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Sie startete Deutschlands erstes börsennotiertes Cannabis-Unternehmen – So arbeitet Pia Marten

·Lesedauer: 8 Min.
„Einen Schritt zurückgehen ist gar nicht so schlimm, wie es sich manchmal anfühlt und hat nichts mit Scheitern zu tun", sagt Pia Marten, die mit ihrem Startup Cannovum viele Hürden überwinden musste.
„Einen Schritt zurückgehen ist gar nicht so schlimm, wie es sich manchmal anfühlt und hat nichts mit Scheitern zu tun", sagt Pia Marten, die mit ihrem Startup Cannovum viele Hürden überwinden musste.

Sie brachte Deutschlands erstes Medizinalcannabisunternehmen an die Börse: Pia Marten ist Mitgründerin und Geschäftsführerin von Cannovum. Ihr Startup ist ein voll lizenzierter pharmazeutischer Großhändler, Importeur und Hersteller von medizinischem Cannabis mit Sitz in Berlin. Cannovums Ziel ist es, die medizinisch-wissenschaftliche Aufklärung im Bereich der Cannabis-Produkte zu verbessern und den flächendeckenden Vertrieb von cannabinoiden Ausgangsstoffen zu ermöglichen, um so mehr Zugang zu cannabis-basierten Therapien zu schaffen. Wir erfahren von der 30-jährigen Gründerin, wie sie bei der Arbeit den Überblick behält, warum Google Meet oft Probleme bereitet und mit welchem Trick sie abends zur Ruhe kommt.

Pia, was macht die Arbeit in deinem Berufsfeld schwer – ich denke da an Lizenzen und Richtlinien im Betäubungsmittelgesetz – und wie hast du diese Hürden bewältigt?

Um in diesem Markt überhaupt agieren zu können, mussten wir in einem langwierigen Prozess zahlreiche Lizenzen einholen: etwa die Großhandelserlaubnis, die GMP-Lizenz (Good Manufacturing Practice: Gute Herstellungspraxis zur Qualitätssicherung der Produktionsabläufe) und die Betäubungsmittellizenz, sowie eine Einfuhrerlaubnis, um Cannabis importieren zu dürfen.

Der Prozess hat bei uns etwa ein Jahr gedauert – und damit waren wir schnell! Oftmals braucht das mehrere Jahre. Das ist eine große Hürde in der Branche, weil in dieser Zeit logischerweise nichts verkauft werden kann und die finanzielle Belastung dementsprechend hoch ist.

Da das Thema Cannabis generell sehr stigmatisiert wird, gab es viele kleinere und größere, unerwartete Hürden. Es war beispielsweise sehr schwer, bei der Bank ein Firmenkonto zu eröffnen. Die aktuell größte Hürde sehe ich für Patienten: Wir haben in Deutschland viel mehr Patienten als Ärzte, die verschreiben. Nicht jeder Patient, der von einer cannabis-basierten Therapie profitieren kann, erhält Zugang dazu. Das möchte ich gerne ändern.

Wie würdest du deine eigene Arbeitsweise beschreiben?

In einem Startup ist bekanntermaßen immer viel zu tun. Um den Überblick zu behalten, verfolge ich eine sehr strukturierte Arbeitsweise - ich organisiere mich mit verschiedenen Tools wie Trello, Calendly und Google Calendar. Trello hilft mir, den Überblick über alle To-Dos zu behalten und zu priorisieren (ich überprüfe meine Boards mehrmals täglich) und blocke auch in Google Calendar gerne Zeitfenster ein, um besonders fokussiert an einem Thema arbeiten zu können. Da ich als CEO viel unterwegs bin, sind die digitalen Tools und To-Do-Listen wirklich hilfreich, um einfach von überall aus zu arbeiten. Bin ich zwischendurch mal gestresst oder habe das Gefühl, dass zu viele Themen auf dem Tisch liegen, hilft es mir enorm, noch einmal auf meine diversen Trello-Boards zu schauen und sie gegebenenfalls neu zu priorisieren.

In welchem Bereich könntest du dich verändern oder verbessern?

