege und die globale Zentrale von Opel. Hochgeschurtz: „Mehr als das: Rüsselsheim ist auch die neue Zentrale der Vertriebsorganisation von Stellantis in Deutschland.“ Der Konzern komme im bisherigen Jahresverlauf auf einen Marktanteil in Deutschland von 14,5 Prozent und sei damit die klare Nummer zwei am deutschen Markt (hinter VW; Anm. d. Red.).

„Klar ist“, so Hochgeschurtz, „wenn wir die richtigen Entscheidungen treffen“, werde Opel gestärkt aus dem Umbruch hervorgehen. Warum er sich dabei so sicher sei, stellt sich der Opel-Lenker eine rhetorische Frage. Die Antwort der Führungskraft: „Weil Opel eine starke Marke mit langer Tradition und hervorragenden Autos ist.“

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