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Als Startup-Unternehmerin in die Politik: Die Gründerin von "Kitchen Stories" zieht in den Bundestag ein

·Lesedauer: 3 Min.

Verena Hubertz ist erfolgreiche Start-up-Gründerin und seit heute auch Bundestagsabgeordnete – und das mit erst 33 Jahren. Im Wahlkreis Trier stimmten 33 Prozent der Wähler für die SPD-Politikerin, so sicherte sie sich das Direktmandat.

Wie fand die Unternehmerin ihren Weg in die Politik? Im Gespräch mit Business Insider sagte sie, sie habe sich vor ein paar Jahren eine klassische Karrierefrage gestellt: "Was will ich in den nächsten fünf, zehn oder 20 Jahren machen?" Hubertz entschied, dass es Zeit für etwas Neues ist. Mit Anfang 30 kehrt sie als erfolgreiche Gründerin der Startup-Szene den Rücken. Ihr neues Aufgabenfeld: die Politik. So kandidierte Hubertz in Trier für die SPD.

Hubertz ist eine von mehreren Kandidatinnen und Kandidaten, mit denen Generalsekretär Lars Klingbeil der Partei ein neues Gesicht geben wollte. Die Gelegenheit dafür ist günstig: Bei der kommenden Bundestagswahl wird es einen Generationenwechsel geben. Prominente Sozialdemokraten wie Bundesjustizministerin und -familienministerin Christine Lambrecht haben nicht mehr kandidiert. Die Generation, die nachdrängt, ist jünger und diverser.

Treffen mit Apple-Chef Tim Cook

Trier wird nun von einer Unternehmerin im Bundestag vertreten, die wahrscheinlich vermögender ist als die meisten ihrer Parlamentskollegen. Hubertz sagt, sie befürworte zwar höhere Steuern für Menschen wie sich selbst, nutzt für ihre Unternehmensbeteiligungen jedoch unter Gründern weit verbreitete, aber eben auch Steuer sparende Modelle. Zu der möglichen Angriffsfläche, die sie als Kandidatin bietet, sagte sie: "Es bringt ja nichts, wenn ich das verstecke. Das ist eben meine Geschichte. "

Und diese Geschichte geht so: Hubertz stammt aus Trier und gründete 2014 nach ihrem Master zusammen mit ihrer Studienfreundin Mengting Gao "Kitchen Stories" in Berlin. Die App soll Menschen Spaß am Kochen vermitteln und Rezepte einfach erklären. Kurz darauf wurde "Kitchen Stories" im Apple App Store empfohlen, gewann Preise und wurde schnell populär. Sogar Apple-Chef Tim Cook besuchte das Unternehmen in Berlin. "Total angenehm" sei er gewesen, sagt Hubertz. Bis heute hat "Kitchen Stories" 20 Millionen Downloads, die Firma beschäftigt 50 feste Mitarbeiter. 2017 verkauften die Gründerinnen die Mehrheit ihrer Anteile an Bosch, mehr als 20 Millionen Euro soll die Firma insgesamt wert sein. Zweifellos eine Erfolgsgeschichte. Doch ist die in der Politik wiederholbar?

Hubertz ist schon länger in der SPD aktiv und dabei gut vernetzt. Zu ihren Förderinnen gehört Katarina Barley, Vizepräsidentinnen des EU-Parlaments. Nach Hubertz gefragt, sagt sie: "Von ihrem Talent war ich schon früh überzeugt". Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) habe ihre Bewerbung ebenfalls "total unterstützt", sagt Hubertz.

Auch die Parteizentrale in Berlin hat sie auf dem Schirm. Generalsekretär Lars Klingbeil nannte sie „eine der spannendsten Kandidatinnen bei der kommenden Bundestagswahl.“ Innerhalb ihrer Partei konnte sie mögliche Einwände gegen sich also zerstreuen. In der SPD in Trier setzte sie sich gegen zwei lokale Kandidaten durch. Dass sie in Trier gewinnt, war im Übrigen keineswegs sicher. Das Direktmandat in der Stadt gewann die SPD zuletzt 2002.

Hubertz sagte, sie wolle sich im Bundestag um Wirtschaftspolitik kümmern. Dabei wolle sie auch mehr "Startup-Geist" in die Politik bringen, sagt sie. Das betreffe nicht nur dynamischere Arbeitsprozesse, sondern auch, dass ihre Partei sich trauen solle, größer zu denken. "Startup-Unternehmen haben mehr Visionen. Wir bei der SPD denken den Kompromiss schon immer mit", sagt Hubertz. Die SPD soll nach ihrem Geschmack also forscher werden.

Von der Gründerin zur Praktikantin

In der SPD ist Hubertz als Unternehmerin eher eine Seltenheit – als Sozialdemokratin unter Unternehmern jedoch auch. Sie sagt: "Wenn es mir um Maximierung meines Unternehmensinteressen geht, wäre ich nicht in dieser Partei. Aber ich blicke über den Tellerrand hinaus.“ Für sie ist Unternehmertum eine Abwandlung des SPD-Aufstiegsversprechens: Aufstieg durch Gründung.

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