Ich arbeite derzeit daran, mehr Aufgaben zu delegieren und Themen auch mal abzugeben. Mein Team wächst schnell und ich bin es noch gewohnt, an fast allen Themen mitzuarbeiten – ganz wie in der Anfangsphase der Gründung. Ich weiß, dass das vielen Gründern schwer fällt, weil es sich ein bisschen so anfühlt, als würde man das eigene Baby aus der Hand geben. Aber ab einer bestimmten Größe ist das notwendig. Man kann nun einmal nicht alles erledigen. Ich habe zum Glück ein wundervolles Team mit tollen Menschen und weiß, dass alle Aufgaben in guten Händen liegen und alle Verantwortung übernehmen. Das hilft mir sehr dabei, auch mal loszulassen. Auf der anderen Seite werden bei einem wachsenden Team Einzelgespräche seltener, was schade ist. Durch wiederkehrende Workshops behalten wir jedoch einen guten Teamspirit und Zusammenhalt in der Firma.

Hast du eine bestimmte Routine im Arbeitstag?

Am Morgen trinke ich als erstes Kaffee, checke meine Mails und lese meine Nachrichten. Abends fällt es mir oft nicht leicht, gedanklich richtig abzuschalten. Das führt dazu, dass es immer ein wenig dauert, bis ich einschlafe. Ich habe mir deshalb angewöhnt, ein Hörbuch anzuhören und stelle mir dann einen Sleep-Timer dazu. Aktuell höre ich mir gerade wieder meinen Lieblingsklassiker aus der Jugend an: Harry Potter.

Mit welchem digitalen Helfer kommen du und dein Team am besten aus?

Cannovum und die einzelnen Teams arbeiten mit den Tools von Google, zum Beispiel: Mail, Meet und Drive. Trello nutzen wir für die Aufgabenverteilung – es gibt ein Trello-Board für alle und jeweils eines für jedes Team. Jedes Team nutzt zusätzlich noch weitere Tools – unser Marketing-Team arbeitet beispielsweise mit Asana, unser Kommunikations-Team nutzt Hootsuite. Wichtig ist uns, dass unsere IT-Systeme cloudbasiert sind.

Mit welchen dieser digitalen Helfer liegst du eher im Clinch?

Google Meet – manchmal gibt es Tage, an denen die Qualität der Videocalls weniger gut ist und es zu Übertragungsverzögerungen kommt. Dann sind Calls eher etwas anstrengend. In dem Fall weichen wir auf eine andere Plattform oder das gute alte Telefon aus. Und es gibt einen digitaler Helfer, den ich absolut nicht mag und den wir intern auch nicht benutzen: Microsoft Teams.

An welchen Arbeitstagen funktioniert euer Team besonders gut? Was ist an solchen Tagen anders?

Wir sind ein Berliner Unternehmen und viele unserer Mitarbeitenden wohnen in Berlin, jedoch nicht alle. Deshalb ist Cannovum remote und digital aufgestellt – wir arbeiten je nach Wunsch im Homeoffice, haben aber auch ein Büro in Berlin, was jeder nach Belieben nutzen kann. Und jeden Mittwoch treffen wir uns gemeinsam im Büro vor Ort. Das funktioniert für uns sehr gut. Doch gerade weil eben nicht immer alle in Berlin sind, haben wir im sechs- bis achtwöchigen Turnus Teamworkshops eingeführt. Diese sind für uns sehr bedeutsam, da wir an diesen Tagen persönlich zusammenkommen und gemeinsam arbeiten, aber auch den Teamspirit stärken und gemeinsam etwas unternehmen, wie zum Beispiel zusammen den Arbeitstag beim Essengehen ausklingen lassen.

Was sind deine Hobbies und wie helfen sie dir dabei, Stress abzubauen?

In meiner oft begrenzten freien Zeit ist es mir wichtig, abschalten zu können. Dabei helfen mir meine Freunde, mit denen ich mich gerne zu gutem Essen und einem Glas Wein verabrede. Und ich bin zwar keine Fitnessfanatikerin, aber wenn meine Zeit es zulässt, gehe ich gerne mal joggen oder mache zu Hause Yoga oder ein Cardio Workout. Bewegung hilft mir, den Kopf freizubekommen. Gerade auch, weil ich in meinem Job natürlich viel am Schreibtisch sitze. Außerdem lese ich gerne. Zuletzt „Boarderlines” von Andreas Brendt und aktuell „COVID: The great Reset“ von Klaus Schwab und Thierry Malleret.

Wann arbeitest du selbst am besten und am produktivsten und wieso?

Am besten arbeite ich am Morgen, wenn ich noch ganz für mich bin und keine festgelegten Arbeitstermine und -gespräche habe. Ich war früher nie eine Frühaufsteherin, aber das hat sich seit der Gründung geändert. Ich setze mir von 7.30 Uhr bis um 9 Uhr ein Zeitfenster, um mich auf die wichtigsten Aufgaben des Tages zu fokussieren. In einem klar festgelegten Zeitblock ohne Unterbrechungen bin ich meist am produktivsten und konzentriertesten.

Wie motivierst du dein Team, vor allem in harten Zeiten?

Jeder und jede hier im Team trägt sehr viel Verantwortung, erhält aber gleichzeitig auch viel Rückhalt und Unterstützung von allen – gerade dann, wenn Dinge auch mal schief gehen. Jedem im Team ist bewusst, dass wir alle an der gleichen Vision arbeiten, alle an einem Strang ziehen. Wir haben einen starken Team-Zusammenhalt und alle helfen einander aus. Patientengeschichten geben uns immer einen ordentlichen Motivationsschub. Wenn wir von Ärzten und Apothekern hören, wie viel besser sich Patienten fühlen, wie viel Lebensfreude und -qualität sie (zurück-)gewonnen haben und dass sie wieder am Leben teilhaben können, dann freut uns das natürlich besonders. Denn für uns gilt: Jeder Patient verdient die beste Therapie.

Und wie motivierst du dich, vor allem in harten Zeiten?

Meine Familie und mein Freundeskreis unterstützen und bestärken mich immer in jeder Lebenslage und vor allem dann, wenn es mal schwierig ist. Sie geben mir die nötige Kraft und Motivation, die ich brauche. Mir persönlich hilft es sehr, in meinem Mitgründer Marius einen Sparringspartner gefunden zu haben. Dadurch kann ich alle möglichen Lösungsansätze gedanklich aus zwei Perspektiven betrachten, um in in schwierigen Situationen so die beste herausfiltern zu können. Zusätzlich ist unser Aufsichtsratsvorsitzender Udo Schmickler für mich wie ein Mentor, der mir mit seiner langjährigen Erfahrung zur Seite steht und wertvolle Ratschläge und Tipps gibt.

Welchen Rat möchtest du anderen Frauen in der Startup-Welt mit auf den Weg geben?

Glaubt an euch und lasst euch nicht unterkriegen. Euer Enthusiasmus und Vertrauen in eure Vision ist eure größte Stärke. Sich immer wieder an das eigene „Warum“ zu erinnern wird euch helfen und motivieren, wenn die Dinge mal nicht so laufen wie geplant. Es ist wichtig, sich immer wieder vor Augen zu führen, was der Sinn eurer Vision ist: Warum habt ihr euch für das entschieden, was ihr macht? Was wird es verändern? Vertraut eurer Vision und vertraut darauf, dass ihr zusammen mit allen Aufgaben und Hürden, die euren Weg kreuzen, wachsen werdet. Niemand ist perfekt und wenn ihr es schafft, im Wachstums-Mindset zu bleiben, kann euch nichts unterkriegen. Denn dann ist ein Stolpern oder Fehler machen nur ein kleiner Zwischenstopp auf eurem Weg zur Verwirklichung eurer Vision.

Was ist ein Rat, den du allen Gründerinnen und Gründern geben kannst?

Einfach mal machen! Es ist total wichtig, überhaupt erstmal anzufangen und sich nicht vom Respekt vor großen Zielen und damit zusammenhängenden To-Do’s abschrecken zu lassen. Einmal angefangen, wird es auch laufen. Und besser, man setzt sich kleine Zwischenziele und arbeitet auf diese hin, anstatt direkt eine Mammutaufgabe angehen zu wollen. Das ist weniger frustrierend, man bleibt geduldiger und verliert sich nicht zwischenzeitlich. Und zuletzt: Nicht aufgeben! Ein Schritt zurückgehen ist gar nicht so schlimm, wie es sich manchmal anfühlt und hat nichts mit Scheitern zu tun. Er kann vielmehr helfen, Situationen neu auszuhandeln, umzudenken – und letztendlich seinen Zielen näher zu kommen.

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